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Kindergrabstein entwendet

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Ulrike Degenhardt zeigt auf die Stelle, wo ursprünglich der gestohlene Kindergrabstein stand. Er war ein ganz besonderes Schmuckstück. Fotos: Rieger © Rieger

Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin Ulrike Degenhardt kann es nicht fassen, dass einer ihrer am aufwendigsten gestalteten Grabsteine von ihrem kleinen Ausstellungsgelände gestohlen wurde.

Langgöns (imr). »Etwas zu klauen ist schon unanständig, aber einen Kindergrabstein zu klauen ist ganz besonders gemein«, findet Ulrike Degenhardt. Die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin kann es immer noch nicht fassen, dass einer ihrer am aufwendigsten gestalteten Grabsteine von ihrem kleinen Ausstellungsgelände an der Holzheimer Straße 87, das der dort ansässigen Natursteinfirma angegliedert ist, gestohlen wurde. Am 2. Juni hat sie den Diebstahl entdeckt und sofort bei der Polizei angezeigt. Der Stein ist ein auffälliges Unikat.

»Ich habe mich fast zu Tode geärgert und möchte deshalb diesen besonders dreisten Diebstahl auch öffentlich machen«, sagt die Büdingerin, die schon mehr als 30 Jahren in ihrem Beruf arbeitet und seit 2019 ihre Werkstatt etwas versteckt im Hof auf dem Gelände der Natursteinfirma eingerichtet hat. So einen unverschämten Diebstahl hat sie noch nicht erlebt. Im vergangenen Jahr wurden ihr von dem Ausstellungsgelände, das direkt an der Holzheimer Straße liegt, schon ein paar Solarspots gestohlen, ihre kunstvollen Steine passten damals wohl nicht ins Beuteschema der Diebe. »Am Donnerstag vor Pfingsten habe ich den Diebstahl des Kindergrabsteins bemerkt. Allerdings kann ich nicht sagen, wann genau er geklaut wurde, weil ich nicht täglich dort nachschaue, er kann also auch schon früher weggekommen sein. Ende März war er auf alle Fälle noch da«, erzählt Ulrike Degenhardt.

Zwei Wochen Arbeit investiert

Sie hatte etwa zwei Wochen Arbeit in den Grabstein investiert, der ungefähr die Maße 50 × 60 cm hat. Es ist ein rötlicher Sandstein, der einen Regenbogen und eine Wolke symbolisieren soll und in den ein Herz aus hellem Kalkstein integriert ist. Die Steinbildhauermeisterin hat ihn aufwendig mit einem großen Schmetterling und Sternchen, die sich im Wind bewegen, gestaltet. »Ich mache keine Massenware, selbst die Fühlerenden beim Schmetterling sind aus Stein gefertigt«, betont die Künstlerin. Sie hat die Nachricht über den gestohlenen Grabstein auch auf Facebook verbreitet, »dort herrschte große Empörung«, erzählt sie und hofft, dass über die breite Streuung in den Medien der Stein vielleicht wiedererkannt wird und so der Diebstahl aufgeklärt werden kann.

»Wer ihn beispielsweise tatsächlich für ein Grab nutzen möchte, muss dies vorher vom Friedhofsamt genehmigen lassen. Dazu sind auch Skizzen abzugeben. Es wäre ziemlich blöd von den Dieben, dies zu tun«, mutmaßt die Steinmetzin. Möglich wäre es auch, dass der Stein im Internet verkauft wird, ohne dass ein interessierter Käufer weiß, dass er gestohlen wurde. »Ich würde ihn sofort wiedererkennen«, ist sich die Schöpferin des kleinen Kunstwerks ganz sicher.

Die Polizei habe ihr geraten, eine Überwachungskamera anzubringen, um damit zukünftig potenzielle Diebe abzuschrecken beziehungsweise nach der Tat identifizieren zu können. »Es wundert mich auch, dass keine kleineren Steine vom Ausstellungsgelände mitgenommen wurden, die sind ja viel leichter.« Sie selbst musste den schweren Kindergrabstein mit einer Sackkarre zum Ausstellungsgelände transportieren. »Ich glaube, dass die Diebe vorher das Gelände von der Straße aus ausgekundschaftet haben, sie sind bestimmt öfters schon vorbeigefahren«, vermutet sie.

Individuell gestaltet

»Wissen Sie, ich bin Einzelkämpferin und beiße mich hier durch, und dann werde ich auch noch beklaut«, bilanziert Degenhardt, und man merkt ihr auch jetzt noch an, dass sie den dreisten Diebstahl immer noch gar nicht so richtig fassen kann. »Im Moment traue ich mich gar nicht mehr, meine Sachen nach vorne zu stellen«, bekennt die Steinbildhauermeisterin. In ihrer Werkstatt fertigt sie neben individuell gestalteten Grabsteinen auch kunstvolle Skulpturen wie beispielsweise Buddhas, Blumen, Tiere wie Frösche, Fische oder einen Schafskopf, Gedenksteine, Schmucksteine mit besonderen Gravuren, Brunnen oder auch witzige und ausgefallene Sachen wie einen skurrilen Osterhasen mit menschlichem Antlitz oder ein Relief mit Hühnern auf der Stange. Ulrike Degenhardt hofft, dass ihr Kindergrabstein wieder auftaucht und appelliert: »Wer etwas gesehen hat, kann sich gerne bei mir oder bei der Polizei Gießen-Süd unter 0641/7006-3555 melden.« Kontakt unter ulrike-degenhardt@t-online.de, unter 0151/7082 7782 oder www.die-steinmetzmeisterin.de.

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Dieser kunstvoll gestaltete Kindergrabstein wurde Ulrike Degenhardt von ihrem Ausstellungsgelände gestohlen. © Imme Rieger

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