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Wenn es mehrmals Beep macht

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Von: Petra A. Zielinski

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Mario Binsch ist für den Katastrophenschutz im Landkreis zuständig. Foto: Zielinski © Zielinski

Zum zweiten Warntag am Donnerstag werden nicht nur Sirenen tönen. Ein Interview mit dem Mann, der den Katstrophenschutz im Kreis Gießen verantwortet.

Kreis Gießen (paz). Die Hochwasserkatastrophen im Ahrtal und in Nordrhein-Westfalen haben gezeigt, welch wichtige Rolle eine schnelle und umfassende Warnung der Bevölkerung spielt. Auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges rückt das Thema Warnung im Gefahrenfall immer stärker in den Vordergrund. Nach einem eher missglückten Versuch vor zwei Jahren, soll es am morgigen Donnerstag einen weiteren bundesweiten Warntag geben.

Bund und Länder sowie die teilnehmenden Kreise, kreisfreien Städte und Gemeinden erproben dann in einer gemeinsamen Übung ihre Warnmöglichkeiten. Gleichzeitig soll die Bevölkerung sensibilisiert werden. Auch im Landkreis Gießen wird es ernst. Der Anzeiger sprach mit Mario Binsch, der als Kreisbrandinspektor für den Katastrophenschutz zuständig ist.

Wie wird der Warntag am Donnerstag ablaufen?

Die Aktion soll um 11 Uhr beginnen und um 11.45 Uhr enden. Zunächst wird es um 11 Uhr einen vom Bund, der für die zivile Verteidigung verantwortlich zeichnet, ausgelösten Warnton geben. Da das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz vorschreibt, dass Kommunen für die Warnung der Bevölkerung zuständig sind, erfolgt danach eine weitere Warnung, die von Länderseite ausgeht. Parallel hierzu wird die Probewarnmeldung erstmalig auch über Cell-Broadcast verschickt.

Können alle Kommunen die Meldungen empfangen?

Nein, es kommt darauf an, welche Sirenen vorhanden sind. Da die meisten Sirenen im Landkreis noch analog sind, können nur Reiskirchen, Wettenberg und Biebertal die Warnung des Bundes empfangen. Die anderen 15 Kommunen in unserem Landkreis haben noch nicht auf digitalen Empfang umgerüstet, sind allerdings gerade dabei, dies mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land zu tun. Den zweiten, von unserer Leitstelle ausgelösten Warnton können dann alle Kommunen empfangen, deren Sirenen funktionieren.

Wie viele werden das sein?

Das kann ich leider nicht im Vorfeld sagen. Der Warntag ist ja dafür da, zu sehen, welche Warnsysteme funktionieren. Festzuhalten gilt, dass es - zumindest für unseren Landkreis - drei unterschiedliche Warntöne gibt. Zunächst den Bevölkerungswarnton, der eine Minute auf- und abschwellend heult. Dann die Entwarnung, ein einminütiger Dauerton, und schließlich den bekannten aus drei Tönen bestehenden Feueralarm. Leider können nicht alle Sirenen alle Töne ausführen. Künftig wird dies aber zur Pflicht. Darüber hinaus sollen alle drei Sirenen notstromgepuffert sein. Das bedeutet, sie verfügen über Akkus, die im Falle eines Stromausfalls zwei Stunden funktionieren.

Was ist zu tun, wenn man einen solchen Warnton vernimmt?

Man sollte ins Haus gehen, Fenster und Türen schließen und sein Radio einschalten. Menschen, die sich nicht in der Nähe ihres eigenen Hauses befinden, müssen hereingebeten werden. Im Vorfeld haben wir Schulen darüber informiert, was zu tun ist.

