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Trend »sehr negativ«

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Kreis Gießen (red). Der Nabu-Kreisverband Gießen ist alarmiert über die Situation der heimischen Vogelbestände. Die Zahl der Singvögel im Kreis Gießen gehe massiv zurück, heißt es in einer Pressemitteilung. Einige wenige seltenere Arten zeigten derzeit einen positiven Trend, so zum Beispiel Weißstorch und Grauammer. Der Gesamttrend sei jedoch sehr negativ.

Ältere Mitbürger können sich vielleicht noch an Frühjahre erinnern, wo allerorten ein reichhaltiger Gesang vieler Vogelarten zu hören war. Dagegen sei das diesjährige Vogelkonzert nur schwach besetzt gewesen. Jüngeren sei die Vielfalt der Gesänge gar nicht mehr bekannt.

Der Nabu-Kreisverband hatte im Sommer 2021 eine langfristige Auswertung der Vogelwelt (Avifauna) vorgelegt, die belege, dass 24 Brutvogelarten im Kreis bereits ausgestorben seien, davon acht seit 1975. Weitere vier Arten stünden kurz vor dem Aussterben. Bei 56 von 133 Brutvogelarten habe der Bestand stark abgenommen.

»Dieser Trend setzte sich in den vergangenen beiden Jahren rasant fort«, beklagt der Nabu. Betroffen seien jetzt auch häufigere Vogelarten. Bei den heimischen Schwalbenarten, dem Mauersegler, bei Feldsperling, Goldammer, Girlitz und anderen sei die Situation »besonders dramatisch«. Der Trend habe sich in diesem Jahr stark beschleunigt.

Diese Entwicklung stehe klar in Zusammenhang mit dem großen Insektensterben. Mehrere internationale Untersuchungen belegten inzwischen einen dramatischen Schwund der Insektenmasse um 80 Prozent. Die Hauptursache liegt aus Sicht des Nabu an der Anwendung von Insekten- und Unkrautbekämpfungsmitteln in der Landwirtschaft.

An der grundsätzlichen Einstellung in der Landwirtschaft müsse sich etwas ändern, ansonsten werde der gesamte biologische Kreislauf zusammenbrechen, heißt es in der Mitteilung weiter. Viele politische Lenkungsmaßnahmen zielten derzeit hauptsächlich auf Verbesserungen für die Honigbienen ab. Die notwendige Artenvielfalt werde dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Die Politik sei gefordert, erträgliche Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zu etablieren, die Förderung von »Biosprit«, der diesen Namen nicht verdient, einzustellen und den Anbau ohne Einsatz von Pestiziden viel stärker zu fördern. Die Landwirte stünden in starker internationaler Konkurrenz. Deshalb sollten sich die Verbraucher wieder mehr auf regionale Kreisläufe besinnen, appelliert der Nabu abschließend.

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