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Vier Täler voller Natur und Kultur

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Von: Volker Böhm

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Die Kooperation im touristischen Arbeitskreis »Gießener Lahntäler« wird fortgesetzt. Im Lollarer Rathaus unterschrieben die Bürgermeister die Verträge. Das Foto zeigt (vorne v. l.) Michael Ranft (Buseck), Thomas Benz (Allendorf/Lda.), Dietmar Kromm (Reiskirchen) und Bernd Wieczorek (Lollar) mit Florian Langecker (Rabenau, hinten l.) und Peter Gefeller (Staufenberg). Über die Fortführung der Zusammenarbeit freut sich auch die Projektbeauftragte Anna Erb. Foto: Böhm © Böhm

Allendorf/Lda., Buseck, Lollar, Rabenau, Reiskirchen und Staufenberg setzen die Zusammenarbeit im touristischen Arbeitskreis »Gießener Lahntäler« fort.

Kreis Gießen. Wandern oder golfen? Kanu oder Kart fahren? Eine Kulturveranstaltung genießen oder sich kulinarisch verwöhnen lassen? Wer die sechs Kommunen besucht, die sich im touristischen Arbeitskreis »Gießener Lahntäler« zusammengeschlossen haben, hat viele Möglichkeiten. Zwei Jahre lang lief dieses Projekt mit Förderung aus dem »Leader«-Programm der Europäischen Union. Nun haben die Kommunalparlamente von Allendorf/Lda., Buseck, Lollar, Rabenau, Reiskirchen und Staufenberg beschlossen, die Arbeit auf eigene Kosten fortzusetzen. Am Freitagmorgen unterzeichneten die Bürgermeister im Rathaus in Lollar die Verträge.

Gastgeber Dr. Bernd Wieczorek (parteilos) sprach von einem »freudigen Ereignis«. Er lobte die Projektbeauftragte Anna Erb, die ihre Arbeit sehr gut mache.

Sein Staufenberger Kollege Peter Gefeller (SPD) meinte, dass die »vielen Kleinode« in den sechs Kommunen nicht den Bekanntheitsgrad haben, den sie verdienen. Das sei eine Motivation für das Projekt gewesen. Den Bürgern solle gezeigt werden, in welch einer tollen Landschaft sie leben, und man wolle die Region stärken. Und dabei hat man auch Tagestouristen und Übernachtungsgäste im Blick.

Begriff etabliert

Am Namen »Gießener Lahntäler« hätten sich zu Beginn einige gestört. Aber die Lahn sei nun mal bekannter als Lumda, Wieseck und Salzböde. Inzwischen habe sich der Begriff aber etabliert, meinte Gefeller.

Die Stelle von Anna Erb wurde aus dem »Leader«-Programm gefördert. Als die Förderung auslief, seien sich die Bürgermeister schnell einig gewesen, das Projekt fortzusetzen, berichtete der Staufenberger Bürgermeister. Trotz knapper Kassen stimmten alle Kommunalparlamente zu. Anna Erb ist ab 1. Januar Angestellte der Stadt Staufenberg und wird dort in der Verwaltung arbeiten. Zuvor war sie im Rathaus in Rabenau.

Gefeller verwies auf die Veranstaltungsreihe »Kultur im Fluss«, die 2023 fortgesetzt werden soll. In jeder Kommune gebe es Kunst und Kultur, die aber oft nicht über den Dorfrand hinaus bekannt gewesen sei.

Reiskirchens Bürgermeister Dietmar Kromm (parteilos) erinnerte daran, dass Tourismus schon jahrzehntelang ein Thema sei. Er würdigte, dass sich Kurt Hillgärtner, der Vorsitzende des Vereins »Region Gießener Land« und Landrätin Anita Schneider (SPD) für die ursprüngliche Förderung eingesetzt hatten.

Jetzt teilen sich die sechs Städte und Gemeinden die Summe von 85 000 Euro abhängig von der Einwohnerzahl. Buseck übernimmt rund 22 000 Euro, Lollar und Reiskirchen je 17 000 Euro, Staufenberg 13 500 Euro, Rabenau 8500 Euro und Allendorf 6800 Euro.

»Nachdem sich Anna Erb im Parlament vorgestellt hat, war Skepsis kein Thema mehr«, berichtete Allendorfs Bürgermeister Thomas Benz (Freie Wähler). Sein Busecker Kollege Michael Ranft (CDU) ergänzte, dass die Menschen durch die Corona-Pandemie gemerkt hätten, welche schönen Orte es in der Region gibt. Der Rabenauer Rathauschef Florian Langecker berichtete von immer mehr Ortsfremden mit Faltkarten, die ihm im Wald entgegenkommen. Und im Bezug auf die eigenen Bürger hofften Kromm und Gefeller, dass das Kirchturmdenken abnimmt.

Anna Erb berichtete, dass sie in Gesprächen oft höre, dass die Menschen zwar einen festen Fahrweg Richtung Gießen oder Marburg haben, dass aber alles andere nicht zu ihrem Bewegungsradius gehöre. »Ich komme ursprünglich aus Biebertal und war früher auch nie in Rabenau.«

Wie lässt sich der Erfolg dieser interkommunalen Zusammenarbeit messen? Bei den Übernachtungsgästen werde es lange dauern, zudem gebe es nicht so viele Möglichkeiten. In erster Linie gehe es um Tagestouristen.

Die will man auch mit einem neuen Flyer für die Region interessieren. Dieser liegt ab der kommenden Woche in allen Rathäusern und beim Landkreis aus. Bei den Tourist-Informationen in Gießen, Marburg und Wetzlar ist er ab Dezember erhältlich.

Für den Erfolg des touristischen Arbeitskreises braucht man Partner in der Gastronomie und bei den Freizeitanbietern. Diese zur Zusammenarbeit zu bewegen, sei eine der größten Herausforderungen, berichtete Anna Erb. Dies wisse sie auch von anderen Tourismusregionen. Sie habe den persönlichen Kontakt gesucht, aber zum Beispiel die Restaurants seien wegen Corona und jetzt der Inflation, der hohen Energiepreise oder dem Fachkräftemangel in einer großen Krise. Für kommende Woche ist aber ein Treffen geplant,

»Man braucht einen langen Atem«, ergänzte Kromm. Es sei schon ein wichtiger Faktor, dass alle Angebote auf der Internetseite www.giessener-lahntaeler.de zusammengetragen wurden. »Wir müssen zeigen, dass sich in der Region viel tut«, meinte die Projektbeauftragte.

Ein Projekt, das aktuell in Arbeit ist, ist die Zertifizierung von Wanderwegen. Der Landkreis hatte dazu eine Analyse in Auftrag gegeben. Unter dem Titel »Wanderung über Grenzen« ist eine Zusammenarbeit von Allendorf, Rabenau und Staufenberg mit Ebsdorfergrund geplant. Verschiedene Wanderwege sollen miteinander verknüpft werden. So gibt es einen alten Weg auf der Grenze zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt, der auf 15 Kilometern Länge von Staufenberg nach Roßberg verläuft.

Anna Erb hat internationales Marketing studiert und im Marketing und Eventmanagement gearbeitet. Vor den »Gießener Lahntälern« war sie beim Kamerahersteller Leica beschäftigt. Nach der Fertigstellung des Leitz-Parks wurde dieser eine touristische Destination und Anna Erb war in der Organisation von Veranstaltungen und Messen beschäftigt. (vb)

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Anna Erb stellte den neuen Flyer der »Gießener Lahntäler« vor. Foto: Böhm © Böhm

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