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Das schönste Geschenk des Abends übergaben Karlheinz Volk, Brigitte Volk und Angelika Wagner (r.) an Dirk Haas: Die Handarbeitsgruppe der Generationenwerkstatt hatte eine Decke mit dem Busecker Schloss erstellt.

Wärmende Decke mit Busecker Schloss

Buseck. Mit wohlwollenden Würdigungen und besten Wünschen wurde der scheidende Bürgermeister verabschiedet und der Nachfolger mit Angeboten zur Zusammenarbeit begrüßt: In einem würdigen Rahmen fand am Dienstagabend in der Busecker Gemeindevertretung der Amtswechsel statt. Noch-Bürgermeister Dirk Haas (SPD) wirkte meistens gefasst. »Ich bin mit meiner Leistung zufrieden und deshalb kann ich zufrieden nach Hause gehen«, sagte der 59-Jährige ganz zum Schluss der Sitzung im Kulturzentrum.

Sein Nachfolger Michael Ranft (CDU) bat die Fraktionen um Unterstützung: »Politik geht nur gemeinsam, denn alle wollen ja das Beste für Buseck.«

Bei der Bürgermeisterwahl am 26. September war Haas nach nur sechs Jahren im Amt abgewählt worden. Er erhielt 40,8 Prozent der Stimmen, während 59,2 Prozent für Ranft stimmten. Dieser war Kandidat von CDU und Freien Wählern (FW) und tritt am 1. Januar das Amt an. Er ist dann »Busecker Innen- und Außenminister«, wie es der Vorsitzende der Freien Wählern, Manfred Buhl, formulierte.

Der Abend begann mit den Formalitäten: Haas übergab seinem Nachfolger die Ernennungsurkunde. Anschließend nahm Eckhard Neumann (CDU), der Vorsitzende der Gemeindevertretung, dem künftigen Bürgermeister den Diensteid ab. Dabei kamen blaue Handschuhe zum Einsatz, denn auch in Corona-Zeiten ist es laut Gesetz erforderlich, dass der neue Bürgermeister per Handschlag auf die gewissenhafte Erfüllung seiner Aufgaben verpflichtet wird.

Inhaltliche Schwerpunkte

Ranft war die erste Rede vorbehalten. Er wolle in den nächsten sechs Jahren beweisen, dass man Sachen noch besser machen und vielleicht neue Dinge anstoßen könne. »Wir werden nicht immer einer Meinung sein, aber man muss sich hinterher noch in die Augen schauen und ein Bier miteinander trinken können«, erklärte der 45-Jährige.

In der Folge ging er auf zahlreiche inhaltliche Schwerpunkte ein. Das Spektrum reichte von interkommunaler Zusammenarbeit und Kinderbetreuung (»wir müssen da ganz schnell etwas tun«) über Neubaugebiete und Verkehrsprobleme bin hin zu Schulen und der Verwaltung. »Von mir können Sie erwarten, dass ich Ihnen viele Informationen gebe. Ich möchte Sie frühzeitig einbinden. Die Erfahrung zeigt, dass mangelnde Infos oft für Streit sorgen«, kündigte der neue Bürgermeister an. Ranft beschrieb sich als »Moderator«, der ausgleichend wirken wolle.

Der Erste Beigeordnete Alexander Zippel (FW) scherzte, dass er als Karnevalist beim »Schloss aufs Sturm« schon Erfahrung damit hat, den Bürgermeister abzusetzen. Er verabschiedete Haas aus dem Amt und blickte auf wichtige Entwicklungen der vergangenen sechs Jahre zurück. Zippel erinnerte an neue Baugebiete in Alten- und Großen-Buseck, die möglich gemachte Erweiterung des Edeka-Zentrallagers, die Bauernhof-Kita in Großen-Buseck, Solarparks in Alten-Buseck und Oppenrod, die sehr beliebte Konzertreihe »Musik im Park« oder die beschlossene Wiedereröffnung des Freibades - eine Herzensangelegenheit für Haas, wie es Zippel formulierte. Der Erste Beigeordnete kam auch auf die unterschiedlichen Parlamentsmehrheiten in den vergangenen Jahren zu sprechen und meinte, dass manche Auseinandersetzungen für den Menschen Dirk Haas belastend gewesen seien.

»Herzensguter Mensch«

Dazu passte einer der ersten Sätze im Grußwort von Landrätin Anita Schneider (SPD), die mahnte, »nie den Respekt vor dem politischen Gegner vermissen zu lassen«. Sie habe Dirk Haas als »herzensguten Menschen« kennengelernt, dem es »aufgrund seines Glaubens schwerfällt, Menschen fallen zu lassen«. Schneider nannte ebenfalls verschiedene Erfolge und meinte: »Du kannst zufrieden sein mit Deinem Werk und Vieles wird nachwirken.« Die Landrätin rief Michael Ranft dazu auf, den Vorteil der familiären Verwurzelung in Buseck zu nutzen.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Habenicht, fand es schade für Haas, dass er die Wiedereröffnung des Freibades nicht mehr mitgestalten könne. »Wir können uns vorstellen, dass Du erleichtert bist, die Konflikte hinter Dir zu lassen.« Habenicht forderte den neuen Bürgermeister auf, nicht nur Moderator zu sein, sondern die Zukunft auch nit eigenen Ideen zu gestalten.

