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Ärger um ein Urnenfeld auf dem Friedhof

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Von: Imme Rieger

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Dieses etwas verwahrlost wirkende Urnengrabfeld sorgt für Unmut bei Angehörigen der dort Bestatteten. Foto: Rieger © Rieger

Langgöns (imr). Auf dem Friedhof im Ortsteil Lang-Göns tut sich was: Das Langgönser Gemeindeparlament hatte vor einiger Zeit beschlossen, dass die Langgönser Friedhöfe grüner und parkähnlicher gestaltet werden sollen. Moderne Grabformen, die weniger Pflegeaufwand haben, sollen vermehrt angeboten werden.

Damit trägt die Gemeinde dem starken Wandel in der Bestattungskultur in den vergangenen Jahrzehnten Rechnung. Aktuell laufen Vorbereitungsarbeiten für die Anlage von Baumgräbern im westlichen Teil des Friedhofs. Hier werden gerade ein neuer Weg sowie ein Platz, auf dem eine Stele stehen soll, angelegt.

Massive Kritik gab es aus dem Ortsbeirat Lang-Göns um seine Vorsitzende Denise Boller (CDU), nachdem sich Angehörige über die Gestaltung eines nach den neuen Vorstellungen angelegten Urnenfelds am östlichen Rande des Friedhofs beschwert hatten. Ortsbeiratsmitglied Richard Seitz (FW) berichtete in der jüngsten Sitzung des Gremiums darüber. So seien die ausgeführten Arbeiten zu den neuen Urnengräbern »mangelhaft in Bezug auf die Optik«. Auch die Begehbarkeit für Menschen mit Gehhilfe sei nicht gegeben. »Die Angehörigen waren völlig entsetzt, sie dachten, das Grabfeld wäre wie gehabt angelegt worden.« Bei Regenwetter sei »alles matschig«.

Gerade im Hinblick auf die anstehende Herbst- und Winterzeit sieht der Ortsbeirat hier einen deutlichen Handlungsbedarf und schlug vor, die Begehbarkeit dieser Gräber für Angehörige mit Gehhilfen umgehend herzustellen und auch eine Aus- beziehungsweise Verbesserung der Einfassung der Urnengräber vorzunehmen, die aktuell aus hässlichen Betonrandsteinen besteht. Einstimmig bat der Ortsbeirat den Gemeindevorstand, dies umgehend zu beauftragen. Irritationen und Unmut seitens der Hinterbliebenen hatte es, so berichtete Seitz, auch hinsichtlich der Kommunikation mit dem Rathaus gegeben. Kritisiert wurde, dass die betroffenen Angehörigen über das neue Bestattungskonzept nicht informiert gewesen seien. »Dieses Wissen hätte sicher viel Ärger und Unmut der Angehörigen verhindern können und ihnen die Möglichkeit gegeben, sich für einen anderen Bestattungsort auf dem Friedhof zu entscheiden«, sagte Seitz. »Wut, Entsetzen und Unverständnis bei den Angehörigen«, habe bei der Rechnung, die die Gemeinde Langgöns im Zusammenhang mit der Urnenbeisetzung gestellt habe, die Formulierung »Beisetzung von Ascheresten je Urne« hervorgerufen. Der Ortsbeirat stellte fest, dass diese Bezeichnung für einen Verstorbenen pietätlos sei und verlangte einstimmig eine würdevolle Formulierung, beispielsweise »Beisetzung der sterblichen Überreste je Urne«.

Auf Anfrage bedauerte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch (CDU) diese unglückliche Wortwahl und versicherte, sie entsprechend ändern zu lassen. Er wies darauf hin, dass es diese Formulierung schon lange in der Satzung gebe, »sie wurde aber nie bewusst wahrgenommen«.

Er berichtete außerdem, dass für die Sitzung des Sozialausschusses am 17. Oktober eine Ortsbesichtigung des Friedhofs anberaumt wurde, um das Thema umfassend zu diskutieren. Von den Gemeindegremien beschlossen worden sei seinerzeit eine naturnahe Gestaltung des Urnenfelds ohne Versiegelung. Reusch räumte ein, dass die neu gepflanzte Hecke im Frühjahr noch nicht so gut ausgesehen habe, auch die verwendeten Betonrandsteine wären »nicht optimal«.

Er entschuldigte sich: »Wir haben das betreffende Grabfeld sehr zeitnah nach der Neuanlage belegt.« Auch die Barrierefreiheit bei einer reinen Gestaltung mit Rasen müsse wohl auf den Prüfstand.

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