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Wenn Wünsche wahr werden

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Von: Thomas Wißner

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Auch das 25. Weihnachtskonzert »Hilf Deinem Nachbarn« des Blasorchesters Reiskirchen war ein voller Erfolg. Foto: Wißner © Wißner

Das Blasorchester Reiskirchen begeistert in der Gießener Kongresshalle.

Kreis Gießen (twi). »Simply the best« sang einst Tina Turner und dieser einfachen Vorgabe sahen sich auch die Verantwortlichen des Musikverein Reiskirchen 1982 verpflichtet, als sie beim letzten Benefiz-Weihnachtskonzert »Hilf Deinem Nachbarn« 2019 die Besucher in der Kongreßhalle nach ihren Wünschen fragten.

Dass es drei Jahre dauern würde, bis diese Wünsche nun endlich erfüllt werden, konnte damals keiner ahnen, verhinderte Corona doch Konzerte in den vergangenen beiden Jahren. Aber auch ohne Konzerte wurden 2020 Spenden in Höhe von 6000 Euro an die Obdachlosenhilfe der Awo Gießen im Tannenweg überreicht.

»Hilf Deinem Nachbarn«

Und darum geht es ja auch bei den Benefiz-Weihnachtskonzerten des Blasorchester Reiskirchen, das sein 25. »Hilf Deinem Nachbarn«-Konzert am vierten Advent vor 700 Zuschauern in der Kongreßhalle gab. Auch wenn die 67 Musiker unter der Leitung von Christoph Aßmann mit »Alle Jahre wieder« das Konzert eröffneten, so zeigten gerade die zurückliegenden beiden strengen Pandemiejahre, das dem eben nicht so ist, denn Weihnachtskonzerte waren untersagt. »Es hat einfach gefehlt, diese Musik in der Weihnachtszeit, die Herzen erwärmt und so viel erreicht«, äußerte sich ein Besucher in der Pause des fast dreistündigen Konzerts und sprach damit wohl allen Besuchern aus dem Herzen.

Hatten die Zuhörer die Musik vermisst, so war es der Applaus der den Musikern fehlte - und den gab es reichlich am gestrigen Abend in »Gießens gudd Stubb«. Und diese ist nach den Worten der einmal mehr mit erläuternden und besinnlichen Worten durch das Programm führenden Susanne Hohmeyer-Lichtblau gerade für die Musiker in der Vorweihnachtszeit zu einer zweiten Heimat geworden. »Zwei Jahre haben wir darauf gewartet. Dieses Konzert schenkt Freude und Hoffnung«, begrüßte sie als Ehrengäste Landrätin Anita schneider, Reiskirchens Bürgermeister Dietmar Kromm und den Initiator der Aktion, Wolfram Weller, in der weihnachtlich dekorierten Halle.

Der erste Programmteil war geprägt von abwechslungsreicher Musik, Originalkompositionen, Weltklassikern und zwei phantastischen Solistinnen. Es waren dies Nicole Tamburro (Sopran) und Lakshmi Rogalla (Violine). »Einmal mehr erklang zur Eröffnung »Alle Jahre wieder«.

Um bei Tina Turner zu bleiben, zeigte sich eindrucksvoll wie einfach die Herzen der Zuhörer mit Musik erobert werden können, wenn die richtigen Takte angestimmt werden. Bei einem Wunschprogramm sowieso und so folgten die Ouvertüre »Ross Roy« und als ersten Wunschtitel »Fantasia on British Sea Songs«. Und nach diesem auch aus der »Last Night of the Proms« bekannten Stück brandete langanhaltender Beifall auf.

»Sie besucht die elfte Klasse der Ostschule und spielt im Landessymphonieorchester« wurde Geigerin Lakshmi Rogalla vorgestellt, die gemeinsam mit dem Orchester die Titelmusik aus Spielbergs »Schindlers Liste« und die irischen Segenswünsche »May the Road Rise« spielte. Nach symphonischen Höhepunkten aus »Die Eiskönigin« gesellte sich dann mit Tamburro eine Sopranistin zum Blasorchester, die schon bei einigen Weihnachtskonzerten an dessen Seite stand. Dargeboten wurde »Over the Rainbow«, »Moon River« und »Gold von den Sternen«.

