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Leben im Mittelalter ergründen

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Die Geschichtsinteressierten in Gebertshausen, oberhalb des Höllköppels, während des Vortrags von Hans-Gerhard Stahl (2.v.l.). Foto: Rieger © Rieger

Eine ganz besondere Wanderung führte die Teilnehmer zu den beiden untergegangenen Dörfern Gebertshausen und Wertshausen.

Langgöns (imr). Geschichten und Geschichte direkt an den Originalschauplätzen erlebten die Teilnehmer einer heimatgeschichtlichen Wanderung, zu der der Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen eingeladen hatte.

Diese besondere Wanderung führte zu den beiden untergegangenen Dörfern Gebertshausen in der Gemarkung Oberkleen und Wertshausen in der Gemarkung Vollnkirchen.

Die Gruppe folgte dem sogenannten Reiskirchener Weg, der auf über 200 Jahre alten Karten an den beiden verschwundenen Dörfer vorbeiführt. Der Weg war sicherlich ein regionaler Handelsweg, der einige der »Dorfschaften« der Vogtei Gottfriedshausen miteinander verband und zu dem Wegenetz gehörte, das in die Dörfer des Lahngaues und nach Wetzlar führte.

Die Geschichtsinteressierten starteten am Alten Rathaus in Oberkleen. Nach einem halbstündigen Fußmarsch erläuterte Hans-Gerhard Stahl, Mitautor des Buches »Das Dorf Gebertshausen wurde Wüstung« die nachvollziehbaren Fakten aus alten Dokumenten, insbesondere die Flurbezeichnungen, die auf die aufgelassene Siedlung hinweisen. Die unter Historikern umstrittene Ersterwähnung im Lorscher Codex datiert auf das Jahr 886. Viele Informationen zur Geschichte von Gebertshausen liegen noch »im Dunkeln«.

Der Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen möchte im Gebiet des heutigen Gottfriedshausen/Gebertshausen nach archäologischen Zeugnissen suchen, um die Lage von Gebertshausen und das Leben in einem mittelalterlichen Dorf näher zu ergründen. Der zweite Streckenabschnitt führte nach Wertshausen, heute noch nachvollziehbar durch die gleichnamige Flurbezeichnung in Hüttenberg-Vollnkirchen. Dort wurde die Gruppe von Dr. Clemens Ruppert, dem Autor des Buches »Wertshausen - auf den Spuren eines mittelalterlichen Dorfes« über den Werdegang des ebenfalls verlassenen Ortes informiert.

Die Gründung geht zurück auf die fränkische Besiedlungspolitik und wurde erstmals erwähnt im Jahr 810, ebenfalls im Lorscher Codex.

Gegen Ende des 30-jährigen Krieges wütete in dem kleinen Ort die Pest und er wurde aufgegeben. Beide verlassenen Dörfer werden heute als landwirtschaftliche Fläche genutzt und lassen nicht mehr erkennen, dass dort einmal Menschen über Jahrhunderte gelebt haben.

Nach einem ausführlichen Picknick in Wertshausen führte der Rückmarsch wieder zum Alten Rathaus in Oberkleen, dort warteten zum Abschluss auf die Teilnehmer Blechkuchen und Kaffee.

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