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Ziel: 850 Kinder impfen

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Das Kinderimpfhaus im Gießener Seltersweg geht heute in Betrieb. © Böhm

Kreis Gießen (vb). 4000 Impfdosen waren bestellt worden, 3000 wurden geliefert. Ausreichend, um das Ziel zu verwirklichen, bis Februar zunächst 850 Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren zweimal gegen das Coronavirus impfen zu können. Dazu hat der Landkreis Gießen ein neues Angebot auf die Beine gestellt: Heute geht das Kinderimpfhaus im Seltersweg 85 in Gießen in Betrieb, am Freitag wurde es bei einem Pressetermin vorgestellt.

Im Erdgeschoss des ehemaligen Schuhgeschäfts befindet sich ein Testzentrum des DRK-Kreisverbandes Marburg-Gießen. Das Kinderimpfhaus nutzt den ersten Stock und wird gemeinsam von Landkreis, DRK und dem Regionalverband Mittelhessen der Johanniter betrieben. Für dieses Wochenende sind bereits alle Termine vergeben.

Allen Beteiligten ist bewusst, dass die Corona-Impfungen bei Kindern stark emotional besetzt sind, wie es Landrätin Anita Schneider (SPD) formulierte. Es gibt einerseits Proteste von Gegnern, andererseits wollen viele Eltern ihre Kinder impfen lassen, auch wenn es noch keine allgemeine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt.

Die Stiko plädiert aktuell dafür, nur Kinder mit besonderen Risikofaktoren wie erheblichem Übergewicht, Immunschwächen, Herzfehlern und Lungenerkrankungen, schwerem Asthma, chronischen Nierenerkrankungen, chronischen neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen, Diabetes, schwerer Herzinsuffizienz, schwerer pulmonaler Hypertonie, Trisomie 21, Tumorerkrankungen und malignen hämatologischen Erkrankungen zu impfen.

Zusätzlich wird die Impfung für Mädchen und Jungen empfohlen, in deren Umfeld es Risikopersonen gibt, die nicht geimpft werden können oder bei denen der Verdacht besteht, dass die Impfung keinen ausreichenden Schutz vor schwerer Erkrankung bietet. An diese Empfehlungen hält sich der Landkreis, so dass das Angebot derzeit nicht allgemein ausgeweitet werden soll.

Leiter der Kinderimpfhauses sind Sebastian Kirchner vom DRK und Björn Kohlhaussen von den Johannitern, beide Familienväter, und durch 20 Jahre Erfahrung im Rettungsdienst im Umgang mit kleinen Patienten versiert. Sie stellten den Ablauf vor. Anmeldungen sind nur online möglich. Die Eltern müssen dabei bestätigen, dass ihr Kind zu der vorgesehenen Gruppe mit Risikofaktoren gehört - dazu sollten Unterlagen zum Termin mitgebracht werden - oder in einem Haushalt mit Risikopatienten leben. Im Kinderimpfhaus geht es nach der Anmeldung zum Arztgespräch. Dafür sind unter anderem Kinderärzte und Medizinische Fachangestellte (MFA) mit Erfahrungen im Umgang mit Kindern angestellt worden. Ärztliche Leiterin ist Renate Braun vom Gesundheitsamt, eine ausgebildete Kinderärztin. Da die Gelegenheit zur ausführlichen Beratung gegeben sein soll, wurden pro Impfling zehn statt der bei Erwachsenen üblichen fünf Minuten angesetzt. Wenn sich die Eltern für die Impfung entscheiden, gibt entweder der Arzt oder die MFA die Spritze und es geht in den Wartebereich, wo kindgerechte Unterhaltung auf dem Fernseher für Unterhaltung sorgen soll. Süßigkeiten und kleine Spielzeuge sind ebenfalls vorhanden. Ist nach 15 Minuten Wartezeit alles ok, geht es zur Abmeldung und die Eltern können gleich - wenn gewünscht - den Termin für die zweite Impfung drei Wochen später bekommen. Sollte es zu gesundheitlichen Problemen kommen, stehen Notfallkabinen zur Verfügung. »Kinder sind besondere Herausforderungen. Da braucht man Fingerspitzengefühl«, betonte Kohlhaussen zur grundsätzlichen Herangehensweise.

Wie will man verhindern, dass Eltern Kinder zur Impfung anmelden, die aktuell noch nicht berechtigt sind? Dass das Kind unter den genannten Erkrankungen leidet, lässt sich mit medizinischen Unterlagen belegen. Die Person aus einer Risikogruppe im Haushalt eher weniger. »Wir vertrauen auf die Ehrlichkeit der Menschen«, meinte DRK-Vorstand Christian Betz. »Wenn wir die Kapazitäten haben, werden wir niemand wegschicken. Aber im Einzelfall wird es passieren.« Die Landrätin ergänzte: »Wir setzen auf die Solidarität, dass sich niemand vordrängelt.«

Und wie soll verfahren werden, wenn irgendwann Impfungen für alle Fünf- bis Elfjährigen empfohlen werden? Schneider möchte dies im Impfbeirat mit Kinderpsychologen, Kinderärzten und Virologen besprechen und so zu einer Entscheidung kommen.

Auch wenn Bund und Land die Finanzzusage für das Kinderimpfhaus zunächst nur bis Ende März gegeben haben, geht Schneider davon aus, dass der Landkreis im kompletten Jahr 2022 Impfangebote für alle Altersgruppen machen wird. Dass die Inzidenz hier im Vergleich zu anderen Regionen relativ niedrig ist, führt sie zum Teil auf die vielen Möglichkeiten zur Impfung und die hohe Impfquote zurück.

Schneider bedankte sich beim DRK und den Johannitern für die »super gut« funktionierende Partnerschaft. Betz gab den Dank zurück und meinte, dass viele Angebote »mit der heißen Nadel gestrickt« und innerhalb weniger Tage verwirklicht würden. Viele Leute im Hintergrund würden sich sehr engagieren. Deren Einsatz würdigte auch Johanniter-Regionalvorstand Marco Schulte-Lünzum. Er betonte zudem, dass das Kinderimpfhaus keine Konkurrenz zu niedergelassenen Kinderärzten sei, sondern ein ergänzenden Angebot. »Die Ärzte haben sich die Unterstützung gewünscht«, meinte Schneider. Zum Schluss ging es noch um mögliche Proteste von Impfgegnern vor dem Kinderimpfhaus. Schneiders Büroleiter Udo Liebich versicherte, dass das Personal des Sicherheitsdienstes für das Wochenende aufgestockt worden sei.

Die Öffnungszeiten außerhalb der Schulferien sind montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Die Öffnungszeiten in den Schulferien: montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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Für die kleinen Impflinge stehen auch Süßigkeiten und Spielzeug bereit. © Böhm

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