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Vielfalt ist Trumpf

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Landrätin Anita Schneider (5.v.l.) und verschiedene Jurymitglieder übergaben die Förderpreise »Kulturregion des Landkreises Gießen«. Foto: Schultz © Schultz

Förderpreise »Kulturregion Landkreis Gießen« vergeben: Je 3000 Euro gab es für die Gewinner.

Kreis Gießen (hsch). Der Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK), das Projekt »Orgelreise durch das evangelische Dekanat Gießen« und der Gesangverein Eintracht Watzenborn-Steinberg haben die drei Hauptpreise des Förderpreises »Kulturregion Landkreis Gießen« gewonnen. Sie sind mit je 3000 Euro dotiert. Zudem gab es zwei Sonderpreise zu je 500 Euro und zwei ideelle Sonderpreise. Die Verleihung fand am Samstag in Gonterskirchen statt.

Landrätin Anita Schneider (SPD) dankte den Gastgebern, der Interessengemeinschaft Backhaus. Hier zeige sich, dass es auch im ländlichen Raum möglich sei, Kulturstätte zu sein. »Kulturförderung ist immer auch Standortförderung. Der Förderpreis hat sich etabliert«, sagte sie. Aber die Juroren hatten es nicht leicht: »Das Angebot war sehr vielfältig. Es war unheimlich schwer, die Projekte gegeneinander abzuwägen.«

Torsten Denker, der Leiter der Kreisvolkshochschule, hielt die Laudatio auf den KuKuK in Vertretung des Heuchelheimer Bürgermeisters Lars Burkhard Steinz: »Es ist ein ganz besonderer Verein, gegründet 2002 auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Gerhard Schmidt. Sie veranstalten Kunstausstellungen, Konzerte, Kleinkunst, Workshops, unterstützen andere Initiativen und Vereine und pflegen Städtepartnerschaften.« Den Preis nahmen Barbara Yeo-Emde und Dieterich Emde vom Vorstand entgegen.

Jurorin und Künstlerin Annelie Müller lobte das Projekt »Orgelreise durch das evangelische Dekanat Gießen«. Von März bis Dezember 2021 war jeden Monat eine besondere Orgel in und um Gießen mit einem Video vorgestellt worden. So konnten Menschen auch daheim den Schatz an Orgeln und Kirchen der Region kennenlernen. Ziel war es, Aufmerksamkeit auf die vielen Facetten des Instruments zu lenken sowie auf die Bedeutung der Kirchen als Kulturorte vor allem im ländlichen Raum aufmerksam zu machen. Cordula Scobel (Dekanatskantorin), Marina Sagorski und Christoph Koerber (Gießen) nahmen den Preis in Empfang.

Der Gesangverein Eintracht Watzenborn-Steinberg als dritter Hauptpreisträger sammelte in der ersten Phase der Corona-Pandemie 2020 Erfahrungen mit Online-Singstunden, die sich mit Proben in echt unter der Foyer-Überdachung der Limesschule abwechselten. Zum Dank möchte man sich mit den Erfahrungen aus dem digitalen Chorsingen in den Schulbetrieb einbringen. Jörg Haas, Bernd Rudolph, Margita Mohr und Günther Dickel nahmen den Preis entgegen. Laudator Daniel Rac (Sängerkreis Gießen) lobte Umsicht, Kooperationsbereitschaft und Engagement des rührigen Vereins.

Die ehemalige Theaterintendantin Catherine Miville lobte in ihrer Laudatio den Kinderchor »Bonissimo« der Gießener Bonifatiuskirche, der einen der beiden Sonderpreise erhielt. »Ich habt in der Zeit des Lockdowns unter größten Umständen den Probenbetrieb weitergeführt und dazu ein tolles Krippenspiel produziert. Dank auch an alle Erwachsenen und Chorleiter Michael Gilles, die wie ihr nicht aufgegeben haben.«

Die Landrätin würdigte das Projekt »Woyzeck multimedial« (zweiter Sonderpreis). Darin wurde die Graphic Novel »Woyzeck« nach Georg Büchners Theaterstück mit animierten Comicbildern gezeigt, während der Text von der Bühne des Kinos Traumstern gelesen wurde. Durch die Liveübertragung sei ein einzigartiger Theatermoment entstanden. »So wurde der Bühnenklassiker neu belebt und von einem breiten Publikum als zeitloses Drama wahrgenommen.« Autor Andreas Eikenroth, Sprecher Sven Görtz und Filmemacher Markus Bender freuten sich über den Preis.

Professor Ansgar Schnurr vom Institut für Kunstpädagogik würdigte das langjährige Projekt »Kunst in Licher Scheunen«, das »seit 2013 Lich in einen riesigen Ausstellungsort verwandelt«, sagte Schnurr. Der ideele Sonderpreis ging an Markus Bender und Lothar Liebermann.

Einen ideellen Preis erhielt auch der Wettbewerb »Langgöns schreibt«. Dazu wurden 2021 Menschen gesucht, die einen Psalm mit Stift oder Feder abschreiben, mit aktuellen Kommentaren versehen und graphisch gestalten. Rund 130 Menschen zwischen Grundschulalter und 95 Jahren haben innerhalb von zehn Wochen 150 Beiträge für das Langgönser Corona-Psalmenbuch abgeschrieben. Diese wurden zu einem 316-seitigen Buch verarbeitet und als Online-Ausgabe unter www.langgoens-schreibt.de zur Verfügung gestellt. Den Preis nahm Pfarrer Stephan Ebelt entgegen. Laudator Ansgar Schnurr sagte: »Diese Texte wirken heute noch sehr anrührend.«

Bewerbungen für den kommenden Förderpreis können bis Februar 2023 eingereicht werden.

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