1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Unterkünfte für Flüchtlinge gesucht

Erstellt: Aktualisiert:

2015/16 wurden viele Flüchtlinge in den sogenannten Laumann-Häusern untergebracht.
2015/16 wurden viele Flüchtlinge in den sogenannten Laumann-Häusern untergebracht. Die Container tragen den Namen, weil sie vom Wettenberger Unternehmer und Investor Kai Laumann erbaut und an den Landkreis verkauft worden waren. Inzwischen sind verschiedene der Häuser wegen der nach 2016 zurückgehenden Flüchtlingszahlen abgebaut und zum Beispiel an Schulen als Klassenraumcontainer eingesetzt worden. © Archivfoto: M. Bender

Da wieder mehr Flüchtlinge kommen, benötigt der Landkreis Unterkünfte und appelliert an Kommunen und Privateigentümer.

Kreis Gießen. (ib). Mit einem eindringlichen Appell wandte sich am Mittwoch der Landkreis Gießen an Hauseigentümer und ehrenamtlich engagierte Helfer in allen 18 Kommunen. »Krieg, Not und politische Verfolgung veranlassen viele Menschen weltweit dazu, ihr Heimatland zu verlassen«, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises. Weil mehr Menschen ankämen, steige nun der Bedarf an weiteren Unterbringungsmöglichkeiten.

Schaut man sich die aktuellen Belegungszahlen der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) an, scheinen die Zeichen auf Entspannung zu stehen. Seit November sank die Zahl der in Gießen und in mehreren Außenstellen untergebrachten Asylbewerber von 5767 auf zuletzt 4204.

Doch die rund 1500 Menschen, die in den vergangenen vier Monaten die EAEH verlassen haben, müssen gemäß dem Königsteiner Schlüssel auf die hessischen Kommunen verteilt und dort untergebracht werden. Das sind 4,9 Prozent der vom Regierungspräsidium Darmstadt in Hessen verteilten Asylbewerber.

Delta schließt sich

»Wir stehen da vor den gleichen Herausforderungen wie die anderen Landkreise in Hessen und Deutschland«, sagte Achim Szauter, Leiter des Fachdienstes Migration des Landkreises Gießen, beim Pressegespräch.

Erste Hinweise auf eine erhöhte Zuweisung habe man bereits im September vergangenen Jahres aus dem hessischen Sozialministerium erhalten. Seien damals noch fünf bis sechs, »oder auch mal zehn« Menschen im Landkreis zu verteilen gewesen, ist die Zahl auf rund 30 in der Woche gestiegen.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015/16 hatte der Landkreis rund 30 Gemeinschaftsunterkünfte in Holzmodulbauweise angeschafft, die nach ihrem Hersteller benannten »Laumann-Häuser«. Von denen würden aber jetzt nur noch rund 15 zur Verfügung stehen, sagt Kreis-Sozialdezernent Hans-Peter Stock (FW). Die anderen werden mittlerweile in Schulen oder Kitas genutzt. Derzeit gebe es in diesen 15 »Laumann-Häusern« und zehn weiteren angemieteten Gemeinschaftsunterkünften noch 183 freie Plätze. Bei rund 15 bis 20 neu Unterzubringenden pro Woche und nur rund 50 Asylbewerbern, die im Monat eigene Wohnungen beziehen oder den Landkreis verlassen, kann man sich ausrechnen, wann die Kapazitäten erschöpft sind. Das Delta zwischen Zu- und Abgängen sowie dem Platzangebot schließe sich voraussichtlich Ende März, konstatiert Stock.

Zwar habe man drei zusätzliche Gemeinschaftsunterkünfte in Wettenberg, Ettingshausen und Hungen mit circa 100 weiteren Plätzen gemietet, aber das verschiebe die Belastungsgrenze nur um einen weiteren Monat. Auch habe man in der Dezernentenrunde den Bau von drei weiteren Holzmodulhäusern einstimmig beschlossen. Aber bis das knapp zwei Millionen Euro teure Projekt ausgeschrieben, zugeteilt und umgesetzt worden ist, dürfte es Oktober werden, schätzen die beiden Experten vom Landkreis.

Um also die im ersten Quartal erwarteten 347 Menschen unterbringen zu können, bittet der Landkreis nun Kommunen und Privatleute, bei der Suche nach geeignetem Wohnraum zu unterstützen.

»Wir haben die 18 Landkreiskommunen bereits gebeten, uns dringend leerstehende Liegenschaften zu melden, die als Gemeinschaftsunterkünfte genutzt werden könnten. Bisher ist die Resonanz sehr unterschiedlich«, meint Sozialdezernent Stock. Nach wie vor sehr engagiert sei die Stadt Staufenberg mit Bürgermeister Peter Gefeller. Derzeit erfülle die Kommune bei weitem mehr als das durchschnittliche Kontingent im Landkreis und beschäftige zudem unterstützendes Personal wie eine Migrationslotsin. Andere Kommunen hätten dagegen bislang noch gar keine Angebot gemacht.

Gesucht werden aber nicht nur Gemeinschaftsunterkünfte, sondern auch Wohnungen. »Jede Wohnung, in die eine Familie einziehen kann, hilft«, sagt Stock. Und er betont: »Wir könnten Flüchtlinge auch direkt den Kommunen zuweisen. Das ist rechtlich möglich, und andere Landkreise machen das auch.« Das aber wolle man ausdrücklich nicht, und Landrätin Anita Schneider (SPD) habe in der Bürgermeisterdienstversammlung betont, dass das so bleiben werde.

Auch ehrenamtliche Helfer gebraucht

Neben den Unterbringungsmöglichkeiten benötige man jetzt aber auch wieder zahlreiche Ehrenamtliche, um die neu angekommenen Menschen im Landkreis zu unterstützen. »Ohne sie hätten wir die Jahre 2015 und 2016 nicht meistern können«, loben Stock und Szauter.

Beide räumten aber auch ein, dass das Engagement der Bevölkerung seit der großen Euphorie von 2015 spürbar nachgelassen habe. Viele Helfer der ersten Stunde seien erschöpft oder hätten sich aus Altersgründen zurückgezogen. Zuletzt hatte bereits die Gemeinwesenarbeit in Pressemitteilungen ehrenamtliche Helfer für Gemeinschaftsunterkünfte in Staufenberg oder der Rabenau gesucht.

Achim Szauter betont, dass die Neukömmlinge gerade in den ersten Wochen in einer neuen Wohnung in einer fremden Umgebung nicht sich selbst überlassen werden dürften. Ehrenamtliche Helfer könnten hier einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten und dabei auch selbst bereichernde Erfahrungen machen und neue Kontakte knüpfen.

Kommunen oder Privatleute, die Wohnungen oder Liegenschaften für Gemeinschaftsunterkünfte anbieten möchten, können sich an die Hotline des Fachdienstes Migration unter der Telefonnummer 0641/9390-9591 oder per E-Mail an gemeinschaftsunterkuenfte@lkgi.de wenden. Ehrenamtliche Aktivitäten werden von der Zaug gGmbH koordiniert. Die jeweiligen Ansprechpersonen der Gemeinwesenarbeit vor Ort findet man im Internet unter www.zaug.de/projekte/gemeinwesenarbeit/

Auch interessant