Vorhin fiel bereits der Begriff Cell-Broadcast. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Dabei handelt es sich um eine Katastrophenwarnung, die direkt auf das Handy geschickt wird. Und zwar unabhängig davon, ob auf dem Smartphone eine Warn-App installiert ist oder nicht. Ob jemand eine Warnmeldung erhält, hängt davon ab, ob die neueste Software installiert ist und der jeweilige Netzanbieter seine Stationen technisch bereits dementsprechend ausgestattet hat. Der Bund hat in Absprache mit Telekommunikationsanbietern sehr viel Geld in die Umrüstung von Sendemasten investiert. Am wichtigsten ist natürlich, dass das Handy überhaupt eingeschaltet ist. Einige Anbieter haben ihre Nutzer bereits auf den morgigen Warntag hingewiesen.

Und wenn mein Handy nun schon ein paar Jahre alt ist?

Grundsätzlich empfiehlt der Landkreis Gießen die Installation einer Warn-App auf dem Handy. Als Beispiele kann ich an dieser Stelle »hessenWARN« oder »KATWARN« nennen. Der Bund geht davon aus, dass 50 Prozent aller Handys in Deutschland erreicht werden. Wir selbst arbeiten sowohl mit »KATWARN« als auch mit »MoWaS«, einem satellitengestützten modularen Warnsystem des Bundes, das alle bekannten Warn-Apps ansteuert. Hierzu zählen neben den bereits genannten auch die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes »Nina« oder die Bürger- und Info-Warnapp »Biwapp«.

Bei »Mo-WaS« gibt es drei Alarmstufen. Die erste - für den Verteidigungsfall - kann nur vom Bund selbst ausgelöst werden. Die zweite darf für das Land Hessen ausschließlich von den Leitstellen in Frankfurt und Kassel landesweit ausgelöst werden. Die dritte schließlich darf von Leitfunkstellen betätigt werden. Neben Darmstadt, Fulda, Offenbach, Frankfurt, Wiesbaden und Kassel gehört auch Gießen dazu. Als Leitfunkstelle decken wir neben Gießen auch die Landkreise Marburg und Lahn-Dill ab.

Wie viele Mitarbeiter werden am Donnerstag im Einsatz sein?

Normalerweise ist die Leitstelle mit vier Disponenten besetzt. Am Warntag werden aber zwei weitere vor Ort sein. Insgesamt sind wir 26 Mitarbeiter, aktuell haben wir acht Stellen ausgeschrieben.

Welche Voraussetzungen sollte ein neuer Mitarbeiter haben?

Neben rettungsdienstlichen Qualifikationen - hierzu zählt die Ausbildung zum Rettungssanitäter mit Minimum einem Jahr Berufserfahrung -, die Gruppenführerausbildung im Bereich Feuerwehr sowie eine Ausbildung für Stabsarbeit im Katastrophenschutz. Eine genaue Stellenbeschreibung ist auf der Homepage des Landkreises zu finden.

Was ist vor zwei Jahren schiefgelaufen?

Viele Sirenen haben nicht ausgelöst. Entweder haben sie nicht funktioniert oder konnten den Ton unserer Leitstelle nicht empfangen. Einige konnten auch keine Entwarnung geben, weil der entsprechende Chip in der Sirene nicht vorhanden war und so der Alarm nicht umgesetzt werden konnte.

Warum gab es im vergangenen Jahr keinen Warntag?

Es hat lange gedauert, bis man die neuen Konzepte umsetzen konnte.

Wann erfährt die Bevölkerung, ob der Warntag erfolgreich war?

Die Kommunen melden ihre jeweiligen Ergebnisse dem Landkreis. Dieser gibt die Informationen an das Land weiter und dieses schließlich an den Bund. Ich gehe davon aus, dass es dann am Abend eine Pressekonferenz geben wird, auf der die Ergebnisse präsentiert werden. Ich hoffe, dass dieses Mal alle gut vorbereitet sind. Nach dem letzten Warntag musste der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz seinen Hut nehmen.

Welche Vorkehrungen kann man für den Ernstfall treffen?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) hat eine informative Broschüre mit dem Titel »Katastrophenalarm! - Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen« herausgegeben. Hier sind Vorsorge- und Verhaltensempfehlungen für die unterschiedlichsten Notsituationen zusammengefasst.

Infos: www.bbk.bund.de

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