1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Langgöns

Genaue Maßnahmenpläne

Erstellt:

Von: Imme Rieger

Langgöns (imr). Seit vielen Jahren wird das Kleebachtal, mit großen Schäden insbesondere in Niederkleen und Dornholzhausen, immer wieder von Starkregen und Hochwasser heimgesucht, die Tendenz ist steigend. Seit den heftigen Flut- und Schlammlawinenereignissen von 2020 beschäftigen sich die Gemeindegremien recht intensiv mit diesem Thema. In der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses, der unter Vorsitz von Eva Oberschelp (Grüne) tagte, wurde nun das Handlungskonzept zum Starkregenrisikomanagement in der Gemeinde vorgestellt.

Risikobereiche herausgearbeitet

»Wir stehen am Ende des Analyseprozesses, der etwa ein Jahr gedauert hat und haben nun ein sehr zielgerichtetes Handlungskonzept für die nächsten Jahre«, führte Bürgermeister Marius Reusch (CDU) ins Thema ein. Konkrete Probleme und Risikobereiche seien herausgearbeitet worden und es gebe genaue Maßnahmenpläne. Ziel ist die Vermeidung und Minderung von Schäden infolge von Überschwemmungsereignissen.

Das Konzept wird als Klimaanpassungsmaßnahme zu 100 Prozent vom Land gefördert. Susanne Müller, die Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Langgöns, hatte es für Langgöns als erste Kommune im Südkreis beantragt, möchte aber zukünftig insbesondere mit den Nachbarkommunen Butzbach und Hüttenberg kooperieren, beispielsweise bei der Einrichtung von Messstellen. Am Ende der Vorstellung empfahlen die Ausschussmitglieder das Handlungskonzept zum Starkregenrisikomanagement der Firma Geomer einstimmig und grundsätzlich der Gemeindevertretung.

Der Maßnahmenplan soll mit vorgeschalteter Priorisierung umgesetzt werden, um die Projekte dann Stück für Stück zu realisieren. Als begleitende Maßnahme, die noch in diesem Jahr umgesetzt werden soll, beschloss das Gremium ebenfalls einstimmig, für die stark hochwassergefährdete Ortslage in Niederkleen mobile Hochwassersperren anzuschaffen. Gemeindebrandinspektor (GBI) Thomas H. Heckrodt stellte das System vor, das ähnlich einer wassergefüllten Wand funktioniert.

»Es würde die Feuerwehren sehr entlasten, auch personell, darüber hinaus könnten unsere Sandsäcke an einer anderen Stelle eingesetzt werden«, sagte er. Für die Bennergasse und den Bereich am Backhaus sollen jeweils sieben Meter lange Sperren, für den Bereich in der Kreuzgasse eine mit zehn bis zwölf Meter Länge angeschafft werden. Sie sind miteinander kombinierbar und kosten insgesamt knapp 60 000 Euro. 80 000 Euro sollen dafür aus den Haushaltsmitteln 2022 sofort bereitgestellt werden. »Es wäre eine ganz gute Ergänzung, um kurzfristig handlungsfähig zu sein«, warb auch der Rathauschef. Am 14. November soll eine Bürgerversammlung die Bevölkerung über das Handlungskonzept informieren, Uhrzeit und Ort werden noch bekannt gegeben.

Zuvor hatte Kerstin Büche von der Firma Geomer aus Heidelberg das Handlungskonzept und den Maßnahmenkatalog der Untersuchung präsentiert. Alle in den Kleebach entwässernden Flächen wurden dabei einberechnet, das sind insgesamt 75 Quadratkilometer, 50 davon liegen auf Langgönser Gebiet.

Die gute Nachricht zuerst: Das Pflegeheim der Schottener Sozialen Dienste und das Sozialzentrum »Heinz-Ulm-Haus« im Ortsteil Lang-Göns sind nicht gefährdet. Das betonte der Bürgermeister. Fünf Risikoobjekte, alle in kommunaler Hand, wurden ausgemacht: Es sind die Grundschule in Oberkleen, das Feuerwehrgebäude in Oberkleen und die benachbarte Kita, die Feuerwehrgebäude in Dornholzhausen und in Lang-Göns sowie das Bürgerhaus Cleeberg. Hier gab es bereits Begehungen, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

So sollen unter anderem Wassermelder in den Kellern platziert und Serverräume ins Obergeschoss verlegt werden. Zahlreiche Risikobereiche wurden festgestellt, darunter sind viele wie die Ortslage Niederkleen, das Strauchbachgebiet in Dornholzhausen oder die Schillerstraße in Lang-Göns bereits bekannt. Auch die Aulbachstraße in Cleeberg, die eine starke Steigung aufweist, haben die Planer verzeichnet.

Die Cleeberger Ortsvorsteherin Heidi Tonhäuser (SPD), die dort wohnt, wunderte sich: Sie habe noch nie eine Überschwemmung erlebt. Der GBI entwarf ein Szenario: »Wenn in der Aulbachstraße ein Stark- regen kommt und das Wasser 20 Meter hoch steht, dann schwimmen die Autos die Straße runter.« Renate Gath (Grüne) kritisierte, dass die am Kleebach gelegene Mühle in Dornholzhausen, die regelmäßig überschwemmt wird, nicht aufgeführt wird. Büche erklärte, dass der Fokus auf Starkregen gelegt wurde und nicht alle Überschwemmungsgebiete als Risiko definiert wurden, dafür gebe es Hochwassergefahrenkarten.

Benjeshecke als Erdrutschschutz

Der Bürgermeister konstatierte, dass dieses Gebäude baulich nicht geschützt werden könne und schlug vor, das Wasser zukünftig so durchzuleiten, dass die Mühle so wenig wie möglich geschädigt wird. Dr. Michael Buss (Grüne) stimmte zu: »Die Eigentümer wissen, dass sie in einer Mühle am Bach leben, Hochwasser ist hier nicht vermeidbar.« Unauffällig sieht die Fläche oberhalb der Schulstraße aus, von der aus 2020 gleich zweimal Schlammlawinen ein Wohnhaus verwüsteten. Hier soll zur Abhilfe ein mindestens zehn Meter breiter Grünstreifen und zudem eine sogenannte Benjeshecke angelegt werden, um Erdrutsche zu verhindern. Solche Hecken bestehen aus Ästen und Zweigen, die sich im Laufe der Zeit selbst begrünen. Sie kann schnell und kostengünstig errichtet werden, es gebe damit »gute Erfahrungen«, so Büche.

In der Ortslage in Niederkleen sollte laut Planerin die Vegetation im Bachbett kurzgehalten und durch einen regelmäßigen Aushub der Sedimentation der Abflussquerschnitt konstant erhalten werden. »Der Schutz der Menschen muss Vorrang vor dem Naturschutz haben«, spielte Büche auf den seit Jahren existierenden Konflikt der Gemeinde mit den Naturschutzbehörden an, die geplante Mähmaßnahmen entlang des Kleebachs in Niederkleen immer wieder verzögerten.

Ein »Schlammfangbecken« bereits vor der Ortslage könnte einen Teil der mitgeführten Bodenfracht aufhalten, schlug Büche vor. Weitere Maßnahmen sind unter anderem Retentionsbecken und Renaturierungen sowie landwirtschaftliche Vorkehrungen wie Erosionsschutzstreifen. Der gesamte Abschnitt des Kleebachs zwischen Espa und Cleeberg, Cleeberg und Oberkleen sowie Oberkleen und Niederkleen gilt als Risikobereich.

Auch interessant