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Ein echtes Erfolgsrezept

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Von: Imme Rieger

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Volles Haus beim fünfjährigen Bestehen des Mittagstischs der Gemeinde Langgöns. Martin Hanika erfreute das Publikum mit schönen Akkordeonweisen und -liedern. Foto: Rieger © Rieger

Im Dorfgemeinschaftshaus Oberkleen wurde der fünfte Geburtstag des Ehrenamtsprojektes der Gemeinde gefeiert.

Langgöns (imr). Vor fünf Jahren startete der Mittagstisch für Senioren, ein Ehrenamtsprojekt der Gemeinde Langgöns, im Dorfgemeinschaftshaus in Oberkleen. Genau dort wurde nun dieser kleine Geburtstag im Rahmen des Mittagstisches bei Rinderrouladen mit Klößen und Rotkraut gewürdigt. Bei der Premiere hatte es damals Tafelspitz mit Meerrettichsauce, Wirsing und Kartoffeln gegeben.

Organisator Günter Stöhr hatte mit Elke Böckler, der damaligen Seniorenberaterin der Gemeinde, dem früheren Sprecher des Seniorenbeirats Hans Ulrich Theiss, Altbürgermeister Horst Röhrig und Anja Asmussen, die seinerzeit für den Mittagstisch im Rahmen des Projekts »Selbst.Ständig! leben in Langgöns« verantwortlich zeichnete, einige Akteure der ersten Stunde eingeladen. Er begrüßte außerdem Bürgermeister Marius Reusch und Rudolf Seitz, den aktuellen Sprecher des Seniorenbeirats. Mit Sekt wurde auf das Erfolgsprojekt, das inzwischen in allen Langgönser Ortsteilen einmal monatlich angeboten wird, angestoßen.

»Es schmeckt doch viel besser, wenn die Senioren in einer netten Runde mit angenehmen Gesprächen und unterschiedlichen abwechselnden Köstlichkeiten diesen Mittag gemeinsam genießen können, anstatt allein Zuhause zu sitzen«, fasst Elke Böckler die Idee von damals zusammen. Es sei wichtig, dass die Senioren möglichst lange in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung bleiben können und ein selbstbestimmtes Leben führen. »Das Wichtigste ist, dass es gemeinsam statt einsam ist.«

Anfangs habe es durchaus Skeptiker gegeben, die solch einen Treff für überflüssig hielten. Doch das änderte sich bald. Essen zu moderaten Preisen - von sieben bis zwölf Euro reicht die Spanne - gibt es sicherlich auch vom Lieferdienst. Doch die Gesellschaft bekommen die Senioren dort nicht.

Rund 80 Gäste

Seit dem ersten Treffen hat sich die Besucherzahl nahezu verdoppelt, um die 80 Mittagsgäste kommen mittlerweile im Schnitt nach Oberkleen. Gerade die Corona-Pause habe, so berichtete Stöhr, für einen wahren Andrang gesorgt: »Anderthalb Jahre lang konnten die Leute ja kaum rausgehen und reden. Das holen sie jetzt nach«. Es gibt auch sehr viele Stammgäste. »Die Leute kommen und wollen schauen, wie es ist. Danach werden sie regelmäßige Besucher. Das zeigt auch, dass wir hier vieles richtig machen.«

Nicht nur das Essen ist den Besuchern wichtig, auch die Tischgespräche, die sich um Gott und die Welt drehen, das ist an diesem Mittag deutlich zu hören. Nach dem Essen gibt es immer noch Kaffee und selbst gebackene Kuchen, manchmal auch ein kleines Rahmenprogramm wie beispielsweise die sehr beliebte Modenschau eines Textilhauses aus Hüttenberg. Zu solchen Terminen kommen immer besonders viele Senioren. An diesem Nachmittag gab es auch ein kleines Sahnehäubchen in Form einer musikalischen Überraschung: Martin Hanika unterhielt die Besucher nach dem Essen mit seinem Akkordeon. Er spielte ein paar alte Turnhallenschlager wie »Ach Schorsch, hättste net geheirat, wärste noch en Borsch«, das bewährte »Gell, Du host mich gelle gern, gelle ich Dich aach«, das »Heideröslein« oder im oberhessischen Dialekt »Hauer gieh merr werr goar naut mieh hoam«. Das fühlte sich dann fast »wie froier« an, sehr zur Freude der Besucher. Auf besonderen Wunsch erklangen nach dem Kaffee noch Egerländer Melodien. So wurde es ein sehr kurzweiliger Nachmittag.

Das Mittagstisch-Angebot entwickelte sich seit seinem Start schnell zu einem wahren Erfolgsrezept. Den Mittagstisch gibt es mittlerweile in allen Langgönser Ortsteilen, das jeweilige Menü wird im Gemeindeblättchen und auf der Internetseite der Kommune frühzeitig veröffentlicht. Ausdrücklich erwünscht sind auch Besucher aus den Nachbarorten. Das Angebot richtet sich inzwischen auch nicht mehr ausschließlich an Senioren: Bei der Anmeldung sind interessierte Besucher aller Altersklassen gerne gesehen.

Einen Wermutstropfen hatte der Geburtstags-Mittagstisch für Günter Stöhr: Aus gesundheitlichen Gründen muss er zukünftig kürzertreten. »Das war eine schwere Entscheidung, aber es geht leider nicht anders«, sagte Stöhr. Seine Mitorganisatorin Renate Homrighausen wird die Planung jedoch weiterführen

. Foto: Rieger

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Günter Stöhr © Imme Rieger

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