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Vor Terrormiliz geflohen

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Von: Thomas Wißner

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Alaa Abdullah aus Linden war einer von neun Frauen und Männern, die bei der zentralen Feier der Landesregierung ihre Einbürgerungsurkunde erhielten. Foto: Wißner © Wißner

Alaa Abdullah floh aus dem Irak, lebt jetzt in Linden und wurde bei der zentralen Feier des Landes eingebürgert.

Kreis Gießen (twi). Seine Einbürgerungsurkunde hat Alaa Abdullah aus Linden bereits in Empfang genommen - immerhin aus den Händen von Hessens Integrationsminister Kai Klose und Innen-Staatssekretär Stefan Sauer. Doch auf den Personalausweis und den Reisepass muss der gebürtige Iraker noch ein bisschen warten. Er gehörte zu einer Gruppe von neun Frauen und Männern, die während der zentralen Einbürgerungsfeier der Landesregierung im Biebricher Schloss in Wiesbaden ihr Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung ablegte.

Flucht über Türkei und Balkanroute

Der 39-Jährige verließ 2014 den Irak und kam über die Türkei und die Balkanroute 2015 nach Wiesbaden. Nächste Station war das auf dem Festplatz in Leihgestern errichtete Flüchtlingszelt. Er war einer der ersten Bewohner. Zur Einbürgerungsfeier kehrte er nun nach Wiesbaden zurück.

»Das ist heute ein ganz besonderer Anlass, aber es ist vor allem Ihr Tag. Ihnen allen gebührt unser Dank und Respekt. So, wie Sie sich zu unserem Land bekennen, bekennt sich unser Land auch zu Ihnen. Wir freuen uns, Sie als Teil unserer Gesellschaft und jetzt auch als deutsche Staatsbürger zu begrüßen. Wir freuen uns, dass Sie sagen: ›Hessen und ich, das passt!‹«, erklärte Klose in seiner Festansprache. »Die Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft ist in erster Linie ein Bekenntnis zu den Werten unserer Demokratie und unseres Landes. Sie stellt dabei keine Abkehr von der ursprünglichen Herkunft oder persönlichen Vergangenheit dar, sondern ist vielmehr auch Ausdruck des Wunsches, in Zukunft noch mehr gesellschaftliche Verantwortung in Deutschland übernehmen zu wollen. Das spiegelt sich besonders in der feierlichen Erklärung wieder, dass die Bürger das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten und alles unterlassen werden, was ihr schaden könnte. Ich wünsche allen heute geehrten Bürgern einen guten Start und freue mich über die zahlreichen neuen deutschen Mitbürger«, unterstrich Innenstaatssekretär Sauer.

Abdullah und seine Lebensgefährtin sind Eltern eines einjährigen Sohnes. Der 39-Jährige behält seine irakische Staatsbürgerschaft.

Vor seiner Flucht arbeitete er als Lehrer in der Stadt Mossul. Als diese von der Terrormiliz »Islamischer Staat« besetzt war, weigerte sich Abdullah, deren Ideologie zu vermitteln und musste deshalb Sanktionen fürchten.

Integrationskraft an der Burgschule

Studiert hatte er Arabische Sprachen und Mathematik. Doch in Deutschland wurde dieses Studium nicht anerkannt - auch wegen der fehlenden Pädagogik, die so im Irak auch nicht an der Uni vermittelt wird. In Linden brachte er sich frühzeitig über die Flüchtlingshilfe ehrenamtlich ein, arbeitete im Infopoint und lernte hier auch seine Partnerin kennen und lieben. Auch bei der Generationenbrücke Linden half er aus, wenn etwa mal ein Fahrer beim Bürgerbus ausgefallen war.

Aktuell arbeitet der 39-Jährige an der Burgschule in Großen-Linden als Integrationskraft und begleitet einen neunjährigen syrischen Jungen, der an körperlichen Einschränkungen leidet. Nach wie vor ist er im Infopoint tätig und hilft aktuell ukrainischen Kriegsflüchtlingen.

Laut Sozialministerium wurden 2021 12 160 Menschen in Hessen eingebürgert. Das sind 245 mehr als 2020. Die Neubürger stammen aus 111 Nationen. (red)

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