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Ziel: In Geilshausen mit Biomüll Biogas erzeugen

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Seit 1. Januar 1996 gibt es die Kompostierungsanlage im ehemaligen Nato-Lager »Am Noll« außerhalb von Geilshausen. Der Betreiber ist - nach mehreren Namensänderungen - die PreZero Service Mitte West GmbH & Co. KG © Wisker

Seit über zehn Jahren gibt es die Idee zu einer Vergärungsanlage für Biomüll. Diese soll in Geilshausen entstehen. Der neue Kreisbeigeordnete Zuckermann will dazu im Mai ein Konzept vorstellen.

Kreis Gießen. Es war 2011, als ein Thema erstmals öffentlich diskutiert wurde: Eine Vergärungsanlage für Biomüll, um so Biogas zu erzeugen. Der Erste Kreisbeigeordnete hieß Dirk Oßwald (Freie Wähler) und fand »spannend«, was an technischer Entwicklung bei der Gewinnung von Biogas läuft. Als Standort war schon damals die Kompostierungsanlage des Landkreises im ehemaligen Nato-Lager »Am Noll« in Geilshausen im Gespräch. Zwei Jahre später äußerte sich die damalige hauptamtliche Kreisbeigeordnete Dr. Christiane Schmahl (Grüne) optimistisch, dass eine knapp 21 000 Euro teure Machbarkeitsstudie zu einer Biogasanlage »bis zum 1. Januar 2017« fertig sein sollte. Sprung in die Gegenwart: Christian Zuckermann von den Grünen ist inzwischen als hauptamtlicher Kreisbeigeordneter unter anderem für die Abfallwirtschaft tätig. Er will das Thema jetzt voranbringen, und hofft, dass in der Kreistagssitzung im Mai ein Konzept vorgestellt werden kann. Und bis wann soll die Vergärungsanlage fertiggestellt sein? »Ziel ist, dass wir in dieser Legislaturperiode Vollzug melden«, erklärte er im Gespräch mit dem Anzeiger.

Methan nutzen

Die Anlage in Geilshausen ist seit 1996 in Betrieb. Aus dem im Landkreis gesammelten Biomüll und Grünschnitt wird durch einen Verrottungsprozess hochwertiger Kompost. »Problem dabei: Während des Prozesses entsteht das Gas Methan und das ist 28 mal klimaschädlicher als CO2«, erklärt Zuckermann. Momentan gehe das Methan ungenutzt in die Atmosphäre. Und das soll vermieden werden. Wie? »Indem man den Bioabfall zunächst vergärt und das dabei entstehende Methan nutzt, um es zum Beispiel zu verbrennen und dadurch Strom zu erzeugen.« Zuckermann berichtete von der Idee, den Strom dann per Fernwärmeleitung zum neuen Gewerbegebiet an der Autobahn bei Lumda zu leiten. »Aber soweit sind wir noch nicht. Für das Projekt ist ein Haufen Vorplanung erforderlich und ein Haufen Geld.« Zuckermann schätzt das Investitionsvolumen auf 20 Millionen Euro.

Und was passiert nach der Vergärung mit dem Biomüll? Ziel sei, dass der Rest als Kompost noch gut zu verwenden ist, erklärte der Kreisbeigeordnete. Der Grad der Vergärung könne ja gesteuert werden.

Da die Vorplanungsleistungen abgeschlossen seien, könne nun in den politischen Gremien etwas präsentiert werden. Zuckermann denkt, dass dies in der Mai-Sitzung des Kreistages passieren wird. »Ich finde es sinnvoll, dass wir bei dem Thema jetzt aufs Gaspedal treten. Wenn alles gut läuft, können satte Fördergelder vom Bund generiert werden.« Zwar stehe die Höhe noch nicht fest, doch bislang habe eine Förderung nie zur Debatte gestanden und der Landkreis hätte alles alleine stemmen müssen. So begründete der Grüne auch, dass ein Thema, das seit zehn Jahren existiert, mehr oder weniger unter dem Radar der Öffentlichkeit diskutiert wurde. »Es ist klar, dass das Projekt viel kostet und das Geld im Haushalt kann nur einmal ausgegeben werden. Aber jeden Euro, den wir an Förderung bekommen können, sollten wir mitnehmen, Das ist eine umweltpolitische Entscheidung.«

Vorbild in Marburg

Das Vorbild für Geilshausen steht im Marburger Stadtteil Cyriaxweimar. Die städtische Marburger Entsorgungs-GmbH betreibt dort bereits seit 2010 eine Biogasanlage mit nachfolgender Kompostierung. Dort gibt es fünf Vergär-Anlagen, sogenannte Vermenter, in denen durch die Berieselung mit Wasser und das Beheizen aus dem Abfall Bio-Gas entsteht. Die Arbeit erledigen dabei größtenteils Bakterien, die den Bio-Abfall zersetzen. Laut einem Bericht der Oberhessischen Presse von 2014 entstehen so täglich zwischen 2500 und 3000 Kubikmeter Gas. Damit werden Blockheizkraftwerke betrieben, die Strom und Wärme produzieren.

Die Kompostierungsanlage ist seit 1. Januar 1996 in Betrieb. Sie soll jährlich 42 000 Tonnen Bioabfall und 4000 Tonnen Grünschnitt bewältigen können. Betreiber war die Schneider Städtereinigung GmbH & Co. KG, die nach diversen Umfirmierungen inzwischen PreZero Service Mitte West GmbH & Co. KG heißt.

Der erste Vertrag lief bis 31. Dezember 2006. Um den Betrieb neutral neu ausschreiben zu können, hatte der Landkreis das Kompostwerk zum Restbuchwert übernommen. Danach wurde der Betrieb mehrmalig neu ausgeschrieben. Der aktuelle Vertrag hat nach Mitteilung der Kreisverwaltung am 1. Januar begonnen, endet zunächst am 31. Dezember 2023, allerdings mit Option einer zweimaligen Verlängerung um jeweils ein Jahr, also längstens am 31. Dezember 2025.

Die relativ kurze Laufzeit des aktuellen Vertrages wurde laut Kreisverwaltung gewählt, um im Fall, dass die vorgeschaltete Bioabfallvergärungsanlage umgesetzt wird, die Möglichkeit zu haben, den Betrieb der Vergärungsanlage und des Kompostwerks zusammen ausschreiben zu können. (vb)

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