1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Langgöns

Konstruktive Atmosphäre

Erstellt:

gikrei_220322_SachstandS_4c
Die Mitglieder der drei Arbeitsgruppen beschäftigten sich bei ihrem Treffen mit dem ländlichen Wegenetz. © Rieger

Mit dem »Silek«-Instrument soll die Cleeberger Gemarkung zukunftsgerecht ausgerichtet werden. Dazu sind seit Sommer 2021 drei Arbeitsgruppen aktiv. Nun wurde der Sachstand erörtert.

Langgöns (imr). »Ich bin auf die Ergebnisse gespannt, es steckt viel Potenzial darin, wir können durch das Verfahren ein paar Schätze heben«, sagt der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch (CDU) zum aktuellen Stand des »Silek«, die Abkürzung steht für »Integriertes Entwicklungskonzept mit räumlichem und thematischem Schwerpunkt«. Mit diesem Instrument soll die Gemarkung rund um Cleeberg zukunftsgerecht ausgerichtet werden.

Das Verfahren wird in dem Taunusdörfchen im Vorfeld der geplanten Flurbereinigung entlang des Kleebachs eingesetzt, um gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung Entwicklungsstrategien zu verschiedenen Themengebieten zu erarbeiten. In Niederkleen und Dornholzhausen wurde die Flurbereinigung bereits ohne das »Silek« auf den Weg gebracht. Mit dem »Silek«, das auf rund zwei Jahre angelegt ist, kommt Cleeberg gleich doppelt in den Genuss einer Erneuerung, denn der Ortsteil nimmt ebenfalls am »Integrierten kommunalen Entwicklungskonzept« (»Ikek«) teil, bei dem das Dorf selbst im Fokus steht.

Drei Arbeitsgruppen mit 55 Personen

Mit 780 Hektar Wald und 402 Hektar Acker und Grünland ist Cleeberg flächenmäßig recht groß. Die Lage am nordöstlichen Rand des Naturparks Taunus macht es besonders und bildet ein Alleinstellungsmerkmal. Drei Arbeitsgruppen mit rund 55 Personen, darunter Landwirte, Naturschützer, der Ortsbeirat und weitere Interessierte, alle aus Cleeberg, beschäftigen sich seit vergangenem Sommer mit den Themen Land- und Forstwirtschaft, Natur- und Gewässerschutz sowie Freizeit und Naherholung.

Im Rahmen eines Infoabends, zu dem erstmalig alle Akteure zusammen eingeladen waren, informierten die Fachplaner Dr. Andrea Soboth und André Haußmann vom begleitenden »Institut für Regionalmanagement« (IfR) aus Gießen, Ralf Ufer und Horst Gläsmann vom Amt für Bodenmanagement Marburg, denen die Flurbereinigung obliegt, und der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch über den Sachstand des Projekts.

Agrarstruktur verbessern

Im Zuge der Flurbereinigung soll die Agrarstruktur verbessert werden. Großes Thema dabei sind die ländlichen Wegenetze. Auch der Arten- und Naturschutz soll durch die Anlage unter anderem von Uferrandstreifen, Regenrückhaltungen und Hochwasserschutz optimiert werden. Bei den Themen Freizeit und Naherholung legen die Beteiligten Wert auf sanften und naturverträglichen Tourismus. Das Waldhaus in Cleeberg soll zu einem Outdoortreffpunkt entwickelt werden, auch die Besucherlenkung spielt eine wichtige Rolle. »Die klassischen Konflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz möchten wir auflösen«, betonte Ralf Ufer. Andrea Soboth und André Haußmann lobten das große Engagement der Teilnehmer und deren »kooperative und gute Gesprächskultur«.

Im Juni letzten Jahres war die offizielle Auftaktveranstaltung, seitdem gab es mehrere Treffen der Arbeitsgruppen. Das aktuelle Stimmungsbild zu den Projektideen sieht so aus: Das Waldhaus soll mit Strom und Wasser versorgt werden, die Bachläufe sollen freigemacht, Flutmulden und Regenrückhaltedämme an geeigneten Stellen angelegt werden, auch Wasserentnahmestellen für die Landwirtschaft sind im Gespräch.

Ein »Erzählwald«, die Verbesserung der Wanderwegeinfrastruktur und ein Naturerlebnispfad wurden vorgeschlagen. Auch die Besucherlenkung, hier wird beispielsweise ein neuer Parkplatz am Schlittenberg genannt, und die Verbesserung der Agrarstruktur sind Themen.

Das ländliche Wegenetz wurde den Besuchern anhand verschiedener Karten vorgestellt und diskutiert. Hier geht es unter anderem darum, zu entscheiden, ob Wege wegfallen können und um entsprechende Ausgleichsmaßnahmen zur Biotopvernetzung. Man einigte sich darauf, dass einige Gruppenmitglieder die Wege zunächst erneut hinsichtlich ihrer Beschaffenheit aus Gras, Schotter oder Asphalt kartieren sollen.

Disc-Golf-Anlage am alten Sportplatz

Andrea Soboth stellte eine Freizeitidee vor, die möglicherweise im Bereich des Waldhauses umgesetzt werden könnte: Im Bereich des alten Sportplatzes könnte eine sogenannte Disc-Golf-Anlage eingerichtet werden. Eine entsprechende Anfrage eines Disc-Golfers liegt vor. Beim Disc-Golfen geht es darum, eine Frisbee-Scheibe in einen Fangkorb zu befördern. Das Prinzip ist das gleiche wie beim ursprünglichen Golfen. Ziel ist, mit möglichst wenig Würfen die Scheibe in den Zielkorb zu bringen. Hierfür werden Bahnen mit Körben eingerichtet, die im Boden mit einer Steckverbindung befestigt werden und bei Bedarf herausgenommen werden können. Darüber hinaus gibt es auch mobile Körbe. Für Mittelhessen und Cleeberg wäre dies ein Alleinstellungsmerkmal, denn die nächsten Anlagen befinden sich in Herbstein oder Rüsselsheim. Die Verträglichkeit mit dem Naturschutz sollte geprüft werden. Ein Info-Termin zum Ausprobieren dieser neuen Trendsportart ist für Mai vorgesehen. »Das könnte etwas Besonderes sein«, sagte der Bürgermeister dazu.

Mit den bisherigen Aktivitäten des »Silek« zeigte sich Reusch »bisher sehr zufrieden, es wird professionell und gut begleitet und hat eine konstruktive Atmosphäre entwickelt«. Das Verfahren gehe jetzt in die finale Phase. Planmäßig im Herbst sollen die Vorarbeiten abgeschlossen sein, das Flurbereinigungsverfahren könnte dann, so die Einschätzung von Ralf Ufer, 2023/24 umgesetzt werden. Es soll das komplette Kleebachtal von der Quelle an abdecken.

Auch interessant