Treis: Feedback zur Dorf-App

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TREIS/LDA - (dge). Eigentlich sind Veranstaltungen in Treis dafür bekannt, dass die Hütte voll wird. Dem war nicht ganz so beim Feedback-Abend zur Dorf-App. Der Staufenberger Stadtteil wurde neben Dornholzhausen, Königsberg, Oppenrod und Harbach für die Pilotphase des Projekts des Landkreises Gießen ausgewählt. Jeweils zehn Personen aus jedem der fünf Orte durften die App ausgiebig testen.

Und das erklärt vielleicht auch die leeren Sitzreihen in der Treiser Sport- und Kulturhalle.

"Schwarzes Brett"

Was ist die Dorf-App? Ein wenig vergleichen kann man sie mit einem "Schwarzen Brett", dem Aushang im Supermarkt oder - falls sich der eine oder andere noch erinnert - mit dem "Milchbänkchen", früher einmal der Ort schlechthin, um Nachrichten oder auch den neuesten Dorfklatsch auszutauschen. Ganz ähnlich soll die App funktionieren, nur eben digital. Hier können unter anderem Veranstaltungen angekündigt werden, es gibt Nachrichten - auch vom Medienpartner der Dorf-App, dem Gießener Anzeiger. Weiterhin gibt es einen Chat und auch einen Marktplatz, auf dem regionale Anbieter ihre Waren inserieren können, Notfallrufnummern und so einiges mehr. Entwickelt wurde die App von der "Fabrik 19" (Gießen). "Vernetzt, wo man verwurzelt ist" lautet das Motto, unter dem das Projekt im Herbst an den Start ging. Auch in Treis gab es eine Gruppe von Bürgern, die das digitale "Milchbänkchen" getestet haben.

Gemeinsam mit Norman Best, der das Projekt für den Landkreis leitet, Projektmanagerin Sabine Köhler-Lindig (Fabrik 19) und Anja Janetzky (Kreisvolkshochschule) tauschten die Tester ihre Erfahrungen aus, regten Änderungen an. Dass der Start der App ein wenig schleppend ging, führte Best auf Corona zurück. Es habe kaum Veranstaltungen gegeben, die man ankündigen oder über die man berichten konnte. Trotzdem sieht er die Dorfgemeinschaft nach wie vor als "Motor des Projekts". Die ersten Tester hatten eine Schulung erhalten, sie könnten nun ihre Mitbürger mit der App vertraut machen. Doch trotz Pandemie hatten die, die den digitalen Dorfplatz schon mal ausprobiert haben, sich offensichtlich durchaus mit der Materie auseinandergesetzt. Vor allem der Weg, um dorthin zu gelangen, schien ein wenig umständlich. Um sich für sein Dorf zu registrieren, bekommt man einen - analogen - Brief, den man aus der App heraus anfordern muss. Per Brief verschickt der Landkreis einen individuellen QR-Code für jeden Bürger. Der muss dann nur noch eingescannt werden und fertig. Der Postweg sei sinnvoll, doch für junge Leute nicht ganz das, was sie gewohnt seien, war zu hören. Vielleicht soll man eine Einlade-Funktion erwägen. So könnten registrierte Teilnehmer weitere Bürger einladen. Köhler-Lindig erklärte, das sei mit dem Datenschutzbeauftragten des Landkreises Gießen besprochen worden und "ja, das ist etwas kompliziert, aber dafür auch sicher". Dennoch wolle man in die Überlegungen einbeziehen, ob und wie man die Regis-trierung vereinfachen könne, fügte Best an. Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller sprach die Möglichkeit an, die Dorf-App über einen Bildschirm laufen zu lassen, den man an einem öffentlichen Ort anbringen könne. Eventuell könne der QR-Code von diesem Bildschirm abgescannt werden. "Doch, wie schütze ich so einen Bildschirm vor Vandalismus, wenn er zum Beispiel vor dem Feuerwehrhaus hängt?", gab er sogleich zu bedenken. Ein schützendes Panzerglas könnte sehr teuer werden. Die Stadtverordnete Claudia Zecher (FW) sah es pragmatisch: "Dann doch lieber ein Brief. Das ist schließlich kein Hexenwerk." Reiner Klein, Mitglied im Seniorenbeirat, schlug vor, dass die Stadtverwaltung die Vereine anschreiben könne. Die Vereine wiederum könnten per E-Mail bei ihren Mitgliedern für den Beitritt zur Dorf-App werben und auf diesem Weg auch gleich den QR-Code versenden.

Gruppen möglich

Einen ganz anderen, inhaltlichen Aspekt brachte Gefeller ein. Er wies darauf hin, dass es in den sozialen Netzwerken wie etwa Facebook bereits regionale Gruppen gebe. Die Beiträge der Jugendpflege Staufenberg seien zum Beispiel sehr beliebt und würden oft angeklickt. Die Frage sei, ob man deren Beiträge auch in die App einbeziehen könne. Köhler-Lindig wies erneut auf die Sicherheit der App hin, die - im Gegensatz zu öffentlichen Foren - verhindere, dass unliebsame Beiträge dort landen. Auch in der Dorf-App selbst seien Gruppen möglich. Doch man werde die Anregung gerne aufnehmen. Angesichts der Tatsache, dass zurzeit die Inzidenzen sinken und Veranstaltungen wieder möglich sind, war Matthias Schick sicher, dass die App nun verstärkt anlaufen könne. Es brauche so etwas wie ein "Zugpferd, jemanden, der die anderen mitnimmt". Im Dialog mit Landkreis und "Fabrik 19" sollen nun die Anregungen der App-Tester einfließen und für das jeweilige Dorf sozusagen "maßgeschneidert" werden.

Anja Janetzky macht auf das Kursangebot der Kreisvolkshochschule aufmerksam. Am 16. September, von 9 bis 12 Uhr, komme der "Digitale Bollerwagen" nach Treis, die kostenfreie Veranstaltung führe in die Welt von Smartphones oder Tablets ein. Zudem gibt es einen weiteren Kurs im November, der in die grundlegenden Funktionen der digitalen Endgeräte einführt. Nähere Informationen hierzu gibt es bei der Kreisvolkshochschule (0641/93905700 oder www.vhs-kreis-giessen.de).

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