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Hilfe zur Selbsthilfe

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Von: Imme Rieger

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Beim Vortragsabend über die Tandia-Projekte überreichte Marius Reusch Geschenke an Joyce Shangai, Regina Meißner (l.) freute sich. Fotos: Rieger © Rieger

Seit 2015 gibt es den Langgönser Verein »Tandia - Förderung von Gesundheit und Bildung in Tansania«, und er hat in dieser kurzen Zeit sehr Beachtliches geleistet.

Langgöns (imr). Seit 2015 gibt es den Langgönser Verein »Tandia - Förderung von Gesundheit und Bildung in Tansania«, und er hat in dieser kurzen Zeit sehr Beachtliches geleistet. Die Vereinsinitiatorin und 1. Vorsitzende Regina Meißner ist Krankenschwester, hat als Gesundheitswissenschaftlerin in Asien und Afrika gearbeitet und war als Entwicklungshelferin in Afrika tätig.

Der Verein engagiert sich im Distrikt Monduli im Nordosten des ostafrikanischen Landes, um die Partnerinitiativen vor Ort zu unterstützen, die Gesundheitsversorgung für Schwangere, Mütter und Kinder zu verbessern und gleichzeitig die Seuchenvorsorge zu stärken. Neben den Gesundheitsprojekten geht es auch um die Versorgung mit frischem Trinkwasser, Bildung und Kinderpatenschaften.

Um die Projekte vorzustellen, hatte Regina Meißner zu einem Vortragsabend ins Bürgerhaus Lang-Göns eingeladen. Dabei nahm sie das Publikum in ihrem bilderreichen Referat mit nach Selela, einem kleinen Massai-Dorf, wo der Verein zuletzt erfolgreich Hilfe zur Selbsthilfe geleistet hat und eine Gesundheitsstation ausgebaut wurde. »Dort sind Mütter und Kinder die Hauptklientel, früher gab es einen einzigen Raum für alle möglichen Behandlungen, Tandia hat eine neue Entbindungsstation gebaut und die Gesundheitsstation renoviert, alles in Handarbeit und ohne Maschinen.« Der Neubau und das sanierte Gebäude wurden 2021 mit einem Fest, bei dem gemeinsam gesungen, getanzt und gegessen wurde, eingeweiht.

Eine besondere Freude war es für Regina Meißner, mit Joyce Shangai eine lokale Mitarbeiterin von Tandia begrüßen zu können, die zum ersten Mal Deutschland besuchte. Sie ist in der Patientenversorgung tätig und für Tandia Ansprechpartnerin, vor allem für Workshops.

Auch der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch, selbst bekennender Afrika-Fan und Vereinsmitglied, begrüßte den weitgereisten Gast herzlich und überreichte kleine Geschenke.

»Tansania ist eines der schönsten, aber auch immer noch eines der ärmsten Länder Afrikas. Für viele Menschen gehören der Zugang zu sauberem Wasser, Hygiene, Schulbildung und Gesundheitsversorgung zu den größten Problemen«, berichtete die Referentin. Die Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit ist hoch, die medizinische Versorgung schlecht. Seit seiner Gründung hat der junge, aktive Verein gemeinsam mit den lokalen Mitarbeitern beeindruckend viel erreicht: So wurden unter anderem drei Gesundheitsstationen ausgebaut, ein Entbindungshaus neu errichtet, ein Laborraum renoviert und mit Geräten ausgestattet, drei Verbrennungsöfen für medizinische Abfälle gebaut, zehn Toiletten und Sickergruben gebaut und neun Wassertanks installiert.

Stolz auf Brunnenbohrung

Besonders stolz ist man auf eine Brunnenbohrung, die Nutzen für rund 5000 Menschen und 1000 Schulkinder bringt. Außerdem wurden 300 Gesundheitsmitarbeiter in Seuchenvorsorge und Infektionsprävention fortgebildet, Schutzkleidung und diverses anderes Material im Wert von 20.000 Euro angeschafft. Ein neues Ultraschallgerät wurde für das Krankenhaus in Monduli gekauft und fünf Wochen lang wurde eine Sonografie-Intensivschulung für sieben Mitarbeiter durchgeführt. »Das Gerät war noch nicht ganz installiert, da standen die schwangeren Frauen schon vor der Gesundheitsstation Schlange«, erzählte Meißner. Denn es gibt nur wenige solcher Geräte in Tansania. Des Weiteren wird eine Massai-Frauen-Kooperative in Makuyuni unterstützt, was Vorteile für 20 Frauen und ihre Familien bringt. Sie basteln Schmuckstücke und Souvenirs aus bunten Perlen, die sie an Touristen verkaufen und sich damit ein bescheidenes Zubrot verdienen. Tandia kauft regelmäßig bei dieser Frauenkooperative »Bead by Bead« den Perlenschmuck ein. Von einem Teil des Erlöses können die Frauen für sich und ihre Familien eine lokale Krankenversicherung bezahlen. Auch am Vortragsabend gab es eine Auswahl bunter Laptophüllen, Kosmetiktaschen, Weihnachtsschmuck etc. zu betrachten und zu kaufen.

»Mit unseren Patenschaften, einige Paten sehe ich hier im Publikum, unterstützt der Verein 29 Kinder, darunter zwei behinderte Mädchen, und ihre Familien«, freute sich die Vorsitzende.

Auch zwei Freiwillige konnte der Verein in die Grundschule und Vorschule in Makuyuni vermitteln, einer davon, der 28-jährige Pascal Wadakur, berichtete über die dreieinhalb Monate, die er 2021 in einer kirchlichen Vorschule verbrachte. Etwa 70 Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren werden dort unterrichtet. Der junge Mann, der den Bachelor in Kindheitspädagogik besitzt, musste zunächst einen Sprach-Crashkurs in Suaheli machen, denn die Kinder verstehen kein Englisch. Unter anderem unterstützte er im Schulalltag und führte kleine Projekte durch. Aus Deutschland hatte er Wasserfarben und ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel mitgebracht, während seiner Zeit baute er auf dem Außengelände einen bunten Reifenkreisel, einen Sandkasten, einen Fußballkäfig und organisierte die Anschaffung eines Schaukel-Rutsche-Sets. Mit privaten Spenden konnte er zum Ende seines Aufenthalts mit den Kindern, Lehrkräften und Kirchenvertretern eine Tagesexkursion in einen nahegelegenen Nationalpark machen, was bei allen sehr gut ankam und ein besonderes Erlebnis war.

Anschließend berichtete Wasserbauingenieur Christoph Scholz von dem Brunnenbauprojekt in Makuyuni, das etwa 30 000 Euro gekostet hat, ein weiteres ist in Vorbereitung.

Regina Meißner und Joyce Shangai dankten allen Unterstützern. Während ihres zehntägigen Aufenthalts wird die Besucherin mit Regina Meißner auch nach Berlin fahren, wo sie an einem internationalen Kongress von Klinikpartnerschaften, der erstmalig stattfindet, teilnehmen. Tandia hat aktuell 70 Mitglieder und finanziert sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, die bis auf geringe Werbeausgaben, wie das Drucken von Flyern, vollständig in die Projekte in Tansania fließen.

Mehr Informationen im Internet unter www.tandia.de

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Perlen-Weihnachtsschmuck der Initiative »Bead by Bead«, die von Tandia unterstützt wird. © Imme Rieger

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