Verkehrskontrolle zwischen Laubach und Schotten

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LAUBACH/SCHOTTEN - (ija). Die Teilstrecke zwischen Laubach und der Kreisgrenze zum Vogelsbergkreis ist unter den Motorradfahrern beliebt - bietet sie doch alles, was das Herz eines Bikers höherschlagen lässt: Zahlreiche Kurven, lang gezogene Strecken, griffiger Straßenbelag, wenig befahren. Doch die Historie der Straße ist blutig. Seit 2016 verunglückten hier sechs Motorradfahrer tödlich.

46 wurden schwer verletzt. Die Hauptursache für die Unfälle war meist zu hohe Geschwindigkeit.

Um auf die Folgen aufmerksam zu machen, fand am Samstag hier an der Bundesstraße 276 eine Verkehrskontrolle des regionalen Verkehrsdienstes aus der Wetterau und Gießen statt. Vor allem Motorradfahrer waren im Visier.

In den vergangenen Jahren gab es vor Ort zudem diverse bauliche Maßnahmen. Durchgezogene Mittellinien, Leitplanken, Rüttelstreifen sowie Geschwindigkeitsreduzierungen in allen relevanten Kurvenbereichen sollen für mehr Sicherheit sorgen. 80 - 60 - 80: mehr Tempo ist nicht mehr erlaubt. Dabei könnte auf den geraden Strecken locker mit 100 gefahren werden, meint Polizeihauptkommissar Jürgen Sill. Könnte - würde es nicht einige rücksichtslose Raser geben. "Wer auf Geschwindigkeit aus ist, weiß um das Risiko. Das ist der Kick, den die Raser suchen. Wo es irgendwie geht, wird die 'Mühle' aufgerissen. Sie testen den Grenzbereich ihrer Maschinen. Das ist gefährlich. Denn ist dieser überschritten, geht die Kontrolle verloren."

Die Folgen sind zu sehen. Denn die Polizei hat an einer Tafel erschreckende Fotos der schwersten Unfälle an dieser Strecke ausgehängt. Die Bilder zeigen: Wenn es knallt, dann richtig. Und mit verheerenden Folgen.

Punktuelle Verkehrskontrollen auf das Jahr verteilt gibt es hier immer wieder, erklärt Sill, der selbst Motorrad fährt. Doch so groß angelegt wie an diesem Tag nur einmal im Jahr - immer im Frühjahr, wenn die Motorradsaison beginnt. Gerade rollt wieder ein Motorrad auf den Parkplatz. Der Fahrer ist Polizeipräsident Bernd Paul, der die Kontrollstelle besucht.

Seit elf Uhr stehen Sill und seine Kollegen hier. Die erste Bilanz nach drei Stunden: 33 Kontrollen. Bei elf Fahrzeugen war alles in Ordnung. Bei den anderen handelte es sich überwiegend um Geschwindigkeitsverstöße von Auto- und Motorradfahrern. Der höchste wurde bislang mit 86 Stundenkilometern gemessen. Ein Punkt und 80 Euro. Auch technisch gab es einige Mängel. Nichts Großes bisher. An einem Motorrad war der Spiegel zu klein. 50 Euro wird es den Fahrer kosten. Die wirklichen Raser sind bisher nicht ins Netz gegangen. Die Kontrolle spricht sich rum. Das wissen die Beamten.

Es ist früher Nachmittag. Gerade werden wieder zwei Motorradfahrer raus gewunken. Vater und Sohn aus Wölfersheim. Für die beiden Männer ist es der erste Ausflug auf ihren Maschinen dieses Jahr. Der 55-jährige Vater zeigt Verständnis für die Kontrolle: "Hier fahren einige ganz schön wild. Manchmal erschrecken wir uns selbst, wenn uns so ein Raser überholt." Die Kontrolle ist schnell erledigt. Alles in Ordnung. Die beiden können weiterfahren.

Inzwischen ist der Parkplatz am Jägerhaus gut gefüllt. Etwa 15 Fahrer werden von den Beamten kontrolliert. Unter ihnen auch Daniel. Der junge Mann aus der Nähe von Bad Nauheim ist mit seinen Freunden unterwegs. Plötzlich wird es laut. Ein Beamter führt gerade eine Standgeräuschmessung an einem Motorrad durch. Während der Fahrer im Leerlauf Gas gibt, hockt ein Prüfer mit einem Lautstärke-Messgerät hinter dem Auspuff. Zehn Sekunden. Ein kurzer Blick auf das Gerät. Die angezeigten Werte scheinen in Ordnung zu sein. Der Fahrer kann weiter.

