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Weidezaun-Förderung kommt an

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gikrei_ww260760343_22102_4c © Red

Kreis Gießen (red). »Weidezäune sollten bislang ausschließlich dafür sorgen, dass keine Tiere aus der Weidefläche herauskommen. Mit Blick auf die Abschreckung eines Wolfs müssen wir umdenken. Denn die Elektrozäune sollen nun zusätzlich dafür sorgen, dass kein Tier von außen in die Weide eindringt«, sagt Birgit Aue. Sie führt zusammen mit ihrem Mann Udo Senczkowski die Klein-Eichener Hofkäserei, für die 230 Schafe die nötige Milch liefern.

Birgit Aue steht bei ihrer Schafherde im Seenbachtal neben einem neuen Weidezaun, den der Landkreis Gießen finanziell bezuschusst hat. Zu Gast an diesem Tag ist Christian Zuckermann, Naturschutzdezernent im Landkreis Gießen, und Katharina Habenicht, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, sowie die Presse.

Der Naturschutzdezernent wollte erfahren, wie die »Richtlinie zur Förderung der Aufrechterhaltung der extensiven Weidetierhaltung im Offenland durch Grundschutzmaßnahmen« in der Praxis bei den Landwirten ankommt und von welchem Nutzen sie tatsächlich ist.

80 Prozent an Zuschuss

Seit diesem Jahr haben Landwirte, die mit ihren Viehherden ganz nebenbei extensive Landschaftspflege betreiben, die Möglichkeit, sich leistungsstarke Elektroweidezäune und Zubehör bezuschussen zu lassen. 80 Prozent der Anschaffungskosten übernimmt in diesen Fällen der Landkreis.

Insgesamt 12 500 Euro hatte der Kreistag für die Förderung von Herdengrundschutzzäunen zur Verfügung gestellt. Das Geld ist schon jetzt vollständig ausgeschüttet - 24 Antragsteller konnten gefördert werden und erhielten zwischen 150 und 980 Euro, darunter eben auch die Klein-Eichener Hofkäserei.

Zuckermann, der die Förderrichtlinie eingeführt hat, erklärt, warum die Wolfsprävention wichtig ist, obwohl es im Landkreis Gießen derzeit keine bestätigten Wolfsrisse gibt: »Wir möchten mit der Weidezaun-Förderung in erster Linie die Aufrechterhaltung der Weidetierhaltung fördern, weil Schafe und Ziegen auf Grünflächen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten«, erklärt er.

»Mit der Förderung von Weidezäunen bieten wir Landwirten die Möglichkeit, ihre Herdentiere präventiv vor denkbaren Wolfsangriffen zu schützen. Noch bevor es Kontakt mit einem Wolf gibt«, erläutert er den Vorstoß des Landkreises. Denn Landesmittel zum Wolfschutz gibt es für Tierhalter im Landkreis Gießen nicht.

In Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) werden kostenfreie Herdenschutzschulungen angeboten, deren Teilnahme unter anderem Voraussetzung für eine Förderung bei der Anschaffung eines Weidezauns ist.

»Dabei lernt man zum Beispiel, welche Zäune effektiv Schutz vor Beutegreifern darstellen, und wie man diese Zäune aufstellen und pflegen muss«, erläutert Aue. Sie bückt sich und zeigt auf einen Draht am Boden, der verhindern soll, dass Tiere unter dem Zaum durchkrabbeln. Der Elektrozaun sei so stark, dass ein Wolf, der daran stößt, zunächst abgeschreckt werde und lieber weiterziehe.

Zuckermann sieht als Bestätigung, dass so viele Herdentierhalter von der Fördermöglichkeit bereits Gebrauch gemacht haben, und rät daher zur Antragstellung im kommenden Jahr: »Wir werden auch 2023 wieder Elektrozäune und Zubehör fördern.«

Anträge können alle Landwirte stellen, die ihre Weidetiere im Offenland im Landkreis halten.

Weitere Informationen wie die Förderrichtlinie und die Antragstellung finden alle Interessierten auf der Website des Landkreises lkgi.de im Bereich Naturschutz unter der Rubrik Artenschutz. Zudem kann Heike Schöße Auskünfte unter der Nummer 0641/9390-1459 erteilen. Symbolfoto: dpa

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