Im ausliegenden Programmheft wurde bereits verraten, das »Little Drummer Boy« der Spitzenreiter auf der Liste der Weihnachtswunschstücke ist. Doch bis dieses Lied vom kleinen armen Jungen, der dem neugeborenen Jesus ein Geschenk machen wollte und auf seiner Trommel spielte, erklang, dauerte es dann doch noch, kamen einmal mehr die weihnachtlichen Melodien erst nach der Pause im zweiten Teil zum Vortrag. Doch bis dahin wurden andere Wunschtitel gespielt, wie unmittelbar vor der Pause der vom Publikum auserkorene Spitzenreiter bei den nicht weihnachtlichen Stücken: »Das große Tor von Kiew« aus der Komposition »Bilder einer Ausstellung« von Modest Petrowitsch Mussorgski.

Symbol der Standhaftigkeit

»Das Stück beschreibt das Stadttor von Kiew, ein Glockenturm mit einer kleinen Kirche im Inneren. Im Stück hören sie die Gewalt dicker Basstöne als Symbol der Standhaftigkeit des großen Tores, die Glocke und die Choräle der Kirche. Wer hätte 2019 gedacht, dass wir uns im Jahr 2022 so viel Sorgen um die Stadt Kiew und das Land Ukraine machen würden? Gewaltige Basstöne als Standhaftigkeit gegen die Bomben und die Choräle in den U-Bahn Stationen - wir alle haben diese Bilder vor Augen«, wurden die Zuhörer im Programm über den Hintergrund und die Aktualität des Stückes informiert. Gewählt 2019, als keiner wissen konnte, welche besondere Bedeutung gerade dieser Titel in diesen Tagen hat.

In der Pause empfahl Hohmeyer-Lichtblau einen Besuch am Satnd des »Wünschewagens«, der an diesem Abend noch eine Rolle spielen sollte. Eingebunden in den Weihnachtsliederpart war dann auch die Spendenübergabe. Hier hatte der Musikverein mit einer langen Tradition gebrochen und den Spendenempfänger bereits vorab bekanntgegeben, was ansonsten stets ein wohlgehütetes Geheimnis war, das erst beim Benefizkonzert enthüllt wurde. Insgesamt 244 400 Euro an Spendengeldern konnten bei den vorausgegangenen Konzerten überreicht werden.

Am gestrigen Abend kamen 7000 Euro hinzu, sie sind für den »Wünschewagen« des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) bestimmt. Seit 2014 erfüllt das rein ehrenamtlich getragene und ausschließlich aus Spenden finanzierte Projekt schwerstkranken Menschen einen besonderen Herzenswunsch und fährt sie gemeinsam mit ihren Familien und Freunden noch einmal an ihren Lieblingsort.

Der in Beuern wohnende ASB-Landesgeschäftsführer Matz Mattern nahm den Spendenscheck in Empfang. Zuvor waren bereits die Musiker mit ihren Weihnachtsmützen auf die Bühne zurückgekehrt, um den weihnachtlichen Teil mit »Stop the Cavalery« und »Die Winterrose« zu eröffnen. Und dann kam auch die einfach zum Konzert gehörende Nikolausparade, wurden von den acht großen und kleinen Männern mit dem roten Mantel kleine Geschenke an die Besucher verteilt. Nach »Rudolph, the Red-Nosed-Reindeer« folgte dann der Lieblinsgwunschtitel und zum Ende hin »Christmas Prism«, »Fairytale of New York« und »Let the Bells Ring«. Einmal mehr als Zugaben waren der »Graf Waldersee-Marsch« und das gemeinsam gesungene »O du fröhliche« zu hören.

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7000 Euro übergab Vorsitzender Mario Binsch (l.) an Matz Mattern für den »Wünschewagen«. Foto: Wißner © Wißner
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Sopranistin Nicole Tamburro. Foto: Wißner © Wißner
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Geigerin Lakshmi Rogalla. Foto: Wißner © Wißner
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Zwischendurch gab von Geschenke von den großen und kleinen NIkoläusen. Foto: Wißner © Wißner

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