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5000 Euro in drei Stunden

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Bei der Übergabe der Spendenschecks (v. l.): Christian Keil, Conrad Melle, Maximilian Leger (kassierte für die 1. Herrenmannschaft der SG Kleenheim), Holger Claes, Initiator Tino Kley, Wilfried Weyl und Chris Kane. © Rieger

Zu Gunsten der Tafeln in Gießen und Butzbach hieß es in den drei Rewe-Märkten von Bayram Travaci in Lang-Göns und Hüttenberg »Kassieren für den guten Zweck«.

Langgöns/Hüttenberg (imr). »Kassieren für den guten Zweck« hieß es am Mittag des Ostersamstags in den drei Rewe-Märkten von Bayram Travaci in Lang-Göns »Am Lindenbaum«, Hüttenberg-Hörnsheim und Hüttenberg-Rechtenbach. Gemeinsam mit den Partnervereinen TV 05/07 Hüttenberg, SG Kleenheim-Langgöns, dem TSV Lang-Göns und vielen Kunden sollten die Tafeln in Gießen und Butzbach unterstützt werden. Denn angesichts der aktuell ständig steigenden Preise in fast allen Bereichen des täglichen Lebens sind die Tafeln in diesen Tagen noch mehr auf Unterstützung angewiesen.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: 5000 Euro kamen innerhalb von drei Stunden zusammen. Tino Kley, der stellvertretende Geschäftsführer der drei Rewe-Märkte, freute sich sehr, am Ende der Aktion zwei symbolische Spendenschecks mit jeweils 2500 Euro an Holger Claes, Leiter der Tafel Gießen, und Wilfried Weyl, seinem Pendant von der Tafel Butzbach, zu überreichen.

»Die Überlegung war, an welchem Tag möglichst viel Geld an den Kassen zusammenkommt, Ostersamstag ist einer der umsatzstärksten Tage im Jahr«, erklärte Tino Kley seine Idee zur Spendenaktion. Die drei Vereine stellten jeweils drei Sportler für einen einstündigen Kassendienst zur Verfügung. Sie kassierten mit Unterstützung erfahrener Rewe-Mitarbeiter jeweils 20 Minuten pro Sportler in den drei Märkten.

Die Einnahmen aus diesen insgesamt drei Stunden wurden anschließend zu 100 Prozent den Tafeln in Gießen und Butzbach gespendet. Außerdem wurden an diesem Tag in jedem der drei Märkte auch Tüten mit haltbaren Lebensmitteln für die Kunden zum Kaufen angeboten, die ebenfalls anschließend an die beiden Tafeln gingen.

Für die Vereinsvertreter war es eine Freude und Selbstverständlichkeit, an dieser besonderen Hilfsaktion teilzunehmen: »Ich als 1. Vorsitzender des TSV Lang-Göns kann mich nicht genug für das ganze soziale Engagement des Rewe Travaci Teams bedanken«, betonte Chris Kane. Bei sämtlichen Veranstaltungen der Abteilungen und beim Sponsoring bekomme der Verein regelmäßig tatkräftige Unterstützung, auch in den schwierigen Zeiten während Corona. »Mit dieser Aktion können wir als Verein ein Stück weit dazu beitragen, dass vielen bedürftigen Menschen geholfen werden kann. Die Idee mit dem Kassieren am Ostersamstag kam bei uns sehr gut an«, berichtete der Vorsitzende. »Die HSG Kleenheim-Langgöns freut sich, sich an der Aktion beteiligen zu dürfen und unterstützt diese natürlich gerne zugunsten der Tafeln«, unterstrich auch Christian Keil, Männerwart der Handballer: »Mit Rewe Travaci haben wir einen Kooperationspartner, der seinen Fokus sowohl bei den Produkten als auch beim Sponsoring auf die Region legt und so viel zurückgibt. Wir freuen uns, ihn dabei unterstützen zu können.«

Conrad Melle, Leiter Kommunikation/Medien beim TV 05/07 Hüttenberg, schloss sich den Worten seiner Vorredner an. Er drehte in allen drei Märkten von der Kassier-Aktion Videos, die er anschließend in den Sozialen Medien, auf der Homepage des Vereins und YouTube veröffentlichte, »um damit so viele Leute wie möglich zu erreichen«.

Engagement nicht selbstverständlich

Tino Kley, Holger Claes und Wilfried Weyl bedankten sich bei der Übergabe der Spendenschecks ausdrücklich bei allen Beteiligten. »Das große Engagement dieser drei Rewe-Märkte, die uns seit langem sehr verlässlich als Spender beliefern und jetzt diese tolle Aktion machen, ist nicht selbstverständlich«, betonten die beiden Tafel-Vertreter.

Sie berichteten auch über die aktuelle Situation: In Gießen werden derzeit etwa 3200 Menschen unterstützt, rund 300 ehrenamtliche Helfer engagieren sich bei der Tafel Gießen. »Wir hatten in den letzten Wochen sehr großen Zulauf, es sind täglich etwa 50 bis 80 Personen mehr, wir wissen nicht, wie lange wir das so noch machen können«, berichtete Claes. Wer neu ist, bekommt eine »Begrüßungstasche« mit haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Die frischen Lebensmittelspenden seien aktuell rückläufig, während gleichzeitig die Kosten, insbesondere die Energiekosten, massiv anstiegen. »Wir sind froh, einen großen Stamm verlässlicher Spender zu haben, auf die wir uns verlassen können«, sagte der Leiter der Tafel Gießen.

»Wir versorgen derzeit knapp 700 Leute, in den vergangenen Wochen kamen viele aus der Ukraine dazu«, berichtet Wilfried Weyl. Hinzu kämen Menschen, bei denen angesichts der steigenden Preise das Geld einfach nicht mehr reicht. Auch bei ihm gehen aktuell die Spenden an frischen Lebensmitteln zurück.

»Wir sind keine Grundversorger, was wir machen, ist ein Zusatz«, stellte der Butzbacher klar.

In Butzbach helfen regelmäßig rund 70 Ehrenamtler, »bis 85 Jahre, das ist ein super Team«. Auch Holger Claes lobt seine Leute und ganz besonders deren Flexibilität, wenn es um spontane Unterstützung geht. In Butzbach hätten in der Pandemie sogar Flugbegleiterinnen aus Frankfurt geholfen, die seinerzeit unbeschäftigt waren. »Wer einmal vom ›Tafelvirus‹ infiziert wurde, kommt davon nicht mehr los, es ist etwas ganz Besonderes«, weiß der Gießener aus Erfahrung.

Die Spendengelder wollen beide Tafelvertreter für die massiv gestiegenen Energie- und Spritkosten verwenden, denn der Zukauf von Lebensmitteln ist ihnen laut den Statuten nicht erlaubt. Deshalb freuten sie sich auch sehr über die Spendentüten mit haltbaren Lebensmitteln.

Wenn die Situation gerade auch schwierig sei, sehen beide dennoch zuversichtlich nach vorn: »Es läuft irgendwie«, so die Einschätzung von Wilfried Weyl.

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