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Gesamtkonzept entwickeln

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Das Trinkwasser im Bereich des Brunnens »Seegrund II« (im Hintergrund, l.) war belastet, inzwischen ist es wieder sauber. © Rieger

Die gesamte Wasserversorgung in Langgöns soll durch Fachleute verschiedener Disziplinen untersucht werden. Außerdem hat die Gemeinde eine Hygienespezialistin hinzugezogen.

Langgöns (imr). Das Trinkwasser in Cleeberg musste aufgrund einer Grenzwertüberschreitung mit Enterokokken-Keinem, das sind Darmbakterien, die beim Menschen Infektionen auslösen können, vom 19. Februar bis Anfang März abgekocht werden. Der Langgöner Bürgermeister Marius Reusch und Mike Schmidt, der Technische Betriebsleiter der Gemeindewerke Langgöns, informierten die Öffentlichkeit auch im Rahmen einer Pressekonferenz (der Anzeiger berichtete).

Schon 2003 hatte es einen ähnlichen Störfall im Cleeberger Seegrund gegeben, seitdem wird das dort gewonnene Wasser unter anderem mit UV und einer Chlordosierungsanlage im Fall einer Verkeimung aufbereitet. Um zukünftig Störungen dieser Art zu vermeiden, hat die Gemeinde folgende Maßnahmen geplant: Die gesamte Wasserversorgung in Langgöns soll durch Fachleute verschiedener Disziplinen untersucht werden. Förderanlagen, Aufbereitungsanlagen, die Speicherung und das Netz sollen betrachtet werden. »Hierzu haben wir uns eine Hygienespezialistin für Trinkwasser an die Seite geholt«, sagte der Bürgermeister. Aus den Ergebnissen der Untersuchungen soll ein Gesamtkonzept zur nachhaltigen Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in Langgöns entwickelt werden. Dabei werden die Klimaänderungen, die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung und Ansiedelung von Unternehmen im Versorgungsgebiet sowie umwelttechnische Aspekte mitberücksichtigt. Aus dem Konzept sollen erforderliche Investitionen, abhängig von der Dringlichkeit, über 15 bis 20 Jahre abgebildet und so eine Planungssicherheit ermöglicht werden. »Das Ziel ist eine sichere, nachhaltige und zukunftsfähige Wasserversorgung«, betonte Reusch. Er wünscht sich für Cleeberg auch einen Anschluss an den ZMW: »Uns macht in Cleeberg die Eigenständigkeit im Netz Bauchschmerzen, und wir würden das gerne abgeben. Es wäre wunderbar, auf solche Störereignisse reagieren zu können, indem wir einfach das lokale Netz abschalten und die Wasserversorgung durch den ZMW übernehmen.«

Nichtsdestotrotz hätten die Brunnen vor Ort einen hohen Wert. So plädiert der Bürgermeister auch dafür, grundsätzlich kleine Brunnen wieder zu reaktivieren und nennt als ein Beispiel den Brunnen im Bereich des Paul-Schneider-Freizeitheims in Dornholzhausen. »Auch kleine Brunnen sollten technisch wieder aufbereitet werden, um dem durch den Klimawandel prognostizierten Wassermangel vorzubeugen«, wünschte sich Marius Reusch.

Mike Schmidt informierte auch über den vorgegebenen Rhythmus der Trinkwasseruntersuchung: Es gibt zwei »große« Untersuchungen, inklusive aller Rohwasserwerte und technischen Parameter, die zum Jahresanfang und Mitte des Jahres durchgeführt werden. Eine dieser Untersuchungen wird dann auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht, meist ist es der erste Testbericht des Jahres.

Im weiteren Fortgang sind dann zusätzlich zwei »kleine« Netzproben angesetzt. Zu allen Beprobungen werden relevante mikrobiologische Parameter abgefragt und untersucht. Somit erfolgt in jedem Quartal des Jahres eine Untersuchung des Trinkwassers.

Alle weiteren Beprobungen erfolgen nach Auffälligkeit, besonderen Ereignissen oder nach Wetterlagen, die Einfluss auf die Gewinnungsanlagen haben.

Wurde eine Verunreinigung festgestellt, wie jetzt geschehen, wird in den darauffolgenden Wochen verstärkt geprobt, anfangs im monatlichen Rhythmus. Gibt es drei Monate lang keine Auffälligkeiten, greift wieder der normale Rhythmus.

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