FW-Vorsitzender Buhl meinte zu Ranft, dass mit dem Amtsantritt eine große Verantwortung auf ihn übergehe, denn über 13 000 Busecker blickten auf sein Handeln. Buhl bescheinigte Haas, dass in der Amtszeit viele positive Entwicklungen vollzogen worden seien.

CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Müller schloss sich an und sprach von einer »Leistungsbilanz, die sich wirklich sehen lassen kann«. Er wünschte dem scheidenden Bürgermister, dass er vielen Bürgern gut in Erinnerung bleibe. Dass Michael Ranft das erste CDU-Mitglied als Busecker Bürgermeister ist, »macht uns sehr glücklich«. Müller hoffte, dass SPD und Grüne auch mitarbeiten.

»Wie soll man sich von jemand verabschieden, der nicht gehen wollte?« fragte SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Weigelt. Der Abschied von Haas komme sechs Jahre zu früh. »Deine Lebensqualität wird nach dem Ausscheiden aus dem Amt sicher enorm steigen.« Weigelt bot Michael Ranft die konstruktive Zusammenarbeit der SPD an.

Dr. David Rauber, Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, erinnerte mit Blick auf den Sturm aufs Kapitol in Washington daran, dass friedliche Machtwechsel nicht selbstverständlich seien.

Für die Amtskollegen wies der Lollarer Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek darauf hin, dass sich der Beruf des Bürgermeisters in sechs Jahren gewaltig verändert habe. Humorvoll listete er auf, was von einem Rathauschef verlangt werde. Das Spektrum reichte vom Behandeln ansteckender Krankheiten im Kindergarten bis zum Aufholen all dessen, was in 25 Jahren versäumt worden sei - und all das bei stets guter Laune und ständiger Präsenz. »Genießen Sie die wenigen Tage, bis Sie sich mit dem Wahnsinn auseinandersetzen müssen«, meinte er zu Ranft.

Das originellste Geschenk für Dirk Haas brachten Karlheinz Volk, Brigitte Volk und Angelika Wagner von der Generationenwerkstatt mit: Eine Decke mit dem Motiv des Busecker Schlosses, die von den Damen der Handarbeitsgruppe hergestellt wurde. Sie bedankten sich damit für die Unterstützung bei der Einrichtung der Generationenwerkstatt.

Eine Lobeshymne war die Rede von Mario Foos, dem Leiter des Personalrates. Haas sei ein »fürsorglicher Macher« und »Chef mit sehr sozialer Ader gewesen. »Blicken Sie mit Stolz auf die sechs Jahre zurück. Wir werden Sie vermissen.« Foos hieß den neuen Bürgermeister im 170-köpfigen Team willkommen: »Es erwarten Sie viel Arbeit und eine schlagkräftige Mannschaft.«

»Vergangene Tage sehr emotional«

Haas stand am Ende der Rednerliste. Er erinnerte daran, dass in der ersten Hälfte seiner Amtszeit die Themen konstruktiv abgearbeitet wurden. Mit einem Gruß an den Bürgermeister-Kollegen Stefan Bechthold spottete er darüber, wie sich Buseck und Fernwald anschließend abwechselten in der Berichterstattung über eskalierende Parlamentssitzungen. Er ging auf eine ganze Reihe von Themen ein, unter anderem das Freibad. »Mir fehlt die Fantasie, welches Stöckchen noch gefunden wird, um gefasste Beschlüsse wieder aufzuheben. Ich wünsche mir, dass Michael Ranft das Freibad 2023 einweiht.«

Das Amt aufzugeben, falle leichter, als sich von den Mitarbeitern zu verabschieden. Die vergangenen Tage seien »sehr emotional« gewesen. Dies zeigte sich auch, als sich Haas bei seiner Frau Heike und seinen Töchtern bedankte, denen das Amt auch viel abverlangt habe. »Danke, Heike, dass Du meine Stütze warst und bist«, meinte er. Die Kommunalpolitiker und die Gäste zollten Haas abschließend Respekt, indem sie stehend applaudierten.

Dirk Haas (l.) übergab seinem Nachfolger Michael Ranft die Ernennungsurkunde.
Parlamentsvorsitzender Eckhard Neumann (l.) nahm dem neuen Bürgermeister den Amtseid ab.

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