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Zwei Kinder aus Wißmar bei »World Robot Olypiad«

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Felix und Sophie Sacher zeigen, wie Roboter »Justus« den Spieltisch reinigt. Foto: Wisker © Wisker

Mit Roboter »Justus« haben sich die Wißmarer Geschwister Felix und Sophie Sacher für das Deutschlandfinale in Chemnitz qualifiziert.

Wettenberg . (dge). Meistens sind es Dinge im Alltag, die zu innovativen Ideen führen. So war das auch bei Felix und Sophie Sacher aus Wißmar. Die Geschwister haben einen Reinigungs-Roboter entwickelt, programmiert und gebaut und damit den ersten Platz beim Regionalentscheid der »World Robot Olympiad« in Schwalbach (Taunus) abgeräumt. »My Robot, my friend« lautete das Motto. Und hier haben die beiden nicht nur für ihre Erfindung den ersten Preis bekommen, auch beim Team-Award hatten sie die Nase vorn.

Wie kommt man auf eine solche Idee? Im Gespräch mit dem Anzeiger erzählen Felix Sacher (elf Jahre) und seine siebenjährige Schwester Sophie, dass ein Besuch beim Kinderarzt der Auslöser war. »Wir haben uns geärgert, dass die Spielsachen im Wartezimmer weg waren«, so Sophie. Die waren weg, weil sie wegen Corona zwischendurch immer wieder gereinigt werden mussten. Für die beiden war klar, dass sie hier Abhilfe schaffen wollten - mit einem Roboter. Ein Tischroboter kam nicht in Frage, der könnte runterfallen.

Sprachbefehle

Ihr Roboter »Justus« fährt auf Rollen, hat einen langen Arm, an dem eine Sprühvorrichtung befestigt ist, und wird durch Sprachbefehle gesteuert. Zudem hat er ein fröhliches Froschgesicht, das vom Display eines Tablets entgegenlächelt. Auch das Tablet ist Marke Eigenbau. Doch wie funktioniert »Justus«? Felix und Sophie führen es vor. »Reinige die Tische« lautet der Befehl, den Sophie ins Handy spricht. »Justus« legt los, fährt langsam am Tisch entlang und sprüht die Oberfläche ein. »Desinfiziere meine Hände«, fordert Felix den Roboter auf - und auch hier legt dieser auf Befehl los. »Unser Roboter versteht auch Englisch« - keine Frage, die beiden haben an alles gedacht.

Das Froschgesicht hat er bekommen, weil der Frosch das Klassentier in Sophies Schule, der Salzbödetalschule, ist. Felix besucht die Liebig-Schule in Gießen, kommt nach den Ferien in die siebte Klasse. Seine Schwester ist dann in der dritten Klasse. Bis zu den Ferien war sie in der Stammgruppe B, das entspricht der ersten und zweiten Klasse, die gemeinsam unterrichtet werden.

Doch zurück zu »Justus«: Zunächst wurden die Zutaten zusammengesucht. Kabel, Platinen, Regler und andere Teile aus verschiedenen Modellbaukästen, der Düsenschlauch aus dem Aquaristikbedarf, eine Pumpe aus dem Internet und ein ganz gewöhnlicher Messbecher - Felix und Sophie haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen.

Woher weiß »Justus«, wohin er fahren muss? Auch das haben Felix und Sophie gelöst. Eine Kamera erkennt ein rotes Band, das den Anfang der Strecke markiert. Hier beginnt auch der Sprühprozess. Ein schwarzes Band zeigt die Route. Außerdem gibt es einen Sensor - »der sendet Ultraschallwellen aus« - der Hindernisse erkennt. Von der Salzbödetalschule haben sie einen Tisch bekommen, der genau die richtige Höhe hat, schließlich ist die Erfindung doch für Tische gedacht, wo man Kinderspielzeug findet oder an denen man auch mal lernt.

Angefangen hat ihr Projekt Anfang dieses Jahres, im Februar/März begannen sie, »Justus« zusammen zu bauen. Zwei bis drei Stunden pro Woche, an den Wochenenden etwas mehr und vor dem Wettbewerb dann intensiver haben sie an ihrem Roboter gearbeitet. Er wurde immer wieder ergänzt, teilweise mussten die beiden ihn auseinandernehmen, Teile einpassen und wieder zusammenbauen. »Die Sensorik ist oft ausgefallen, Kabelstecker haben sich gelöst«, blickt Felix zurück. Dann hieß es, das Fahrwerk auseinandernehmen. »Aber wir sind immer gut vorangekommen«, ergänzt Sophie.

Der Lohn für all die Mühe kam schließlich in Schwalbach. Beim Wettbewerb begutachteten zwei Jurys die Projekte der Teilnehmer. »Wer am Ende die meisten Punkte hatte, hat gewonnen«, erklärt die Siebenjährige das Prinzip. In der Kategorie »Future Innovators« gab es den ersten Platz. Beeindruckt zeigte sich die Jury auch vom Teamgeist der beiden jungen Forscher. Dafür gab es den »Team Award«. Zwei erste Plätze - das heißt, für Felix und Sophie geht es weiter.

In Chemnitz sind sie beim Deutschlandfinale dabei. Wenn sie diese Hürde nehmen, sind die beiden Wißmarer bei der Weltmeisterschaft in Dortmund vertreten. Das Forscher-Gen scheint ihnen nicht in die Wiege gelegt. Beide Eltern haben Latein studiert, sind Lehrer, Vater Benjamin Sacher unterrichtet Latein und Englisch, Mutter Christine Sacher Latein und Geschichte. Die beiden sind stolz auf den Nachwuchs. »Es ist einfach schön, wie die beiden das Projekt ›Justus‹ als Team gelöst und umgesetzt haben«, lobt Christine Sacher.

»Der Gerechte«

Felix und Sophie blicken schon Richtung Chemnitz. Ihr Roboter soll noch erweitert werden, am Sicherheit des Systems soll nachgebessert werden - »damit er nicht mehr abstürzt«.

Warum heißt der Roboter eigentlich »Justus«, genau wie der Familienhund? Sophie lächelt und löst das Rätsel: »Justus heißt ›der Gerechte‹ oder ›just us‹, also wir beide.«

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