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Anfangs fehlte es an allem

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Die 1. Mannschaft im Gründungsjahr 1947. Repro: Rieger © Imme Rieger

Die Fußball-Abteilung des TSV Lang-Göns feiert 75-jähriges Bestehen. Zeit für einen Blick zurück zu den Anfängen.

Langgöns (imr). Die ehemaligen Nationalspieler Philipp Lahm und Mario Gomez schnürten hier schon ihre Schuhe, und zwar 2003, als sie mit dem VFB Stuttgart II zu Gast waren. Auch andere Fußballgrößen fanden den Weg nach Lang-Göns. In den vergangenen Jahrzehnten fielen hier tausende Tore, bejubelt oder auch verflucht, je nachdem, zu welchem Verein die Zuschauer hielten. Unzählige Erinnerungen und Anekdoten haben sich im Laufe der Zeit bei den Kickern des TSV Lang-Göns angesammelt.

Denn die Fußballabteilung des Vereins besteht bereits seit 75 Jahren. Am kommenden Samstag, 23. April, wird dieser besondere Geburtstag ab 19.47 Uhr mit einem großen Jubiläumsabend im Bürgerhaus Lang-Göns gefeiert. Genau auf die Minute wurde an diesem Tag vor 75 Jahren die Abteilung gegründet.

Die ehemaligen Abteilungsvorstände Wolfgang Weyers und Wolfgang Heußner moderieren den Jubiläumsabend. Im Rahmen der Veranstaltung werden verdiente Fußballer vom Hessischen Fußballverband und vom Landessportbund Hessen geehrt, es wird kleine Talkrunden zum Fußball in Vergangenheit und Zukunft geben, die Festschrift wird präsentiert und es gibt einige weitere Überraschungen.

Der Jubiläumsabend ist der Auftakt der Feierlichkeiten im Jubiläumjahr. Abteilungsleiter Martin Lüdge stellte gemeinsam mit Matthias Janke, dem Leiter Spielbetrieb Senioren, und Hans-Jürgen alias »Jimmy« Naumann, dem ehemaligen Abteilungsleiter und ehemaligen Vizevorsitzenden des Gesamtvereins, die Termine vor und ließ die Vereinsgeschichte Revue passieren.

Höhepunkt wird die viertägige Kirmes vom 14. bis 17. Juli auf dem Festplatz sein. Der Verein hat diese Traditionsveranstaltung nach 14 Jahren Pause wiederbelebt. Die Kirmes startet am Donnerstag, 14. Juli, mit einem Fassbieranstich. An allen Tagen wird es einen Vergnügungspark mit diversen Angeboten wie Kinderkarussell, Autoscooter und dergleichen geben. Am Freitag, 15. Juli, werden die Rodgau Monotones das Festzelt rocken. Einlass ist ab 20 Uhr. Am Samstag, 16. Juli, wird am Vormittag der Kirmespokal für Junioren-Mannschaften auf dem Sportgelände des TSV Lang-Göns ausgetragen, bevor am Nachmittag die Senioren um ihre Kirmespokal-Ehren spielen. Am Abend steigt im Festzelt eine »Mallorca-Party« mit DJ Balineiro.

Zum Abschluss der Kirmes wird es am Sonntag, 17. Juli, ab 10 Uhr einen Gottesdienst im Festzelt geben, ab 11 Uhr laden die Fußballer zum traditionellen Frühschoppen mit den »Original Böhmischen 7« ein.

Martin Lüdge, Matthias Janke und Hans-Jürgen Naumann berichteten aus der Vereinschronik. »Bereits vor etwa 95 Jahren war schon einmal in Lang-Göns ein Fußballklub aktiv: Kurz vor dem Jahreswechsel 1929/30 gründeten junge Burschen unter Federführung von Wilhelm Rudolph und Wilhelm Görlach einen Fußballklub und schlossen sich dem Arbeiter Turn- und Sportbund (ATSB) als Mitglied an.« Dem Club wurde es jedoch von vielen Seiten von Anfang an schwer gemacht, Ende 1933 wurde er dann von den Nationalsozialisten ganz verboten. »Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es dann am 23. April 1947 die ehemaligen ATSB-Spieler wie Willi Bergk, Otto Fuchs, Eugen Naumann, Albert Ruth, Willi Schmidt, Otto Stoffel und weitere, die zur Gründung der heutigen Fußballabteilung entscheidend beitrugen.« Willi Bergk übernahm im Juli 1947 das Amt des Vorsitzenden, das er bis 1970 innehatte. Schriftführer wurde seinerzeit der spätere Bürgermeister Heinz Ulm. Sehr schnell wurde ein geregeltes Training auf dem alten Sportplatz am Rottweg organisiert, die Mannschaft der ersten Stunde formierte sich vorwiegend aus Spielern, die in der fußballlosen Lang-Gönser Zeit bei anderen Vereinen mit Erfolg »gekickt« hatten.

Besonders intensive Jugendarbeit

Der schnelle sportliche Erfolg und die kameradschaftliche Entwicklung brachten der Abteilung bald immer neue Anhänger, Mitglieder und aktive Spieler. Aus diesem Grunde entschloss man sich, schon an den Verbandsspielen des Jahres 1947/48 teilzunehmen. Hier traten jedoch die ersten Schwierigkeiten auf. Es fehlte an Fußballschuhen, Trikots und sonstiger Sportausrüstung, die damals nur durch Beziehungen (Butter, Eier, Speck) beschafft werden konnten. Die erste Mannschaft spielte in diesem ersten Jahr in der C-Klasse und belegte einen guten zweiten Platz hinter dem SV Annerod.