Für Daniel und seine Suzuki läuft es nicht so gut. Seine Fahrt endet am Jägerhaus. Grund dafür ist der rechte Bremshebel am Lenker seiner Maschine. "Kein Originalteil und in diesem Fall ohne eine Festigung und einen Nachweis", erklärt der Polizist. Das Nummernschild wird abgeschraubt und die Maschine aus dem Verkehr gezogen. Beim Motorrad ist die Vorderbremse die wichtigere. Sie ist doppelt leistungsfähiger als die Hinterradbremse. Der Frust bei Daniel ist groß. Doch seine Freunde, deren Maschinen ohne Mängel waren, muntern ihn auf. Nach etwa einer Stunde ist ein Abschleppwagen organisiert und die jungen Leute treten den Heimweg an.

Gegen 15 Uhr wird erneut ein Motorrad rausgezogen - eine BMW S 1000 XR. Reine Routine. Der Fahrer ist der 59-jährige Werner aus Lahnau. Mit seiner sportlichen Reisemaschine war er schon öfters in Italien und Österreich unterwegs. 160 PS. "Mit dem Ding kann man in acht Sekunden auf 200 sein", sagt er. Auffällig ist sein blaues Armband am Handgelenk. Es trägt den Schriftzug: "Du hast es in der Hand. Polizei Hessen." Es ist ein Präventionsarmband, das der Motorradfahrer vor rund einem Jahr bekam. Damals fuhr er auch diese Strecke und wurde kontrolliert. Die Kampagne "Du hast es in der Hand" waren zu der Zeit neu. Die Botschaft simpel: Lasst es ruhig angehen, bleibt cool, überschätzt euch nicht und seid vorsichtig. "Super Aktion, da mache ich mit", sagt Werner damals. Seitdem zieht er jedes Mal, wenn er mit seiner Maschine unterwegs ist, das Bändchen auf. Schon oft wurde er darauf angesprochen und gefragt, ob er bei der Polizei ist. Und jedes Mal erzählt der 59-Jährige dann die Geschichte des Bändchens. Das sorge einerseits für Gelächter, andererseits würden es aber alle gut finden. Er selbst steht hinter diesen Worten. "Du hast es in der Hand. Ich habe auch keine Lust hier zu fahren und ein Tieflieger räumt mich ab. Ich bin dankbar, dass die Polizei diese Kontrollen macht. Wenn es diese nicht gäbe, würden mehr Raser unterwegs sein, die einfach nicht aufs Motorrad gehören."

Ob die regelmäßigen Kontrollen und Maßnahmen entlang der B 276 Wirkung zeigen und tatsächlich zu weniger Unfällen führen, bleibt abzuwarten. Zwar seien in der Tat im vergangenen Jahr weniger Unfälle passiert, jedoch könne das auch mit der Pandemie zusammenhängen, vermutet Polizeihauptkommissar Jürgen Sill. Auch Polizeipräsident Bernd Paul zeigt sich verhalten. Dennoch betont er die Wichtigkeit dieser Kontrollen. In der Veranstaltung zu Beginn der Motorradsaison gehe es weniger um das Abkassieren der Verkehrsteilnehmer. Der Gedanke dahinter sei vielmehr, mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen. Motorradfahren sei eine sehr schöne, aber eben auch dynamische und damit gefährliche Form zu reisen. Es sei bedauerlich, dass immer wieder rücksichtslose Raser die Strecke bei Laubach für ihre gefährlichen Fahrmanöver nutzten. "Solche Verkehrsrowdys wollen wir hier nicht. Wir werden konsequent gegen diese eher kleine Gruppe solcher Fahrer vorgehen."

Die Bilanz am Ende des Tages: 107 Fahrzeuge wurden kontrolliert, darunter 57 Motorräder. Spitzenreiter waren zwei Pkw, die in der 60er Zone mit 88 geblitzt wurden, ein Biker mit 75. Bei zwei Motorrädern konnten technische Veränderungen an der Maschine festgestellt werden, wodurch die Zulassung entzogen wurde.

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