Zweite Offenlage in Linden für Reviko-Projekt

  • schließen

LINDEN - (ww). Es kommt zur zweiten Offenlage der Planungen für das Großprojekt am Bahnhof/Sudetenstraße in Linden. Das beschloss die Lindener Stadtverordnetenversammlung gegen die Stimmen der SPD und von zwei der acht Grünen im Parlament. Die Sozialdemokraten um Gudrun Lang hatten zuvor versucht, die Planungen ad acta legen zu lassen, scheiterte jedoch mit ihrem Änderungsantrag.

Lang machte deutlich, dass der Bauherr mit der ersten Beschlussfassung bereits einen Bauantrag stellen könne. "Es ist völlig überdimensioniert. Es wird etwas gebaut, was nicht hinein- passt. Es gibt keine gesunden Wohnverhältnisse und es wird in die Natur- und Artenvielfalt eingegriffen", erklärte Lang kurz und knapp die Ablehnungsgründe der SPD.

Für die CDU entschuldigte sich Thomas Altenheimer, dass es im Ausschuss nach der Vorstellung der Bürgerinitiative "Grüne Sudetenstraße" keine weitere Aussprache gegeben habe. Das sei der Zeit geschuldet gewesen. Der Bauausschussvorsitzende Burkhard Nöh erklärte später, es sei die höchstwahrscheinlich längste Sitzung eines Ausschusses der Stadt gewesen. Zu Sache meinte Altenheimer, dass er die Anwohner der Sudetenstraße, die vom Bauprojekt tangiert werden, verstehen könne. Dagegen gebe es aber den Wohnflächenbedarf. "Linden wachse, ob wir wollen oder nicht. Es fehlten zwei bis drei Zimmerwohnungen. Der Standort sei für Pendler interessant, die auf das Auto wegen der Bahnhofsnähe verzichten könnten. Der ursprüngliche Entwurf sei durch die Bürgerbeteiligung auch erheblich geändert worden. Der Grünstreifen werde erhalten. An anderer Stelle habe es eine größere Kompaktierung des Projektes gegeben, gab er unumwunden zu. "Die Größenordnung ist bemerkenswert, man muss aber auch ehrlich sein: das Projekt rechnet sich nur ab einer gewissen Größenordnung." Der BI-Kritik, dass das Projekt schon jetzt den Zielen des Stadtentwicklungskonzeptes Linden 2036 zuwiderlaufe, entgegnete er: "Das ist etwas, woran wir arbeiten müssen. Es wird uns aber nicht gelingen, alles aufzusparen, bevor wir ein Gesamtkonzept haben." Eine ähnliche Zahl an Wohnungen wäre ansonsten nur auf der grünen Wiese zu realisieren. Im Übrigen sei noch der städtebauliche Vertrag zum Projekt auszuhandeln.

Für die Linken rechnete Meric Uludag direkt mit der CDU ab: "Es muss sich wirtschaftlich lohnen, haben Sie gesagt. Es geht also um unternehmerische Interessen." Das Wohnraumversorgungskonzept des Kreises sei fortgeschrieben worden und mit einer Veröffentlichung täglich zu rechnen. "Das nicht vor einer Entscheidung abzuwarten, halte ich für bedenklich." In Richtung der Grünen um Dr. Christof Schütz erklärte er: "Wo Grüne draufsteht, ist nicht immer Grün drin." Die Position der Lindener Fraktion, im Verfahren zu bleiben, halte er für einen Skandal. Er plädierte dafür, in kleinerem Rahmen an der Stelle ein Projekt mit einer Baugenossenschaft zu realisieren. Im Verlaufe seines Beitrags erhielt er viel Applaus von BI-Vertretern von der Stadthallenbühne aus, die unter anderem durch das Ehepaar Frankenberger vertreten war. Stadtverordnetenvorsteher Fabian Wedemann ließ die Bekundungen geduldig zu. Schütz wies noch einmal darauf hin, dass noch nicht gebaut werde, sondern eine zweite Offenlegung und der Vertrag mit dem Projektierer danach erfolge. "Wir haben die Frage noch nicht entschieden, ob gebaut wird." Es gehe hier um die Bewertung von Innenentwicklung zur Außenversiegelung, die Interessen der Anwohner und der Stadt als Gesamtsystem. "Wenn dort die Haselmaus betroffen wäre, dann wäre das ,bum' vom Tisch. Aber es geht nicht, dass wir das Projekt gar nicht diskutieren."

Es gebe natürlich Alternativen, wie weitere Bauabschnitte im Gebiet "Nördlich Breiter Weg", die die SPD im Wahlkampf befürwortet habe, nur kleinteilige Innenentwicklung oder die Feststellung, "das Boot sei voll". Natürliche habe das alles Auswirkungen. "Es gehen Bäume verloren, das ist für die Grünen kein Vergnügen." Letztlich stecke seine Fraktion in einem Dilemma. Eine Lösung, die richtig oder falsch ist, gebe es nicht. Die Grünen würden jedenfalls darauf achten, dass es Wohnraum zu bezahlbaren Preisen gebe, die Energieeffizienz des Neubaus weiter steige und Fotovoltaik errichtet werde. "Wenn es darum später geht, dann diskutieren wir wieder und werden dann neu entscheiden."

Lang (SPD) betonte zuletzt: "Wenn wir heute die Offenlegung beschließen, dann haben wir schon die Entscheidung getroffen."

Der Stadtverordnete Volker Heine (Grüne), Vermessungsingenieur, verließ wegen Befangenheit beim Thema zur Abstimmung den Saal.

Das könnte Sie auch interessieren