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Visionen einer Dorfmitte

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So könnte eine Hüttenberger Dorfmitte zukünftig aussehen. Bis jetzt ist das nur eine prämierte studentische Vision, die möglicherweise nie umgesetzt wird. Bis auf den Hallenbadneubau ist noch nichts weiter von der Politik in die Wege geleitet worden. Entwurf: Erxleben/Piechoki © Red

Der Hüttenberger Hallenbadverein zeigte Skizzen, wie sich THM-Studenten im Ortsteil Hüttenberg eine moderne Dorfmitte vorstellen.

Hüttenberg. Entwürfe für eine »Neue Mitte Hüttenberg«, rund um Hallenbad, Sporthalle und Bürgerhaus, haben Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in den Hüttenberger »Bürgerstuben« vorgestellt. Organisiert hatte die Ausstellung der Trägerverein »Hallenbad Hüttenberg«.

Die Konzepte für die »Neue Mitte« stießen im Ort auf reges Interesse. Bereits zur Eröffnung seien 110 Besucher gekommen, im Laufe des Tages hätten rund 200 Menschen die Ausstellung besucht, sagt Malte Jung, studentische Hilfskraft am Fachbereich Baumanagement und Projektsteuerung der THM. Der Hüttenberger hatte zusammen mit Professorin Katja Specht die Kooperation der Hochschule mit der Gemeinde Hüttenberg angestoßen.

Bei den Entwürfen für die »Neue Mitte Hüttenberg« handelt es sich um Semesterarbeiten. Sie sind Bestandteil des Masterstudiums Baumanagement und Projektsteuerung. Betreut wurden die Arbeiten unter anderem von Professor Dirk Metzger.

Auch am zweiten Ausstellungstag, am Montag, kamen viele Besucher, die sich von Studierenden und Mitgliedern des Trägervereins die Entwürfe erläutern ließen. Über diese sagte Walter Krack vom Trägerverein: »Wir sind mit dem Ergebnis restlos zufrieden.« Derzeit ist allerdings nicht geplant, sie 1:1 umzusetzen - es steht lediglich der Neubau eines Hallenbads zur Debatte. Trotzdem: »Es sind viele Ideen dabei, die für uns interessant sind«, so Krack.

Zu diesen interessanten Ideen gehört beispielsweise eine Zwei-Becken-Lösung oder Anregungen zur energieeffizienteren und nachhaltigeren Gestaltung der Außenfassade.

Interessanter Standortausch

Interessant: Sechs der neun eingereichten Semesterarbeiten sehen einen Standorttausch von Hallenbad und »Bürgerstuben« vor. So wäre das Bad direkt am Schwingbach gelegen, mit Platz für eine Liegewiese mitten in der Natur. Kosten und aktuelle Beschlüsse der Gemeindevertretung zum Erhalt des Bürgerhauses stehen dem entgegen. Aber es ging bei den Entwürfen eben ausschließlich um Visionen und Ideen. Die Studierenden hatten dabei statt der Parkfläche vor den Gebäuden einen Platz zum Erholen und Flanieren angedacht. Parkraum könnte auf der als Festplatz genutzten Schotterfläche entstehen, die trotzdem für die Kirmes nutzbar bliebe. Auch für die Sporthalle gab es zahlreiche Ideen zur Gestaltung des Foyers, des VIP-Bereichs und der Geschäftsräume oder der Umkleiden.

Drei der Entwürfe wurden vom Trägerverein prämiert. Marie Erxleben und Ann-Marie Piechocki, Stine Daude und Johanna Sophie Euler sowie Caroline Crössmann und Maria Kress hatten Planungen vorgestellt, die den Verein vor allem in Bezug auf das Hallenbad überzeugten.

Dazu gehörten unter anderem eine Idee für den Umkleidebereich, ins Bad integriert als eine Art Box. Auf dieser wäre dann Platz für einen Aufenthaltsbereich oder eine Sauna. Ideen gab es unter anderem auch für ein eigenes, abgetrenntes Geschoss über der Schwimmhalle, die Platz für Mieter, beispielsweise Ärzte oder Physiotherapeuten, bieten würde. Im Frühjahr begann die Zusammenarbeit der Gemeinde mit der THM. Professor Dirk Metzger (Fachbereich Baumanagement und Projektsteuerung) betreut das Projekt. Die Kooperation kam ursprünglich durch die Initiative des Studenten Malte Jung und der Professorin Katja Specht zustande. Jung stammt aus Hüttenberg.

Schrittweise Umsetzung möglich

»Es könnte der Eindruck entstehen, die Gemeinde will das jetzt genau so umsetzen«, erklärt Thomas Birkenstock, Vorsitzender des Trägervereins Hüttenberger Hallenbad. Zwar wären die Entwürfe rein theoretisch umsetzbar, aber es sei in erster Linie darum gegangen, eine Gesamtvision zu entwerfen. Eine konkrete Vorgabe hinsichtlich der Kosten habe es dabei nicht gegeben, so Dirk Metzger. »Ziel war es, der Gemeinde zu helfen, den Blick etwas weiter aufzustellen und eine größere Bandbreite an Ideen zur Verfügung zu stellen«, so der Professor. Es ist am Ende aber doch die Frage nach den Kosten, die sich für Kommunen stellt, wenn sie bauliche Projekte in Angriff nehmen wollen.

Grundsätzlich hatte die THM das auf dem Schirm: »Es wurde so geplant, dass eine schrittweise Umsetzung möglich ist.« Über die Ideen könne die Kommune so in den nächsten 10 bis 20 Jahren nachdenken. Ebenso sei es möglich, nur einzelne Schritte umzusetzen.

Die Gemeinde hatte im Sommer die einzelnen Gewerke für die Leistungsphasen eins bis drei - sie umfassen die Planung des Bads - ausgeschrieben. Im November endete die Frist. Derzeit ist man dabei, die eingereichten Angebote zu sichten. Bis zum Frühjahr, voraussichtlich März, soll eine Planung vorliegen. Damit verbunden auch konkrete Zahlen, wie viel der Neubau kosten wird.

Die Entscheidung, alle neun erarbeiteten Konzepte nun doch öffentlich vorzustellen, geht auch auf die Initiative des Trägervereins Hallenbad zurück.

Metzger erläutert dazu, dass die Hochschule nicht in oder als Konkurrenz zu Architekturbüros arbeite. Für private Unternehmen würden solche Projektarbeiten auch nicht gemacht.

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