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17 ambitionierte Projekte präsentiert

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Von: Imme Rieger

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Interessiert studierten die Besucher die vorgestellten Projekte. Foto: Rieger © Rieger

Insgesamt 17 Projekte aus den Handlungsfeldern Natur- und Gewässerschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie Freizeit und Naherholung wurden bei der SILEK-Abschlussveranstaltung präsentiert.

Langgöns (imr). »Ein ambitioniertes Programm liegt vor uns, um die Gemarkung in und um Cleeberg weiterzuentwickeln. Es ist ein Schatz, bei dem es noch viel zu heben gibt«, bilanzierte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch die Ergebnisse des »Integrierten ländlichen Entwicklungskonzepts mit räumlichem und thematischem Schwerpunkt« (SILEK) bei dessen Abschlussveranstaltung.

Insgesamt 17 Projekte aus den Handlungsfeldern Natur- und Gewässerschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie Freizeit und Naherholung wurden dabei präsentiert. Das Verfahren wurde in dem Taunusdörfchen im Vorfeld der geplanten Flurbereinigung entlang des Kleebachs eingesetzt, um gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung Entwicklungsstrategien zu den genannten Themengebieten zu erarbeiten. Knapp zwei Jahre dauerte das. Mit 780 Hektar Wald und 402 Hektar Acker und Grünland ist Cleeberg flächenmäßig recht groß. Die Lage am nordöstlichen Rand des Naturparks Taunus macht es besonders und bildet ein Alleinstellungsmerkmal.

Über 60 Personen in Prozess involviert

Bürgermeister Reusch, Cleebergs Ortsvorsteherin Heidi Tonhäuser und André Hausmann von der begleitenden Steuerungsgruppe »360°« begrüßten im Waldhaus die Besucher, von denen sich fast alle in das Verfahren aktiv eingebracht hatten: Mehr als 60 Personen aus Cleeberg, darunter Landwirte, Naturschützer, der Ortsbeirat und weitere Interessierte, waren in den Beteiligungsprozess involviert, sogar die Kinder der örtlichen Kita engagierten sich.

»Es war von Anfang an ein sehr großes Interesse da und eine hohe Beteiligung über den ganzen Zeitraum«, würdigte Heidi Tonhäuser das Engagement der Cleeberger und dankte allen Mitwirkenden. Dem schloss sich Bürgermeister Marius Reusch an. »Für gegenläufige Ziele, die durchaus konfliktreich sind, besonders bei den Themen Landwirtschaft und Naturschutz, haben sich alle an einen Tisch gesetzt und gute Lösungen gefunden«, lobte der Rathauschef. Er wünschte sich, dass dies auch zukünftig so gehandhabt werden sollte.

Ralf Ufer vom Amt für Bodenmanagement Marburg, das die Flurbereinigung durchführt, sagte: »Ich habe selten so engagierte Bürger erlebt wie hier, die sich zudem gut in der Gemarkung auskennen und für jeden Punkt einen Spezialisten gehabt haben. Alle haben an einem Strang gezogen, das hat mir gut gefallen.« Dr. Andrea Soboth vom begleitenden »Institut für Regionalmanagement« (IfR) aus Gießen stellte die 17 Projekte aus dem Konzeptentwurf vor. Auf den Vorschlägen der Kita-Kinder basieren diese Projekte: Das ist zum Beispiel der Erzählwald, bei dem im Wald »Geschichten« versteckt werden, für kleinere Kinder sollen das zum Beispiel Figuren an Bäumen sein, die gesucht und gefunden werden können, für ältere Kinder und ihre Familien könnten QR-Code oder Geo-Caches versteckt werden, über die dann Infos abgerufen werden könnten. Die Geschichte des Waldes soll so erzählt werden. Die Kinder wünschen sich auch ein »Pausenhaus«, das an der »Rosterthütte« entstehen könnte.

Barfuß- und Handtastpfad

Rund um den Kleebaum sollen Natur-Erlebnis-Stationen in Kooperation mit der Nabu-Gruppe Oberes Kleebachtal und deren Naturschutzjugend entstehen: Ein Barfuß- und ein Handtastpfad sowie ein großes Insektenhotel sind unter anderem geplant. Diese Projekte sollen möglichst auch als erste realisiert werden, gleichzeitig mit der Verbesserung der Wanderwege-Infrastruktur wie Rastmöglichkeiten, Informationsbeschilderung und ergänzende Themenwege.

Der Panoramaweg soll attraktiver gemacht und zertifiziert werden. Dazu muss die Streckenführung angepasst werden. Für eine geplante Aussichtsplattform wurden bereits Standorte definiert. Besucherbewegungen sollen gelenkt werden, unter anderem durch die »Revitalisierung« von Parkplätzen. Ein weiteres Projekt aus dem Bereich Tourismus und Naherholung ist eine Discgolf-Anlage, die am Waldhaus oder alternativ am Kleebaum errichtet werden könnte. Das Waldhaus soll mit Strom und - wenn technisch nicht zu aufwendig und wirtschaftlich vertretbar - auch mit fließendem Wasser versorgt werden. So kann das Traditionsgebäude zu einem zeitgemäßeren Outdoor-Treffpunkt entwickelt werden.

Projekte im landwirtschaftlichen und Naturschutzbereich sind unter anderem die Verbesserungen der Agrarstrukturen durch die Zusammenlegung von Flurstücken, das ist übrigens das Kernthema von SILEK, die weitere Entwicklung des ländlichen Wegenetzes und neue Wasserentnahmestellen in einer grundsätzlich trockenen Gemarkung. Hier sind am Aulbach nahe am Ortseingang im Bereich Espaer Straße und am Hochbehälter Richtung Feuerwehr öffentliche Entnahmestellen geplant.

Kraut- und Blühstreifen

Beim FFH-Gebiet Ackergrundbachtal nördlich von Cleeberg soll das Schutzgebietsmanagement unterstützt werden. Für den ganzen Ort ist eine Biotopvernetzung vorgesehen: Ein breiter Kraut- und Blühstreifen mit Feldgehölzen soll insbesondere dort vernetzen, wo viel landwirtschaftliche Fläche ist. Hinzu kommen einzelne Naturschutzmaßnahmen zum Artenschutz wie zum Beispiel die Gestaltung kleiner Becken für den Feuersalamander. Die ökologische Wertigkeit des Kleebachs soll gesteigert, für die Durchgängigkeit der Wasserführung soll gesorgt werden. Regenrückhaltebecken und Flutmulden sollen dem Hochwasserschutz dienen, Entwässerungsgräben (re)-aktiviert werden.

Dr. Soboth sprach bei der Vorstellung der Projekte von einer »Orientierungshilfe« und betonte, dass auch andere Fördermittel in Anspruch genommen werden können. André Hausmann informierte, dass das Flurbereinigungsverfahren, das von Susanne Trautwein-Keller vom Amt für Bodenmanagement geleitet wird, ab 2023 umgesetzt werden könne. Es soll das komplette Kleebachtal von der Quelle an abdecken. 600 Eigentümer werden beteiligt, das Ganze wird viele Jahre lang andauern.

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