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»Wir werden doch alle mal alt«

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Wie hebt man einen pflegebedürftigen Menschen, der aus dem Stuhl gerutscht ist, wieder auf? Diese und weitere Praxisübungen unter Anleitung von Larissa Plukavec (rechts) gehören zur Schulung der Krisenhelfer in Lich. © Kächler

Kreis und DRK-Schwesternschaft haben in Lich Krisenhelfer geschult. Die Nachfrage war groß.

Kreis Gießen . (klk) »Es gibt sicherlich tragische Monemte, aber auch Augenblicke, in denen man so viel zurückbekommt«, schildert Larissa Plukavec. Die ausgebildete Krankenschwester schult im Auftrag der DRK-Schwesternschaft Marburg an der Kreisvolkshochschule des Landkreises Gießen interessierte Bürgerinnen und Bürger zu freiwilligen Krisenhelfern.

Und der Zuspruch auf das Angebot des Kreises ist groß, bestätigt Torsten Denker, der Leiter der Kreisvolkshochschule (KVHS) in Lich, in deren Räumlichkeiten bereits der vierte Kurs dieser Art angeboten wird.

Corona war der Auslöser

Aufgrund von Corona-Ausbrüchen in Pflegeeinrichtungen sind 2020 durch Krankheitsausfälle und Quarantänemaßnahmen große Engpässe in der Pflege und der Betreuung älterer und behinderter Menschen entstanden, so dass die Versorgung der Bewohner in akuter Gefahr war. »Um sicherzustellen, dass eine Versorgung auch in Extremsituationen gewährleistet ist, haben wir ein Konzept entwickelt, wie ehrenamtliche Krisenhelfer in einem dreitägigen Kurs so geschult werden können, dass sie in verschiedenen Einrichtungen unterstützend arbeiten können,« erläutert Oberin Iris-Richter-Plewka, Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft Marburg. Die Flutkatastrophe in der Eifel habe gezeigt, dass es auch andere Situationen geben könne, in denen Helfer gebraucht würden, die ehrenamtlich und kurzfristig einspringen könnten.

Wie Landrätin Anita Schneider (SPD) weiter ausführte, habe man im Kreis Gießen die Pandemie Anfang 2020 zum Anlass genommen, einen regelmäßigen Dialog mit Pflegeheimen, besonderen Wohnformen sowie Rettungsdiensten und dem Katastrophenschutz einzuführen. Dabei sei man auf die Idee der DRK-Schwesternschaft Marburg gestoßen.

»Wir kamen überein, dass die Schwesternschaft Kurzschulungen organisiert, für die der Landkreis die Infrastruktur und die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt«, erinnert sich Schneider.

So seien in der KVHS in Lich mittlerweile schon drei Schulungen durchgeführt worden, in denen 41 Krisenhelfer ausgebildet wurden.

Aufgrund der großen Nachfrage sei man gerade dabei, die Kurse zu evaluieren und weiterführende Angebote zu entwickeln, machten Schneider und Denker deutlich.

Das Schulungskonzept für den Basiskurs für Krisenhelfer‹ umfasst die wichtigsten Kenntnisse und Fertigkeiten, um Laien beizubringen, wie sie Pflegeteams in Zeiten extremen Personalmangels vorübergehend entlasten können.

Nach den Worten von Oberin Richter-Plewka sei die Schulung keine Ausbildung »Pflege light« und ersetze in keiner Weise die üblichen Ausbildungsgänge in der Pflege oder die mehrwöchige Pflegehilfe-Schulung,

Handwerkszeug beibringen

»Wir wollen den Teilnehmern das nötige Handwerkszeug beibringen, um im Notfall und unter Aufsicht von Pflegefachkräften hilfreiche Handreichungen und angemessene Unterstützung für die Bewohner zu gewährleisten«, erklärt auch Kursleiterin Plukavec. Dabei werde auch die psychische Belastung angesprochen, die in diesem Bereich nicht zu unterschätzen sei.

Zentrale Inhalte der Kurzschulung sind weiterhin Hygienegrundlagen und Infektionsschutzmaßnahmen, Unterstützung bei Bewegung und Mobilisation, Hilfe bei der Nahrungsaufnahme, Grundlagen der Körperpflege, Kommunikation mit an Demenz erkrankten Menschen sowie organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen.

Die Teilnehmer des vierten Kurses in Lich erhielten am Freitag ihre Zertifikate.

»Wir werden doch alle mal alt, da ist es wichtig dass die Pflege gesichert ist«, sagte eine der Teilnehmerinnen zu ihrer Motivation. Andere in der bunt gemischten Gruppe aus Männern und Frauen im Alter zwischen 30 und über 70 Jahren finden es wichtig, zu erfahren, was man bei der unterstützenden Hilfe in den entsprechenden Einrichtungen darf und was nicht. »Ich will einfach helfen«, lautet das Credo eines weiteren frischgebackenen Krisenhelfers.

Die zertifizierten ehrenamtlichen Krisenhelfer werden über das Kreisgesundheitsamt vermittelt. Pflegeheime können sich dort melden.

Der nächste Kurs im KVHS-Haus in Lich ist bereits ausgebucht, für einen weiteren von Donnerstag, 24. März, bis Samstag, 26 März, sind noch einige Plätze frei. Die Schulungen sind für die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen kostenlos.

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