Was sagen Lindener Parteienvertreter zu den neuen Mitbewerbern?

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LINDEN - (ww). Alle politisch Interessierten im Kreis werden am 14. März besonders auf Linden schauen. Am linken und rechten Rand des Parteienspektrums könnte es dort weitere Abgeordnete geben. AfD (Alternative für Deutschland) und "Die Linke" wollen antreten. Beide sind bisher nur im Kreistag und im Gießener Stadtparlament vertreten.

Am Donnerstag tagt der Wahlausschuss um den besonderen Wahlleiter Tim Schneider, der die Vorschlagslisten noch einmal formal überprüft. Die Erweiterung der Lindener Bewerberszenerie ist allerdings wahrscheinlich. Der Anzeiger fragte die etablierten Parteien, was sie von ihren potenziellen Mitspielern auf der politischen Bühne halten.

Frank Hille von der CDU glaubt nicht, dass seine Partei unter dem Mitbewerber vom rechten Rand leiden wird. "Wir haben eine super Bürgerliste mit einigen neuen Kandidaten aufgestellt. An sich hätten wir die Wahlvorschlagsliste mit ihren 37 Personen (Anm. der Red.: Gesamtanzahl der Parlamentssitze) noch erweitern können. Wir haben Lindens Zukunft im Fokus." Ihm bereite allerdings Sorge, dass die CDU die einzige Partei sei, die 37 Kandidaten stelle, alle anderen hätten weniger Plätze auf ihren Wahlvorschlägen besetzt. "Da macht das Kumulieren und Panaschieren fast schon keinen Sinn mehr." Im Übrigen beflügele Konkurrenz das Geschäft. "Wir hätten jedenfalls auf unsere Liste noch mehr Leute draufpacken können." Diejenigen, die dort zu finden seien, seien Menschen, die sich auch im öffentlichen Leben engagierten.

Dr. Christof Schütz von den Grünen betonte: "Man braucht 2,7 Prozent der Stimmen, um einen Platz im Parlament zu bekommen." Neulinge seien daher nicht zu vermeiden, "darunter Bekloppte wie die AfD", drückte er sich drastisch aus. Von den Linken erwartet er im Fall einer Wahl eher kluge Impulse. Die programmatischen Äußerungen seien allerdings auch hier austauschbar. Es falle beiden nichts Neues ein, was die Politik vor Ort nicht bereits ersonnen habe. Er halte die AfD für "eine Ansammlung von Geschichtsleugnern und Menschen mit rassistischem Hintergrund". Wer sie wähle, brauche das wohl. AfD-Vertreter würden sich auf Landes- und Bundesebene gerade zerfleischen. "Eine Zusammenarbeit vor Ort ist jedenfalls ausgeschlossen", betonte Schütz.

Dass die AfD in Linden antritt, verwundert Joachim Schaffer von den Freien Wählern nicht. Er kenne Spitzenkandidat Thomas Wollmann als Sponsor der TSG und des TSV. Mit der AfD und der Linken als Parteien hätten die Freien Wähler eher nicht viel zu tun. Die SPD und die Grünen könnten von den Linken, die CDU eher von der AfD angekratzt werden. Er denke aber, dass beide keine große Chance hätten, ins Parlament zu rücken. Die Besetzung sei zu dünn und zu kurzfristig aufgestellt. "Ich glaube, dass Linden gewappnet ist, sich die Etablierten eher zeigen und auch bewähren werden." Er stehe dem Ganzen als Demokrat gelassen gegenüber. Jeder könne kandidieren.

Auch der Liberale Lothar Weigel unterstrich: "Wir leben in einer Demokratie. Allerdings steht fest, falls die beiden gewählt werden, nehmen sie anderen Parteien Plätze weg. Ich hoffe, nicht uns." Die von den beiden besetzten Themen seien bekannt. Das Rad werde damit für Linden nicht neu erfunden. Wenn neue Stadtverordnete von AfD und den Linken Plätze einnehmen würden, gebe es keine alleinregierende Partei. Nur eine Koalition, eventuell zu dritt, könne dann die Geschicke der Stadt lenken.

"Möglich ist alles", betonte Gudrun Lang von der SPD. Schon vor fünf Jahren habe sie die Luft angehalten, da damals einer der AfD-Oberen aus Linden kam. Beide Parteien würden Themen wie Wohnraum und Verkehrskonzept ansprechen, die die SPD schon lange besetze. "Wir hoffen, dass wir die Wähler im Hinblick auf die Linken überzeugen, dass wir das Original sind." Es werde jedenfalls schwierig im Parlament mit sieben Parteien, da die Meinungen weit auseinanderliegen werden. "Wir kämpfen jedenfalls um jede Stimme und hoffen, dass wir sie bekommen."

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