1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

»Volldampf voraus« in Mainzlar

Erstellt:

Von: Thomas Wißner

gikrei_1011_rhi_vb_10112_4c
Vertreter des Unternehmens, des Landes, des Kreises, der Stadt und der Hessischen Landesbahn freuen sich über den Vertrag für den Gleisanschluss von RHI Magnesita. Foto: Wißner © Wißner

Am 4. Dezember 2023 soll nach den Wünschen des Betriebsratsvorsitzenden Michael Schneider der erste Zug ins RHI-Werk rollen. Ein Vertrag zur Güterverkehr-Wiederaufnahme wurde unterzeichnet

Kreis Gießen (twi). Bis die versprochenen Sektkorken tatsächlich knallten und die Mitarbeiter von RHI Magnesita auf die »Vereinbarung über die Wiederinbetriebnahme der Strecke Lollar - Mainzlar für den Güterverkehr sowie über die vorgesehene Finanzierung der Instandsetzungs- und Betriebskosten« anstoßen konnten, bekamen diese nicht nur viel Lob zu hören, sondern auch fast genau das Gegenteil von dem erzählt, was sie vor fast einem Jahr an gleicher Stätte zu hören bekamen.

Am 4. Dezember 2023 soll nach den Wünschen des Betriebsratsvorsitzenden Michael Schneider der erste Zug ins Werk rollen. Diesen Wunsch äußerte Schneider als letzter Redner an die Adresse des Geschäftsführers der Hessischen Landesbahn (HLB), Veit Salzmann.

Dieser hatte zuvor der Belegschaft versichert: »Sie können davon ausgehen, dass wir alles dafür tun werden, die Bauleistung durchzuführen, damit wir zum 31. Dezember 2023 die Strecke so haben, das Güterzüge hier drüberfahren können.« Was sein werde, wenn der Landeszuschuss nicht ausreiche, wollte ein Mitarbeiter wissen. Salzmann versicherte: »Auch wenn Bauvorhaben oftmals nicht im Budget bleiben, können Sie uns darin vertrauen. Wir werden im Budget bleiben«.

Für Schneider war es nach eigenen Worten ein Tag, mit dem er nicht gerechnet hatte. Und so dankte er vor allem der Belegschaft. Vor einem Jahr stand das Werk vor dem Aus und nun ist es mit einer Zukunftsperspektive ausgestattet.

Vergangene Woche hatte das hessische Wirtschaftsministerium die Weichen für eine Wiederaufnahme des Schienengüterverkehrs zum RHI Magnesita-Werk in Mainzlar gestellt, nachdem die Deutsche Bahn die drei Kilometer lange Strecke zum Zweck der Reaktivierung an die HLB verkauft.

Die HLB, das Land, der Landkreis Gießen, die Stadt Staufenberg und RHI Magnesita schlossen nun jene Vereinbarung, bei der das Land 1,2 Millionen, der Kreis 50 000 Euro und die Stadt Staufenberg 30 000 Euro zur Verfügung stellen. RHI Magnesita verpflichtet sich, in den nächsten Jahren elf Millionen Euro in den Standort zu investieren.

Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben führender Service- und Lösungsanbieter in der Feuerfestindustrie mit einem umfassenden Portfolio basierend auf innovativen Technologien und Digitalisierung.

»Es ist der erste Schritt, da kommt noch mehr auf Euch zu. Wichtig ist, das wir hier mit der gesamten Belegschaft zusammenhalten«, betonte Tim Steenvoorden (Vorstand RHI Magnesita Deutschland AG) mit Verweis auf die Investitionssumme seines Unternehmens. Er dankte Belegschaft und Politik.

»Schritt in eine sehr spannende Reise«

Auch Constantin Beelitz (Europachef RHI Magnesita AG) machte zunächst der Belegschaft ein Riesenkompliment, um sodann von einem »Schritt in eine sehr spannende Reise, die nicht ohne Herausforderungen bleiben wird« zu sprechen. Nachdem es vor einem Jahr ein riesiges »Aber« zum Standort Mainzlar und das ungelöste Problem des Transports gab, so sei doch allen klar gewesen, dass die weitere Produktion aus ökologischen und ökonomischen Gründen den Lkw-Verkehr deutlich reduzieren müsse. »Wir schaffen es, dass jährlich 5000 Lkw-Fahrten weniger benötigt werden. Es ist dies ein 1500 Baumstämme starker Buchenwald, den wir so an CO2 einsparen. Ein Wald, der so groß ist wie ganz Staufenberg und das sparen wir in einem Jahr ein. Es ist dies ein Ergebnis, das wir nicht alleine geschafft haben«, betonte Beelitz.

Den Gütertransport von der Straße auf die Schiene zu bringen, sei dem persönlichen Einsatz und der Energie von den Beschäftigten hier, beim Land, dem Landkreis und der Stadt zu verdanken. Beelitz bedankte sich für den Einsatz. So sei etwas gelungen, was in Europa nicht so oft passiere. Nun werde Geld in die Hand genommen, der Standort modernisiert, die Produktion werde verdoppelt und der Bahntransport nachhaltig gestaltet. »Jetzt geht es für uns richtig los in Mainzlar und im Eisenbahnerjargon würde ich sagen: ›Volldampf voraus‹«, so Beelitz.

Staatssekretär Jens Deutschendorf vom hessischen Wirtschaftsministerium sprach von einem »Gewinn für die Region, für das ganze Land«. Er lobte die Vereinbarung und dankte der HLB als wichtigem Partner. HLB-Vertreter Salzmann sprach von einer Signalwirkung für andere, um mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. »Der heutige Tag ist in vieler Hinsicht ein Gewinn. Es ist nicht das ganz große Rad, aber ein wichtiger Baustein und ein strukturpolitisches Signal.«

Landrätin Anita Schneider (SPD) blickte hoffnungsvoll darauf, dass dies auch Auswirkungen auf die laufenden Planungen zur Reaktivierung der Lumdatal haben werde.

»Es ist geschafft. Unsere oder auch Ihre Schamott ist gerettet. Es ist mit guten Verhandlungen gelungen, in einer ganz kurzen Zeit, dass die Signale wieder auf grün geschaltet worden sind«, freute sich Bürgermeister Peter Gefeller (SPD). »Das Werk ist das Aushängeschild dieser Stadt in der Industrie.«

Auch interessant