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»Umbauen, nicht neu bauen«

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Das Kompostwerk in Geilshausen existiert seit mittlerweile 26 Jahren. Archivfoto: Sommer © Red

Die Vergärungsanlage des Landkreises in Geilshausen soll Bioabfälle künftig auch energetisch nutzen

Kreis Gießen (twi). Zwar fehlen noch Zahlen, doch steht schon fest: Biomüll wird teurer. Und dabei ist es egal, welche Variante letztendlich eingeschlagen wird. Ob diese Verteuerung jedoch dann auch auf die Bürger umgelegt wird, das ist ein ganz anderes Thema und zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer einzuschätzen.

Seit nunmehr 26 Jahren werden die in Gießen und den Kreisgemeinden gesammelten Bioabfälle im Kompostwerk Rabenau auf dem Standort »Zum Noll« in Geilshausen angeliefert und dort zu Kompost verarbeitet. Das Kompostwerk wird aktuell im Auftrag des Landkreises von einem privaten Dritten betrieben. Um die nun angrenzend vom Landkreis geplante der Kompostierung vorgeschaltete Bioabfallvergärungsanlage ging es nun in einer Sondersitzung des Kreistagsausschusses für Umwelt- und Klimaschutz im Bürgerhaus Wieseck. »Wir müssen Rabenau umbauen, nicht neu bauen«, machte Dr. Marcel Grünbein von der beauftragten pbo Ingenieurgesellschaft den Ausschussmitgliedern in seinem Vortrag klar.

Ziel der neuen Bioabfallvergärungsanlage ist es, Bioabfälle auch energetisch zu nutzen. Damit einher geht auch Sanierung und Umbau zur Integration des Kompostwerks in ein Gesamtkonzept der Vergärung der Bioabfälle und der nachfolgenden Kompostierung der Gärreste. Bioabfälle sollen so künftig auch energetisch genutzt werden.

20 Fahrzeuge täglich

Aktuell werden jährlich 40 000 Tonnen Bio- und Grünabfall in Geilshausen angeliefert. Die bestehende Anlage befindet sich damit am Kapazitäts- sowie Genehmigungsmaximum, sodass der Umbau mit einer Kapazitätserhöhung auf 42 000 Tonnen jährlich einhergehen soll, um auch zukünftig bei höheren Bevölkerungszahlen und gesteigerter Erfassungsquote die Entsorgungssicherheit gewährleisten zu können. Täglich werden durchschnittlich rund 225 Tonnen angeliefert, wobei ein Fahrzeug 11,3 Tonnen fasst, demzufolge täglich 20 Fahrzeuge die Anlage ansteuern. Die Kostenschätzung für die Investitions- und Betriebskosten belaufen sich auf 12,2 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere 13,5 Millionen Euro für Bau- und Maschinentechnik, sodass von einem Gesamtvolumen von 25,7 Millionen Euro ausgegangen wird und hier aufgrund dieser Größenordnung eine europaweites Ausschreibungsverfahren festgeschrieben ist.

Wie Grünbein erläuterte, wurde bei dieser Summe bereits berücksichtigt, dass bisherige Bausubstanz bei der Umbaumaßnahme genutzt werden soll. Eine Wärmebereitstellung für das neue interkommunale Gewerbegebiet von Rabenau, Allendorf/Lda. und Grünberg beschrieb Grünbein als »technisch möglich, ökologisch sinnvoll und ökonomisch gegebenenfalls sinnvoll«. Dabei sei der Wärmebedarf der Abnehmer volatil. Bei einer Durchsatzleistung von 42 000 kommenden ergebe sich im Durchschnitt eine verfügbare Wärme von 590 kW, ein Wärmeverbrauch durch die Vergärung mit 70 kW und ein Wärmeverbrauch für die Kompostierung von 285 kW.

Rückbau

Für die Neugestaltung des Standortes müssen Teile des bestehenden Kompostwerks zurückgebaut werden. Der Rückbau umfasst die Bestandstankstelle, kleine Hallen, Garagen und die bestehende Übergabestation. Aus Alters-, Kapazitäts- und rechtlichen Gründen wird das Betriebsgebäude zurückgebaut und durch ein neues, dem Standard, dem zukünftigen Personalbedarf und rechtlichen Anforderungen genügendes Betriebsgebäude ersetzt. 145 Haushalte könnten letztendlich mit Wärmeenergie versorgt werden. »Wenn wir nur die Kompostierung auffrischen mit 1,3 Millionen Euro, sind wir bei 43 Euro pro Tonne. Jede Aktion, die Sie anstoßen, führt dazu, dass es teurer wird. Die Gebühren werden vermutlich steigen, auch wenn wir nur das Kompostwerk sanieren«, so Grünbein. Kreis-Umweltdezernent Christian Zuckermann (Grüne) sicherte den Ausschussmitgliedern zu, die gewünschten Zahlen noch zu erhalten.

Foto: Wißner

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Marcel Grünbein © Thomas Wißner

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