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Bodenschätzung im Kleebachtal

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Bodenschätzer Volker Herche (vorne) erläutert den Teilnehmern des Treffens eines der Bodenprofile. © Rieger

Langgöns (imr). Welchen Wert haben Böden? Die Antwort auf diese Frage ist bei einer geplanten Flurbereinigung, bei der verschiedene Flächen zwischen den Besitzern unter behördlicher Regie neu geordnet und getauscht werden sollen, von höchster Bedeutung. Um Böden genau bewerten zu können, gibt es die Bodenschätzung. Sie ist im Bereich des »Mittleren Kleebachtals« mit Schwerpunkt in Teilen der Gemarkung Oberkleen und Ebersgöns auf einer Fläche von 4,1 Hektar gerade im vollen Gange.

Die Wertermittlung der Böden auf den Flächen ist erforderlich, um bei der nachfolgenden Flurbereinigung eine »wertgleiche Abfindung« zu gewährleisten. Die Flurbereinigung hat neben der allgemeinen Flächenzusammenlegung noch ein weiteres wichtiges Ziel: Die Gewässer sollen in einen guten ökologischen Zustand gesetzt werden, unter anderem durch die Anlage von naturnahen Bachläufen. Damit sollen die gesetzlichen Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie erfüllt werden. Dafür müssen entsprechende Flächen von der öffentlichen Hand angekauft werden.

»Wir möchten nicht nur Flächen am Gewässerrand kaufen, um auf einen Uferrandstreifen von zehn Metern zu kommen, auch die Eigentümer untereinander sollen ihre Flächen optimieren. Wir möchten weiterhin Land ankaufen, bisher haben wir fast die Hälfte erreicht, das meiste in der Gemarkung Oberkleen«, betonte Susanne Trautwein-Keller, Fachbereichsleiterin Ländliches Bodenmanagement beim Amt für Bodenmanagement Marburg. Sie ist Verfahrensleiterin für das Flurbereinigungsprojekt »Mittleres Kleebachtal«.

Ins Gelände

Im Rahmen eines Treffens, an dem neben Behördenvertretern und dem Langgönser Bürgermeister Marius Reusch auch einige Vorstandsmitglieder der Teilnehmergemeinschaft, die die Interessen zahlreicher betroffener Grundbesitzer vertritt, teilnahmen, wurden Vorträge unter anderem zur Wertermittlung und deren rechtlichen Grundlagen gehalten. Anschließend ging es ins Gelände, wo der Gruppe einige Bodenprofile beispielhaft erläutert wurden. »Mitarbeiter des Finanzamtes Friedberg führen diese Arbeiten aus. Sie sind Grundlage für die Bewertung«, erläuterte Susanne Trautwein-Keller. Oberster Grundsatz sei die wertgleiche Abfindung.

Denn in der Flurbereinigung wird nicht Fläche gegen Fläche oder Grundstück gegen Grundstück getauscht, sondern jeder Grundstückseigentümer wird mit Land von gleichem Wert abgefunden. Dabei sei die Wertermittlung die Vorbereitung und Sicherung einer wertgleichen Abfindung. Um die Teilnehmer mit Land vom gleichen Wert abfinden zu können, ist zunächst der Wert der alten Grundstücke zu ermitteln. Hierbei kommt ein Punktesystem zum Einsatz.

Die aktuelle Bodenschätzung basiert auf den bodenkundlichen Erkenntnissen der Zwanziger- und Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. »Sie gibt auch aus heutiger Sicht die Ertragsfähigkeit der Böden sehr gut wieder«, weiß Volker Herche. Er ist amtlicher landwirtschaftlicher Bodenschätzer beim Finanzamt. Die hessischen Finanzämter haben über das ganze Land verteilt Fachpersonal, das in Kooperation mit den Ämtern für Bodenmanagement diese Erhebungen professionell durchführt.

Anhand mehrerer ausgehobener Bodenprofile stellte der Bodenschätzer den Teilnehmern beispielhaft die Entstehung der Böden und deren Wert vor. Im Verfahrensgebiet gibt es vorwiegend Auenböden und Parabraunerden. Ein sehr wichtiger Faktor ist die Eigenschaft des Bodens, wie viel pflanzenverfügbares Wasser er speichern kann. So beläuft sich beispielsweise die Speicherfähigkeit eines Bodens, der mit der Kennziffer 30 bewertet wurde, auf 500 000 Liter pro Hektar, ein Boden mit der Kennziffer 80 kann zwei Millionen Liter Wasser pro Hektar speichern. Der Experte zeigte den interessierten Gästen bei einem Profil beispielsweise auch, dass im Rahmen der Bodenentwicklung zweimal Moore entstanden, die dann später wieder von anderen Schichten überlagert wurden.

Von diesem speziellen Fachwissen zeigten sich auch die anwesenden Vorstandsmitglieder der Teilnehmergemeinschaft, Dirk Nagel, Christian Schütz und Florian Eisenhardt, überrascht: »So etwas habe ich noch nie gesehen.« Im Bereich Ebersgöns wurden überwiegend sehr gute Böden festgestellt, bei denen die Pflanzen bis in eine Tiefe von anderthalb Metern wurzeln können.

Wertigkeit

Die Bewertung erfolgt anhand offizieller Vergleichsgruben, anschließend werden sie wieder zugeschüttet. Bohrungen gleicher Wertigkeit werden zu Bodenklassen zusammengefasst. Für jede Bodenklasse wird mindestens ein Grabloch detailliert beschrieben und erfasst. Die Ergebnisse können im Bodenviewer (geoportal.hessen.de) eingesehen werden. Susanne Trautwein-Keller unterstrich: »Der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft muss der Bewertung zustimmen. Wenn jemand die Auffassung vertritt, nicht wertgleich abgefunden worden zu sein, kann er Widerspruch gegen diese Wertermittlung einlegen und das auch vor Gericht bringen.« Bei der Flurbereinigung könnten die Eigentümer auch Wünsche äußern, die von den Bodenordnern nach Möglichkeit erfüllt würden.

Die Grabungsarbeiten werden planmäßig noch bis Ende April andauern. Wer sein Land im Verfahrensgebiet jetzt noch verkaufen möchte, kann sich direkt an das Amt für Bodenmanagement Marburg wenden.

Weitere Informationen geben Susanne Trautwein-Keller (Verfahrensleitung), Tel.: 06421 3873 3234, E-Mail: Susanne-Trautwein-Keller@hvbg.hessen.de oder Christoph Parsch (Bodenordnung), Tel.: 06421 3873 3212, E-Mail: Christoph.Parsch@hvbg.hessen.de.

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