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Verpflichtend gegen weitere Bodenversiegelung

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Hungen (kag). Der Boden sei endlich und nicht vermehrbar, sagte Manfred Paul von der CDU, Landwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill. Der Landverbrauch steige stetig, fuhr er fort und ergänzte, diesen Flächenverbrauch können wir uns nicht mehr leisten. Was bei Berstadt zugepflastert worden sei, das sei bester Ackerboden.

Am Montag wurde im Hungener Umwelt- und Klimaausschuss über den Beitritt zum Bodenbündnis europäischer Städte, Kreise und Gemeinden beraten. Der Stadtverordnetenversammlung wurde einstimmig empfohlen, dem Bündnis beizutreten. Bürgermeister Rainer Wengorsch stellte den Verein »European Land and Soil Alliance (Elsa)«, dem Hungen beitreten will, vor. Das Europäische Bodenbündis vereine Städte, Gemeinden und Landkreise mit dem Ziel, sich gemeinsam für einen nachhaltigeren Umgang mit dem Boden einzusetzen. Boden sei ein schützenswertes Gut. Die Verantwortung werde durch Elsa auf die lokale Ebene gelegt. Eine Trendwende zu weniger Flächenverbrauch sei notwendig, und daran wolle man mitwirken, so Wengorsch.

Abkehr vom Landverbrauch

Auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Alexander Kargoscha (Grüne) antwortete der Bürgermeister, es gebe keine Restriktionen. Alles sei selbst auferlegt und nach der Charta abzugleichen und abzuarbeiten. Die Verpflichtung sei in die Zukunft gerichtet. Es gehe um die Sensibilisierung der Menschen erklärte Paul. Ein Umdenken sei notwendig, weg vom Landverbrauch. Als Beispiel hob Paul den Hungener Ortsteil Villingen hervor. Dort sei aus einem Gewerbegebiet ein Wohngebiet geworden.

Elsa wurde 2000 in Bozen gegründet. Dort wurde auch das Manifest zum Boden-Bündnis europäischer Städte und Gemeinden verabschiedet. Inzwischen gibt es Elsa in sechs europäischen Ländern, in Deutschland seit 2002. Der Zweck des Vereins ist die Förderung des Umwelt- und Landschaftsschutzes. Mit allen Arten von Böden sei zur Erhaltung und Entwicklung aller Bodenfunktionen, der Ressourcen sowie des Natur- und Kulturerbes nachhaltig umzugehen.

Der Verein strebt eine sozial gerechte Boden- und Landnutzung an. Er ist politisch und konfessionell unabhängig. Im Manifest heißt es: »Durch die ständig wachsende Bebauung und Versiegelung durch Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie durch die ständig andauernde Ausbeutung der Ressourcen und Übernutzung der Kulturflächen sind Böden lokal, und durch die Summe, das Ausmaß und die Verbreitung aller Beeinträchtigungen auch weltweit in sehr hohem Maße gefährdet.« Es bestehe durch die Unwiderbringlichkeit und die sehr langsame Regenerationsfähigkeit des Bodens ein enger Zusammenhang zwischen Bodenveränderungen und Klima, heißt es weiter in der Präambel zum Manifest.

Die beigetretenen Städte und Gemeinden sehen sich in der Verantwortung für eine nachhaltige Bodenpolitik und in einer Vorbildfunktion. Stimmt die Stadtverordnetenversammlung zu, ist Hungen die zweite Gemeinde im Landkreis Gießen, die sich verpflichtet hat, das Manifest zum Boden-Bündnis anzuerkennen.

Mit der Unterzeichnung der Beitrittserklärung zu Elsa verpflichtet sich Hungen außerdem, mit den Böden in der eigenen Kommune nachhaltig umzugehen, ein entsprechendes Bewusstsein bei der Bevölkerung aufzubauen und sich aktiv an der Zusammenarbeit und dem Informations- und Erfahrungsaustausch zu beteiligen.

Im Ausschuss informierte Bürgermeister Rainer Wengorsch darüber, dass die Bürgerinformationsveranstaltung zum »Wildnisfond« am 28. März ab 19 Uhr in der Schäferstadt-Halle stattfinden wird. Referenten sind Christian Unselt (Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe), Dr. Markus Dietz (Institut für Tierökologie und Naturbildung Laubach-Gonterskirchen), Robert Reißig (FBR Consulting, Weßling) und Frank Zabel (Forstservice Taunus, Niederselters). Im Anschluss ist eine zweiwöchige Online-Bürgerbefragung geplant.

Umfassende Infos und ein Fragebogen sind ab 28. März auf www.hungen.de zu finden.

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