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Langgönser holen Flüchtlinge in Polen ab

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Mütter und Kinder aus der Stadt Borispol haben eine Unterkunft in Langgöns gefunden. Aktive des ehemaligen Arbeitskreises »Leben nach Tschernobyl« hatten die Aufnahme organisiert. Foto. Keller © Red

Ehemalige Mitglieder des Arbeitskreises »Leben nach Tschernobyl« in der evangelischen Kirchengemeinde Lang-Göns haben Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge organisiert.

Langgöns (red). Ehemalige Mitglieder des Arbeitskreises »Leben nach Tschernobyl« in der evangelischen Kirchengemeinde Lang-Göns sind sehr erleichtert: 29 Flüchtlinge sind sicher in Langgöns angekommen

Eigentlich hatte der Arbeitskreis seine Arbeit nach mehr als 30 Jahren eingestellt. Aber dann überfielen russische Truppen die Ukraine. Da konnten die ehemaligen Aktiven nicht untätig bleiben und organisierten Privatunterkünfte für ukrainische Kriegsflüchtlinge. Bei Pfarrer Eberhard Klein gingen die Meldungen ein. Natascha Logatschowa, die Leiterin des Vereins »Kinder von Tschernobyl« in Borispol, mit der der Arbeitskreis seit über 30 Jahren zusammenarbeitete, stellte derweil eine Gruppe von elf Müttern und 14 Kindern zusammen.

Vor einer Woche verabschiedeten sich die Frauen und Kinder von ihren Liebsten in Borispol, das rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Kiew entfernt liegt, und machten sich auf den Weg Richtung polnische Grenze auf. Seitdem war sie ununterbrochen in Kontakt mit Gerhard Keller vom ehemaligen Arbeitskreis. Es musste viel organisiert werden. Schließlich konnte die Gruppe von der polnischen Grenze aus nicht wie geplant mit dem Zug über Warschau nach Berlin fahren: Die polnische Hauptstadt war überlaufen von Flüchtlingen, die Züge nach Berlin waren überfüllt, es gab keine Tickets mehr. Neue Sorgen machten sich breit. Schließlich bekam die Gruppe am Samstag in Warschau Zugtickets zu dem polnischen Grenzstädtchen Rzepin, circa 20 Kilometer östlich von Frankfurt/Oder.

Pfarrer Klein charterte einen Bus und machte sich zusammen mit Gisela Noormann, Dolmetscherin Katharina Philipp und den Notfallsanitätern Jasmin Römisch und Martin Dürr auf den Weg, um die Kriegsflüchtlinge in Rzepin aufzunehmen und nach Langgöns zu bringen. Die Abholung klappte und am Sonntag um 4.15 Uhr kamen die Kriegsflüchtlinge völlig übermüdet, aber gut versorgt in Langgöns an und wurden sogleich von ihren Gastfamilien abgeholt.

Eine vierköpfige Familie machte sich mit ihrem drei Monate alten Baby darüber hinaus eigenständig über Ungarn mit dem Auto auf den Weg nach Langgöns. Nach sechs Tagen kam sie am Montag völlig erschöpft an und wurde vom Ersten Beigeordneten Hans Noormann in Empfang genommen. Die Familie kommt übergangsweise im Paul-Schneider-Heim in Dornholzhausen unter, bevor sie in das vorgesehene Privatquartier umziehen wird.

Wer die Flüchtlinge unterstützen will, kann Spenden auf das Konto der Kirchengemeinde Lang-Göns bei der Volksbank Mittelhessen (Iban DE 81 5139 0000 0015 3800 04) überweisen. Verwendungszweck ist »Ukraine« (Hilfe für Kriegsflüchtlinge Borispol).

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