1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Treffen mit ungewissem Ausgang

Erstellt:

gikult_SkipArnold_OnDisp_4c
Der US-Amerikaner Skip Arnold - hier die Performance »Display« von 1993/1995 (New York). Foto: Skip Arnold © Skip Arnold

Kunsthalle Gießen zeigt monatliche Performance-Reihe im Unteren Hardthof

Gießen. Die Kunsthalle Gießen ist seit dieser Woche geschlossen. Der Austausch der Lüftungsanlage sowie des Bodenbelags machen monatelange Umbaumaßnahmen notwendig. Doch das heißt nicht, dass die Rathaus-Galerie deshalb den Betrieb einstellt. Im Gegenteil: Mit dem Unteren Hardthof hat die Kunsthalle eine temporäre Ausweichspielstätte gefunden. Und dort steht am 28. Juni der Beginn einer spektakulären, monatlichen Performancereihe auf dem Programm.

Dazu tat sich die Kunsthalle mit dem Kölner Performancearchiv Die schwarze Lade zusammen. Dort werden unter der Leitung von Boris Nieslony unzählige Materialien zu diesem noch relativ jungen Kunstgenre gesammelt: Fotos, Videos, Materialien und Dokumente, die zu über 4000 Dossiers zusammengefügt wurden. »Nieslony besitzt über diese Sammlung ein unglaubliches Netzwerk in alle Welt«, berichtet Tarika Johar von der Kunsthalle Gießen. Und das ließ sich für die fünfteilige Reihe »Exbodyment« gewinnbringend nutzen.

Jeweils zwei internationale Künstler treffen dabei auf dem Gießener Hardthof-Gelände aufeinander. Sie kommen aus Nordirland und China, aus Mexiko und Japan, aus Kanada und Norwegen. Den Auftakt übernehmen am 28. Juni (19 Uhr) der in Paris lebende US-Amerikaner Skip Arnold und der in Dublin lebende Brite Nigel Rolfe. Beide stehen für »intensive Auseinandersetzungen mit dem eigenen Körper«, wie Kunsthallen-Leiterin Dr. Nadia Ismail erläutert. Das Besondere an der neuen Reihe: Wie werden diese beiden Künstler, die sich bislang noch nie begegnet sind, aufeinander reagieren? Werden sie interagieren, vielleicht gar künstlerisch miteinander verschmelzen? Oder stehen ihre Performances unvermittelt nebeneinander? Das werde sich erst vor Ort entscheiden. Die Besucher »sollten daher pünktlich sein«, lacht Nadia Ismail. Denn diese Performance lässt sich nur im - unwiederbringlichen - Moment erleben.

Zur Verfügung stehen den beiden Auftaktgästen wie allen weiteren eingeladenen Künstlern dafür die Galerie des Unteren Hardthofs ebenso wie die Freifläche davor sowie die spektakulären Kellerräume, die auf dem einstigen Brauereigelände zur Lagerung von Bierfässern dienten. Noch ist nicht klar, für welche der optionalen Bühnen sich die Männer entscheiden. Das dürfte erst am Tag ihrer Ankunft vor Ort geklärt werden. Die Räumlichkeiten werden der Kunsthalle vom Oberhessischen Künstlerbund (OKB) überlassen, der dort selbst regelmäßig Ausstellungen organisiert. »Wir freuen uns natürlich sehr, hier solch ein spannendes Programm sehen zu können«, sagt Dieter Hoffmeister vom OKB.

Und Nadia Ismail zeigt sich dankbar, die Reihe »Exbodiment« an dem eingeführten Gießener Ausstellungsstandort zeigen zu können. Speziell Skip Arnold gehe in seinen Performances an nicht leicht zu konsumierende Grenzen, auch Nacktheit gehöre dazu. »Das braucht einen speziellen, einen geschützten Rahmen.« Den hat sie an diesem Standort gefunden.

Körperliche Grenzbereiche

Zugleich kündigt sie weitere Projekte an, mit denen die Kunsthallen-Mitarbeiter in den nächsten Monaten beschäftigt sein werden. Dazu gehört ein Überblickskatalog zum Oeuvre der US-Künstlerin Julia Scher, die zuletzt den Gießener Galerieraum futuristisch ungestaltet hat. Der Katalog entstehe nun in Kooperation mit verschiedenen europäischen Institutionen wie der Kunsthalle Zürich, erläutert Nadia Ismail. »Das ist schon eine fordernde Aufgabe.« Der Katalog soll voraussichtlich im Februar 2023 erscheinen.

Und dann ist ein weiteres Projekt geplant, bei dem Künstler und Kulturschaffende befragt werden, von welchen Dingen sie an ihren eigenen Wänden im Büro oder zu Hause umgeben sind. »What’s on your wall?« lautet der Titel der Serie, die voraussichtlich im Juli starten soll - sowohl auf den digitalen Plattformen als auch in einer analogen Variante.

Weitere Informationen zu der Performance-Reihe sowie den weiteren Projekten der Kunsthalle gibt es unter www.kunsthalle-giessen.de.

gikult_NIGELROLFE_THETIM_4c
Der Brite Nigel Rolfe - hier die Performance »The Time is now« von 2018. Foto: Nigel Rolfe © Nigel Rolfe

Auch interessant