1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Wärmepumpen im Trend

Erstellt: Aktualisiert:

Kreis Gießen (paz). Dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge sind fast drei Viertel der 43 Millionen Wohnungen in Deutschland mit einer Öl- oder Gasheizung ausgestattet. Seit dem Energiepreisschock im Herbst 2021 verlagerte sich das Interesse bei Heizungssystemen verstärkt hin zu alternativen Wärmequellen. Mit Beginn des Ukraine-Krieges und der Verknappung von Gas und Öl ist die Nachfrage weitergestiegen.

Waren im vergangenen Jahr rund 150 000 von rund einer Million eingesetzten Heizgeräten Wärmepumpen, so ist ihre Tendenz nun stark steigend.

Eine Entwicklung, die Bosch Thermotechnik hat kommen sehen. Bereits 2019 hatte das Unternehmen angekündigt, 100 Millionen Euro in den Ausbau seines Wärmepumpengeschäftes zu investieren. »2020 konnten wir EU-weit ein Wachstum von 22,5 Prozent bei Wärmepumpen verzeichnen, in Deutschland waren es sogar plus 48 Prozent«, erklärt Jörg Bonkowski, Unternehmenskommunikation.

Augenmerk

Auch im vergangenen Jahr habe man weiter in das Wärmepumpengeschäft investiert. Ein besonderes Augenmerk habe dabei auf einer einfachen Installation für die Fachpartner sowie einer leichten Bedienbarkeit für die Endkunden gelegen. Im Mitteleuropa stehe der Systemgedanke im Vordergrund. Hier wolle Bosch insbesondere mit Wärmepumpen im Verbund mit Lüftungsgeräten sowie dem Bosch Energiemanager für optimierte Eigenstromnutzung wachsen.

Nicht nur der Ukraine-Krieg, sondern auch die »Fridays for Future«-Bewegung oder das Klimapaket hätten das Interesse an Wärmepumpen gesteigert. Die gängigsten Varianten seien Luft-Wasser-Wärmepumpen, die Wärme aus der Luft auf das Wasser des Heizsystems übertragen - oder Sole-Wasser-Wärmepumpen. Bei Letzteren wird die Wärme durch eine bis zu 100 Meter tiefe Bohrung, je nach Beschaffenheit des Bodens, in der Erde gewonnen.

»Die Sole-Wasser-Wärme-Pumpe ist technisch die bessere Variante, da die Erde ja immer zwischen sieben bis neun Grad warm ist, während die Luft im Winter kühler ist.« Die Luft-Wasser-Wärmepumpe werde idealerweise in einem Neubau oder saniertem Bestand eingebaut, in dem entweder eine Fußboden- oder eine Flächenheizung vorhanden sei. »Sollte es im Winter mal sehr kalt werden, empfiehlt sich die zusätzliche Anschaffung eines Elektroheizstabes, der den klassischen Netzstrom nutzt«, erklärt Bonkowski. Dies sei aber nur bei sehr strengen Wintern nötig.

Auch in der heimischen Region ist die Nachfrage nach Wärmepumpen erheblich gestiegen, wie Ralf Wilhelm, selbstständiger Zentralheizungs- und Lüftungsbauer sowie Gas- und Wasserinstallateur aus Burkhardsfelden berichtet. »Ich habe hundert Prozent mehr Anfragen«, sagt er. »Der Kriegsausbruch in der Ukraine hat das Problem vorgezogen.« Früher hätten im Höchstfall einmal fünf Personen im Jahr sich nach einer Wärmepumpe erkundigt, aktuell seien es mindestens zehn pro Woche.

Einbau

Da der Einbau einer Luft-Wasser-Wärmepumpe deutlich günstiger sei als der einer Sole-Wasser-Wärmepumpe, würde diese auch stärker nachgefragt. Zwischen 20 000 und 25 000 Euro koste eine solche Pumpe. Bei den Sole-Wasser-Wärmepumpe kämen noch 20 000 Euro für Bohrung, Sonde und den Anschluss bis ins Haus hinzu. Glück sei, dass viele Hersteller Wärmepumpen anböten, denn bei einigen käme es schon jetzt zu Lieferengpässen. Die Wärmepumpen seien leicht zu bedienen. Bei der Inbetriebnahme würde die normale Regelung eingestellt, die im Normalfall auch passe. »Wenn ein Haus Heizkörper hat, arbeitet die Wärmepumpe ineffektiver«, weiß Ralf Wilhelm. Geeignet sei ein Einbau hingegen bei einer Fußbodenheizung. »Kosten kann man mit einer Wärmepumpe nicht sparen«, betont der Experte. Wer Kosten sparen wolle, solle lieber in neue Heizkörper, einen hydraulischen Abgleich oder Dämmung der letzten Deckenschicht investieren. Auch gute Isolierung spare Geld.

Bei funktionierender Heizung rät er dazu, lieber noch einen Moment mit der Anschaffung einer Wärmepumpe zu warten. »Fakt ist, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien uns alle Geld kosten wird«, unterstreicht Wilhelm. »Bei unseren Klimaverhältnissen reichen erneuerbare Energien nicht aus.« Auch Fernwärme oder Holzpellets als Zentralheizung im Keller würden eine Alternative darstellen. Erdgasheizungen ließen sich mit Flüssiggas betreiben, bei älteren Modellen sei allerdings ein Umrüstsatz notwendig. »Alle Energiepreise werden angepasst. Am besten, man entscheidet sich für einen Energiemix aus Strom, Holz, Öl und Gas«, rät er abschließend.

Baumärkte

Auch in den heimischen Baumärkten ist die Nachfrage nach Wärmepumpen gestiegen. Im Bauhaus bekommt man die begehrten Pumpen entweder im Onlineshop oder auf Bestellung. Fragen werden allerdings gerne vor Ort beantwortet. Bei OBI sind die Wärmepumpen ebenfalls online bestellbar. Alternativ hierzu sind auch die weitaus günstigeren mobilen Elektroheizungen stark im Kommen.

Auch interessant