Der Fußballsport begeisterte auch zunehmend die Jugend, doch konnte die neu aufgestellte Schüler- und Jugendmannschaft noch nicht in Erscheinung treten, da weder Spielkleidung noch Fußballschuhe zu beschaffen waren. So blieb es im ersten Jahr bei Freundschaftsspielen in umfunktionierter Straßenkleidung. »Die Jugend hat von Anfang an immer im Vordergrund gestanden, die Jugendarbeit wurde und wird in Lang-Göns großgeschrieben«, betonte Naumann und verriet damit wohl auch das Geheimnis des Erfolgs der Abteilung.

»In den Gründerjahren hat es häufig an der Verfügbarkeit von Bällen oder auch Passbildern gefehlt, das ist heute kaum noch vorstellbar. Zu den Turnieren musste jeder Verein seinen eigenen Ball mitbringen, das war damals oft ein Problem. Heute ist es Standard, dass jeder Spieler einen eigenen Ball zur Verfügung hat«, erinnerte Janke. »In den Nachkriegsjahren musste vieles organisiert werden. Ohne Unterstützung seitens der Gemeinde ging es nicht, der damalige Bürgermeister Heinz Ulm hatte immer eine positive Einstellung, das sieht man ja noch heute an unserer Anlage«, sagte Naumann. Das Sportgelände mit Rasen- und Kunstrasenplatz sowie das Vereinsheim sind Schmuckstücke der Fußballabteilung.

»Eine besonders intensive Jugendarbeit ist bei den drei größten sportlichen Erfolgen unserer Abteilung immer vorausgegangen«, erläuterte Lüdge.

Diese drei Höhepunkte waren aus seiner Sicht 1965 der Aufstieg in die Bezirksliga nach dem Aufstieg in die A-Klasse 1959, 1996 der Aufstieg in die Bezirksoberliga nach dem Aufstieg in die Bezirksliga 1992 und 2020 der Aufstieg in die Gruppenliga nach dem Aufstieg in die Kreisoberliga 2017. Das Konzept des Vereins, Spieler aus der eigenen Jugend aufzubauen und möglichst lange zu behalten, soll auch zukünftig beibehalten werden. In jüngster Nach-Corona-Zeit freuen sich die Fußballer über einen enormen Zulauf im Jugendbereich.

»Mit diesem positiven Effekt schwimmen wir ein bisschen gegen den Trend«, erklärte Naumann. 510 Mitglieder zählt die Abteilung aktuell, »wir können drei Elfermannschaften stellen, darauf sind wir stolz«. Die Senioren nehmen mit drei Mannschaften am Spielbetrieb teil, die Erste in der Gruppenliga, die Zweite in der A-Liga und die Dritte in der Reserverunde. Für den TSV nehmen 180 Kinder und Jugendliche in zwölf Jugendmannschaften am Spielbetrieb teil.

Was unternimmt der Verein, um die Jugend für Fußball zu begeistern? »Der soziale Faktor ist ein ganz wichtiger Bestandteil«, ist Lüdge überzeugt. Nicht nur Training und Spiel, auch Angebote wie zum Beispiel Zeltlager, Turniere, Fahrten zu Bundesligaspielen oder Fußball- und Torwartschulen gibt es regelmäßig. Hier leistet der Förderverein Jugendfußball im TSV finanzielle Unterstützung. »Dabei entstehen Freundschaften unter den Kindern, die auch länger halten und über die Ortsgrenzen hinausgehen.«

Fußballerinnen gesucht

Seit den 1970er Jahren gibt es eine Frauenmannschaft, die zwischenzeitlich auch höherklassig gespielt hat. Aktuell werden Fußballerinnen gesucht, um den Spielbetrieb für die neue Runde wieder aufnehmen zu können.

Ein großer Dank der drei Fußballer geht an die vielen engagierten Ehrenamtlichen aus der Abteilung, die bei besonderen Einsätzen wie dem Bau des Kunstrasenplatzes und der Sanierung des Vereinsheims, aber auch bei kulturellen Veranstaltungen wie der geplanten Kirmes, bei früheren Konzerten der »Drei Stimmen« oder »Rock beim Weil« tatkräftig geholfen haben. »Wir können aus einem großen ehrenamtlichen Reservoir schöpfen und konnten damit immer wieder auch außersportliche Eckpunkte setzen«, unterstreichen die Fußballer. An einer knapp 500-seitigen Chronik arbeitet Matthias Janke. Sie kann ab dem Jubiläumsabend bestellt und wird im Sommer abgeschlossen werden.

»Wir sind für alle offen, jeder der hier spielen will, ist gerne gesehen«, bilanzierte Naumann.

Vorverkaufsstellen für die Rodgau Monotones sind Beppler am Bahnhof, Bismarckstraße 1, Blumenstube Rzehak, Am Mühlberg 4 und Haus- und Gartenmarkt Weil, Hinter dem Brauhaus 3. Die Karten kosten im Vorverkauf 20 Euro.

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Aus den 60er Jahren stammt diese Spielszene. Repro: Rieger © Imme Rieger

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