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»Wichtig, Chancen zu nutzen«

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Von: Petra A. Zielinski

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Freuten sich über den Fortschritt des Grünberger Hallenhauses: Marcel Schlosser, Jens Deutschendorf und Anita Schneider (v.l.). Foto: Zielinski © Zielinski

Ein Altbau-Beratungs- und Informations-Zentrum entsteht im Herzen Grünbergs. Staatssekretär Jens Deutschendorf besucht die Baustelle,

Kreis Gießen (paz). Wie sehr alte Bausubstanz das Heimatgefühl bestimmt, wird oftmals erst deutlich, wenn ein altes Haus aus dem Stadt- oder Gemeindebild verschwunden ist oder wenn überdimensionierte Ausbauten seinen ursprünglichen Charakter zerstören. Dass es auch anders geht, soll das geplante Altbau-Beratungs- und Informations-Zentrum (ALBIZ) im Herzen der Grünberger Innenstadt zeigen.

Ziel des ALBIZ ist es, nicht nur Bewusstsein für den Wert alter Häuser zu schaffen, sondern sie auch modernen Wohnansprüchen anzupassen sowie verträgliche Möglichkeiten der energetischen Ertüchtigung und Barrierearmut aufzuzeigen.

Auf Grundlage einer vom Verein Region Gießener Land finanzierten Machbarkeitsstudie wurde als Standort des ALBIZ das älteste, noch erhaltene Fachwerkhaus der Grünberger Altstadt in der Barfüßergasse 5 ausgewählt. Das Gebäude, in dem bis in die 1980er Jahre eine Druckerei untergebracht war und das seit den 90er Jahren leer steht, wird auf etwa 1450 datiert.

»Mit dieser Wahl hat ALBIZ bewiesen, dass es keine Angst vor schwierigen Projekten hat«, lobte Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen anlässlich eines Pressegesprächs. Zuvor hatte er sich in einem Sommergespräch mit Landrätin Anita Schneider, dem Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes Johannes Heger, dem Referatsleiter im Hessischen Landkreistag Lorenz Wobbe, dem Geschäftsführer der SWS GmbH (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen) sowie Grünbergs Bürgermeister Marcel Schlosser über die Fortschritte des Baus informiert.

»Es ist wichtig, die Chancen der Innenentwicklung zu nutzen und dabei Ressourcen zu sparen«, betonte er. Ziel sei es, für bewohnbaren Raum zu sorgen. Dank der guten Partnerschaft mit Städten und Gemeinden in Hessen seien 800 mehr geförderte Wohnungen geschaffen worden. Aufgrund von Materialengpässen und Lieferschwierigkeiten könne man aktuell allerdings nur schwer planen. Um Schätze, wie das Haus in der Barfüßergasse 5 zu bewahren, arbeite man eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammen.

Anita Schneider rief dazu auf, »mittelhessisch zu denken«. Mit dem Projekt ALBIZ schließe der Landkreis eine Lücke in der Beratungslandschaft und gehe neue Wege. Wichtig sei es, das Interesse von Familien am Altbaubestand in Ortskernen zu wecken, Hilfestellung zu bieten, zu zeigen, dass Altbausanierung und moderner Wohnkomfort einander nicht ausschließen und darüber hinaus auch finanzierbar seien.

Dass ein solches Projekt natürlich Zeit koste, zeige das Beispiel des Gebäudes in der Barfüßergasse. Bereits 2013 habe man hier mit einer baugeschichtlichen Betrachtung begonnen. Die Landrätin bedankte sich für das produktive Gespräch und warb dafür, ALBIZ bei der Realisierung dieses Projektes zu unterstützen.

Lorenz Wobbe lobte, dass der Landkreis das Projekt von Anfang an unterstützt habe. »Der Landkreis war Impulsgeber und Klammer für die interkommunale Zusammenarbeit.« Neben der Schaffung von Sozialwohnungen sei es auch wichtig, Auszubildenden in den Kommunen nicht nur ein Stellenangebot zu machen, sondern auch bezahlbaren Wohnraum zu bieten.

Hässliches Entlein wird zum Schwan

»Aus dem hässlichen Entlein soll ein Schwan werden«, akzentuierte der Gießener Architekt Thomas Jungherr bei einer anschließenden Besichtigung des Hallenhauses. Aufgrund des Gebäudealters habe es zahlreiche Die stattlichen Hölzer im Innenraum würden darauf hindeuten, dass es sich bei den einstigen Besitzern um wohlhabende Leute gehandelt habe. Voruntersuchungen gegeben.

Mit seinen über zwei Geschosse reichenden Schwertungen in der Ostfassade gehöre der spätgotische Ständerbau zu den historischen Juwelen der Region. Im Inneren seien mehrere Türen aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Anhand der Rußspuren könne man noch immer erkennen, wo einst der Kamin gewesen sei.

Auch auf Bausünden, wie beispielsweise, mit Kalksandstein das Fachwerk zu verdecken, wies der Fachmann hin. Beim Wiederaufbau wolle man auf jeden Fall alten Lehm wiederverwenden. »Wer ein Denkmal erhält, tut viel für die Energiebilanz«, unterstrich Jungherr. Das Erdgeschoss des Hallenhauses biete gute Voraussetzungen für kleinere Veranstaltungen, wie Fachvorträge. Der fast archaische Zustand des Obergeschosses lasse sich hingegen für Ausstellungsräume nutzen. Ziel ist, dass die Baugeschichte des Hauses erkennbar bleibt. Das ALBIZ wird somit nach Fertigstellung nicht nur ein Informationsbüro sein, sondern eine »Schau-Baustelle«.

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Thomas Jungherr erklärt die Schau-Baustelle. Foto: Zielinski © Zielinski

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