Vize-Chefin des Europaparlaments backt mit Laubacher Kandidat

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LAUBACH - (ww). Der Harbacher Florian Kempff hatte sich kurz vor Toresschluss entschlossen, für das Amt des Laubacher Bürgermeisters zu kandidieren. Der 52-Jährige gab sich fantasievoll, setzte auf ein Küchenkabinett auf dem Internet-Videokanal YouTube, aber auch eine Postkartenaktion. Die Laubacher konnten ihm ihre Wünsche, Anregungen und Kritik per Post - natürlich portofrei - zukommen lassen.

Am Küchentisch setzt er zudem live leckere Rezepte um, wobei sich sein 14-jähriger Sohn ebenfalls als Chef de Cuisine im Team mit einem Freund entpuppte.

Am Wochenende führt der gebürtige Gießener eine neue Ebene im Bürgermeisterwahlkampf ein. Kempff empfängt am Sonntag, 29. November, in seinem Küchenkabinett die Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments, Nicola Beer (FDP). Mit der Wiesbadenerin wird er online einen hessischen Apfelweinkuchen backen.

Der 52-Jährige plaudert mit der ehemaligen FDP-Generalsekretärin, die per Videokonferenzsoftware Zoom hinzugeschaltet wird, beim Vorbereiten der Köstlichkeit ab 15 Uhr auf YouTube. Auf Facebook ist das Backteam parallel zu sehen. Natürlich dürfen Fragen gestellt werden.

Besonderer Tupfer

Kempf hatte einfach angefragt, ob die Vize-Präsidentin des Europaparlaments mit ihm einen Rundgang in Laubach machen würde. Beer sagte ja. Aufgrund der Pandemie musste dann umgeplant werden. Jetzt bestreitet sie mit Kempff die "Küchenschlacht". Sie ist neben Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), mit dem Mitbewerber Björn Erik Ruppel vor Ort aufwartete, ein weiterer besonderer Tupfer im Bürgermeisterwahlkampf.

Kempff lässt sich etwas einfallen. Die Laubacher machten rege von seinen Postkarten Gebrauch, die in ihren Briefkästen landeten. Es wurden adäquate Parkplätze für Arzt und Apothekenbesuche im Zentrum der Stadt eingefordert.

Andere wünschten sich einen neutralen Bürgermeister und mehr Kontakt mit der Stadtverwaltung, der auch digitaler werden sollte. Die Angebote für Kinder müssten verbessert werden. Neubaugebiete und die Erneuerung der Laubacher Ortsdurchfahrt waren Themen für die Bürger, wie auch die Frage, wie es mit dem alten Feuerwehrgerätehaus weitergeht. Die Lauterer möchten mit einem Fahrradweg an Grünberg angebunden werden.

Auf einer Tour in Wetterfeld, noch vor den größeren Corona-Einschränkungen, wunderte sich Kempff, warum am Ortseingang aus Richtung Laubach die versetzten Doppel-Bügel eines Fahrradweges zwei einfachen, rot-weißen Pfosten gewichen sind. Da das Gefälle an dieser Stelle aus dem Neubaugebiet arg ist, befürchtet nicht nur er, dass junge Fahrradfahrer einfach auf die Landesstraße durchfahren könnten. Zuvor waren Radler zum Absteigen und Schieben des Rades gezwungen.

Jetzt ist es möglich, einfach mit dem Rad bis auf die Landesstraße durchzuschießen. Niemand wird mehr gehindert, ins Unglück zu fahren. Auch Ortsvorsteher Ralf Ide und Stadtverordnetenvorsteher Joachim-Michael Kühn, selbst ein Wetterfelder Anwohner, die Kempff beim Rundgang begleiteten, schüttelten mit den Köpfen. Das seien die neuesten Vorschriften, und diese müssen allerorten umgesetzt werden, habe die Stadtverwaltung erklärt.

An diesem Tag ist Kempff nicht mit dem Auto gekommen, sondern von Harbach bis nach Wetterfeld geradelt. Mit dem Rad oder dem Elektroauto fährt der 52-Jährige seine Flyer und Postkarten im Wahlkampf umweltschonend aus.

5000 Karten hat er mit seinen Helfern und Unterstützern - den Laubacher Liberalen um Wolfgang Mersmann - unter das Volk gebracht. Der Unternehmer möchte die Menschen vor Ort erreichen und sie auch in die Politik einbinden. Vor allem der Nahverkehr sei in Laubach verbesserungswürdig, wobei der Fahrradweg auf der ehemaligen Gleistrasse besonders den Tourismus vor Ort unterstütze. Den Schnellbus ab Januar begrüßt Kempff und hofft, dass er angenommen wird. Vor allem die Jüngeren müssten mehr Möglichkeiten haben, in alle Richtungen per Nahverkehr zu kommen.

Festgestellt hat er bei seinen Gesprächen, dass Busse abends gar nicht mehr nach Ruppertsburg hineinfahren. Menschen zum Umsteigen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr zu zwingen, das gehe nicht. Man könne durch ein erweitertes Angebot, für das er sich einsetzen wolle, nur den Umstieg erleichtern. "Da sind sicherlich dicke Bretter zu bohren", weiß auch er.

Keine Spaßbremse

In den letzten Zügen des Wahlkampfs schaute sich der Vater zweier Kinder unter anderem in Freienseen um. Unverständlich ist ihm, dass es hier eine Familie gibt, die eine Miniatur-Rennbahn für die Sprösslinge im Ort schaffen wollte, das Ganze aber wieder auf eigene Kosten abreißen musste. Dort sollten funkgesteuerte Autos zu Rennen antreten, ein Heidenspaß, der beim Bauamt nicht auf Gegenliebe gestoßen sei. Als Bürgermeister wolle er in solchen Fällen vermitteln und nicht die Spaßbremse sein.

Wer am Sonntag Florian Kempff und Nicola Beer beim gemeinsamen Backen des hessischen Apfelweinkuchens zuschauen möchte, kann dies unter der Internetadresse www.kempff.de/nicola_beer_backt_per_zoom_mit.html tun. Dort findet sich im Übrigen auch das leckere Apfelweinkuchenrezept.

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