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Virtuelle Museums-Welt erkunden

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Von: Frank-Oliver Docter

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Museumsleiter Dieter Mülich erklärt eine der Dampfmaschinen - nur eine von zahlreichen Stationen. Screenshot: Regionalmanagement Mittelhessen/Docter © Frank-Oliver Docter

Das Wettenberger Holz- und Technikmuseum ist einer von fünf mittelhessischen Industriekulturorten, die man sich jetzt online anschauen kann.

Wettenberg/Mittelhessen . Kaum hat der Besucher das Holz- und Technikmuseum im Wettenberger Ortsteil Wißmar betreten, wird man auch schon von dessen Leiter Dieter Mülich, der in traditionelle Zimmermanns-Kluft gekleidet ist, begrüßt. Mit einem Mausklick auf ein Sprechblasen-Symbol beginnt er zu sprechen und gibt schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was einem in den Räumen erwartet.

Danach geht es mit weiteren Klicks auf Pfeil-Symbole quer durch das Museum, wobei jeder Nutzer am heimischen Computer selbst entscheiden kann, in welche Richtung es gehen soll und was sie oder er sich zuerst anschauen möchte. Das Wettenberger Museum ist einer von fünf Orten der Industriekultur, die auf Initiative des Regionalmanagements Mittelhessen zusammen mit den Experten der Agentur »Mediashots« in virtuelle Welten verwandelt wurden und ab sofort online begehbar sind, inklusive Unmengen vermittelter Informationen.

In einem anderen Raum des Holz- und Technikmuseums »wartet« derweil die Waldpädagogin Rita Kotschenreuther und erläutert auf Wunsch die Photosynthese der Pflanzen. Wer dann mithilfe der Maus »weitergeht«, erfährt auch einiges über Forstwirtschaft und Nachhaltigkeit, Zimmerei, Säge- und Dampfmaschinen oder Energiegewinnung, so unter anderem auch mit moderner Wasserstofftechnik.

Als diese neuen kostenlosen Angebote nun in den Räumen des Regionalmanagements in Gießen präsentiert wurden, wusste Kotschenreuther im Gespräch mit dem Anzeiger von einer »super aufregenden Zeit für alle« im Wißmarer Museum zu berichten. Damit meinte sie nicht nur das gewiss nicht leichte Sprechen vor der Kamera bei der Aufzeichnung der Vorträge, was neben ihr und Dieter Mülich auch andere ehrenamtliche Mitarbeiter zu bewältigen hatte, sondern auch die »sehr, sehr aufwendigen Vorbereitungen«. Daran waren etwa ein Dutzend Personen beteiligt.

Die virtuelle Museumswelt solle »ein Appetizer« sein, um Menschen für einen Besuch zu gewinnen, formulierte sie ihre Erwartung.

»Viel Herzblut«

Laut Regionalmanagement-Geschäftsführer Jens Ihle regen die fünf virtuellen Welten dazu an, »in das Thema einzusteigen und es sich auch mal vor Ort anzuschauen«. Seiner Erfahrung nach braucht es »eine Klammer, um die Sichtbarkeit zu erhöhen und Geschichten zu erzählen«. Diese Ziele sind für Ihle mit diesem Projekt verwirklicht worden. Sein Dank geht daher an alle Beteiligten, die »viel Herzblut« hinein gesteckt haben. Die Umsetzung dauerte insgesamt eineinhalb Jahre, berichtete Kirsten Steimel vom Projektmanagement Industriekultur von »einer sehr aufwendigen Vor- und Nachbereitung«. Über 50 Personen machten an allen Orten zusammengerechnet mit. Dabei wurden etwa 250 einzelne Informationspunkte in den Welten geschaffen.

Hierzu wie auch für die Kurzvorträge fiel zwar nur jeweils ein Drehtag pro Ort mit einer 360-Grad-Kamera an, erzählte Marco Kessler von »Mediashots«. Doch waren dann noch je 15 Schnitttage erforderlich. Hinzu kamen circa 250 Stunden Programmierung, um unter anderem die Ankerpunkte zu setzen.

Zur Realisierung des Vorhabens standen rund 100 000 Euro zur Verfügung, davon ein Großteil Fördermittel vom Verein »Region GießenerLand«. Die Geschäftsführerin Anette Kurth sieht das Geld gut angelegt, zumal durch diese virtuellen Welten »eine Verbindung zur Region« geschaffen wird und »ein Bewusstsein dafür, Verantwortung zu tragen«, führte sie aus. Die finanziellen Mittel sind zwar zunächst einmal ausgeschöpft, doch sollen in Zukunft noch weitere virtuelle Welten der Industriekultur hinzukommen.

Wie beim Holz- und Technikmuseum lohnt es sich auch bei den anderen vier Welten, online vorbeizuschauen. Da wäre zum einen das Besucherbergwerk Grube Fortuna in Solms-Oberbiel. Dieses sei eines von nur fünf seiner Art in ganz Deutschland, ließ Diplom-Geograph Michael Volkwein, kaufmännischer Vorstand des Vereins »Geowelt Fortuna« wissen. Geologisch bedeutsam geht es auch beim »Vulkaneum« in Schotten zu, das einen Blick in vergangene Epochen der Erdgeschichte ermöglicht, warb Linda Buchhammer von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit.

Das Lahn-Marmor-Museum in Vilmar befasst sich derweil mit einem Rohstoff, der schon vor rund 380 Millionen Jahren entstanden ist, berichtete Rudolf Conrads, Vorsitzender des Stiftungsbeirats. Er sei dort vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Jahr 1989 abgebaut worden. Lahn-Marmor finde sich in weltbekannten Gebäuden wie unter anderem im Empire State Building in New York, im Mainzer und Trierer Dom oder in einer U-Bahn-Station in Moskau, nannte er Beispiele.

Gut zu Fuß sein sollte man schließlich bei der »Behring-Route« in Marburg. Diese führt laut Karin Stichnothe-Botschafter zu zwölf Wohn- und Wirkstätten im Stadtgebiet, die im Leben des Immunologen und Unternehmers Emil von Behring eine wichtige Rolle gespielt haben. Der allererste Nobelpreisträger für Medizin hat einst die Behringwerke gegründet, die heute auch als einer der Produktionsstandorte des Mainzer Biontech-Pharmakonzerns zur Corona-Impfstoff-Erzeugung bekannt sind.

Die Welten sind über erlebe.industriekultur-mittel hessen.de erreichbar.

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