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Wege aus der Armut finden

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»Aufbruch zur Veränderung« - unter diesem Titel stand ein großes Plakat, auf dem Künstlerin Janina Röhrig Diskussionsinhalte, Impulse und Einwürfe während des Forums festhielt. Foto: Schäfer © Schäfer

Ein Regionalforum zum ersten Armutsbericht des Landkreises gab es in Buseck.

Kreis Gießen (red). Wie lässt sich verhindern, dass künftige Generationen in Armut leben? Um diese und viele weitere Fragen drehte sich gut drei Stunden lang eine breite und intensive Diskussion mit über 50 Gästen während des Regionalforums zum Armutsbericht des Landkreises Gießen im Kulturzentrum in Buseck.

Im Mittelpunkt standen die Erkenntnisse des ersten Armutsberichts für den Landkreis, den Landrätin Anita Schneider Anfang des Jahres den Kreisgremien vorgelegt hatte. Dieser gibt wichtige Hinweise zu künftigen Bedarfen der Daseinsvorsorge, der Sozial- und Wohnungspolitik und zu den Lebensperspektiven von Menschen im Landkreis. »Das Ziel ist, über diese Erkenntnisse ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Handlungsansätze zu finden«, sagt Landrätin Anita Schneider. »Denn der Bericht ist keine einmalige oder abschließende Momentaufnahme - er ist Teil eines Monitorings, das einen Prozess anstoßen kann.«

Dass ein Landkreis einen solchen Bericht erstellt, Umstände von Armut vor Ort erfasst und Lösungsansätze sucht, sei eine Besonderheit und sehr zu begrüßen, bewertete Prof. Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär des Caritasverbandes. Er gehörte zum Podium der Veranstaltung neben weiteren Akteuren aus Wissenschaft und Gesellschaft: Prof. Markus Promberger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit; Claudia Klee, Regionalgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und Yvonne Gajer, Koordinatorin der Organisation Arbeiterkind.de. Moderiert wurde das Forum von Prof. Dorothée de Nève von der Gießener Justus-Liebig-Universität.

Rund zehn Prozent der Menschen im Landkreis Gießen sind armutsgefährdet, dies ist zentrales Ergebnis des Armutsberichts. Ein erheblicher Teil dieser Menschen befindet sich zwar in einem Beschäftigungsverhältnis, das Einkommen reicht ohne Sozialleistungsbezug dennoch nicht aus. Zwar liegt der Landkreis hier mit einer Quote von 24 Prozent fast gleichauf mit dem Hessenschnitt - viele Betroffene gehen aber prekären Beschäftigungsverhältnissen nach. Frauen, vor allem Alleinerziehende, sind davon häufiger betroffen als Männer. Damit betrifft Armut bereits viele Kinder im Kleinkindalter - dies nahm breiten Raum in der Diskussion ein - ebenso der Vorschlag, dies näher zu untersuchen. Weitere Ideen waren zum Beispiel einfach zu erreichende Hilfen und Wegweiser für Betroffene, um vorhandene Behörden-Barrieren abzubauen und Angebote verständlicher zu machen.

Einig waren sich alle Beteiligten nach mehr als drei Stunden Diskussion, dass sich das Fortführen des Austauschs lohnt. Landrätin Schneider bedankte sich bei allen Beteiligten und stellte ein weiteres Forum in Aussicht: »Wir brauchen genau diese breite Diskussion, um möglichst viele Perspektiven einzubeziehen und Lösungsansätze zu finden.«

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Podiumsrunde mit (v.l.): Claudia Klee, Yvonne Gajer, Prof. Dorothée de Nève, Prof. Georg Cremer und Prof. Markus Promberger. Foto: Schäfer © Schäfer

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