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Naturkita ab Herbst geöffnet

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Sie stießen ganz seriös mit Selterswasser auf die erfolgte Übernahme des Paul-Schneider-Freizeitheims an: Gabriele Fuchs, Marius Reusch, Kirstin Velten-Wanke, Hartmut Sitzler, Claudia Kissling und Christoph Schaaf (v.l.). © Rieger

Das Paul-Schneider-Freizeitheim wurde jetzt offiziell der Gemeinde Langgöns übergeben. Im Herbst soll die Naturkita eröffnet werden.

Langgöns (imr). »Seit dem 1. Mai sind wir formell im Besitz des Anwesens und können jetzt unsere Ziele verwirklichen«, freute sich der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch bei der offiziellen Übergabe des Paul-Schneider-Freizeitheims. Die Gemeinde Langgöns hat die Immobilie mit dem umgebenden Gelände für einen Zeitraum von 80 Jahren in Erbpacht vom Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill gepachtet, der weiterhin Eigentümer bleibt. Am 30. April 2102 ist das Rückgabedatum. Im kommenden Herbst wird hier nun eine Naturkita für zunächst ein bis zwei Gruppen ihre Pforten öffnen.

Positive Bilanz

An der offiziellen Übergabe nahmen von der Gemeinde Langgöns auch Gabriele Fuchs und Kirstin Velten-Wanke, seitens des Kirchenkreises Superintendent Pfarrer Dr. Hartmut Sitzler, sein Stellvertreter Pfarrer Christoph Schaaf und Verwaltungsleiterin Dr. Claudia Kissling teil. Gemeinsam zog man Bilanz.

»Das Gefühl ist sehr gut, jetzt hier zu sitzen und zu wissen, dass es mit der pädagogischen Arbeit in diesem Haus weitergeht«, betonte Sitzler. Es sei immer sein Traum gewesen, dass hier ein Ort sei, an dem freie Menschen erzogen werden, ganz im Sinne des Namensgebers Paul Schneider. Dass der bisherige Name und damit das Andenken an Paul Schneider, der als Pfarrer in Dornholzhausen und Hochelheim wirkte, mutiger Gegner des Naziregimes war und von den Nazis ermordet wurde, fortgeführt wird, freute die Kirchenvertreter ganz besonders.

Das Haus hatte seit 1955 als Begegnungszentrum insbesondere Konfirmanden, aber auch Erwachsene beherbergt und wurde für Veranstaltungen und Seminare gerne genutzt. Zuletzt war es lange Zeit ein Zuschussbetrieb, deshalb sollte es verkauft werden. »Es freut uns, dass das jetzt geklappt hat, auch wenn wir es nicht selbst weiterführen können, aber wir können uns mit den Zielen der Gemeinde Langgöns identifizieren,« sagte der Superintendent.

Marius Reusch lobte die langwierigen, aber stets im »breiten Einvernehmen geklärten« Übernahmeverhandlungen mit dem Kirchenkreis. Sitzler schloss sich dem an und sprach von einer »sehr fairen Sache« und einer »erfrischend unbürokratischen Kommunikation, wir haben sehr offen und klar miteinander gesprochen«. Der Rathauschef gab diese Einschätzung zurück. »Es war immer Einigungswille da«, unterstrich er.

Erste Eckdaten

Zukünftig soll das Gebäude weiter ein »Haus der Bildung« bleiben. »Das Nutzungskonzept war dem Kirchenkreis sehr wichtig, weil auch eine enge Verbindung der Bürger zu dem Areal besteht«, erläuterte Kissling. »Eine schöpfungsorientierte Pädagogik, wie sie nun in der Natukita umgesetzt wird, war auch unsere Idee«, freute sich der Superintendent. »Es ist eine Art Abschied über längere Zeit, aber toll, dass es mit guter Qualität und wunderschönen Inhalten weitergeführt wird«, sagte Christoph Schaaf.

Gabriele Fuchs und Marius Reusch verrieten erste Eckdaten zur Naturkita. Das Konzept sieht Präsenzzeiten in der Natur und dem Gebäude als Rückzugsort vor. Mehrere Tipis werden im Wald errichtet, die Öffnungszeiten sind von 7 bis 17 Uhr. Kinder aus allen Langgönser Ortsteilen können angemeldet werden. Im ersten Schritt werden zwei Gruppen eingerichtet, anschließend soll eine grundlegende Renovierung des Hauses mit Mitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm IKEK erfolgen. Mittelfristig sollen es drei bis vier Gruppen sein, auch die Anschaffung von Tieren ähnlich einer Bauernhofkita ist angedacht. Der idyllische Standort am Waldrand biete viele Möglichkeiten. »Er soll auch ein Anlaufpunkt für andere Kitas aus der Gemeinde und für Schulkinder werden, um hier Naturtage zu verbringen«, unterstrich Reusch. Es gebe auch schon erste Kontakte mit den Jagdpächtern, sie seien offen für Projekte. Das Gesamtkonzept müsse sich noch füllen. Neben der Naturkita wird es weitere Nutzungen im Haus geben, hier laufen die Verhandlungen noch. Der Name soll zukünftig »Naturkindertagesstätte Paul-Schneider-Haus« lauten.

30 Flüchtlinge

Aktuell haben rund 30 Flüchtlinge aus der Ukraine eine vorübergehende Bleibe in dem Gebäude gefunden. Der Flüchtlingsbetrieb könne parallel zum Naturkindergarten weiterlaufen, es sei eine Übergangssituation, die noch ein paar Monate fortgeführt werden könne, so Reusch. Perspektivisch werden die Bewohner in Privatwohnungen untergebracht. Damit entgegnete der Bürgermeister Gerüchten, nach denen das Projekt Naturkita durch die Unterbringung der Flüchtlinge ausgehebelt worden sei. »Hier ist ein Schutzraum für die Flüchtlinge, wo sie zur Ruhe kommen können, wir haben das sehr gerne angeboten«, betonte Sitzler.

Eine Kooperation bei der Naturkita mit der Gemeinde Hüttenberg habe sich »nicht weitergesponnen«, informierte Marius Reusch. Zum einen habe Langgöns selbst einen hohen Eigenbedarf an Kitaplätzen, zum anderen habe Hüttenberg große eigene Planungen. »Die Tür ist noch nicht ganz zu, aktuell planen wir aber eigenständig.«

Bevor der Kitabetrieb im Herbst startet, wird die Zufahrtsstraße mit Rasengittersteinen erweitert und saniert, um die Erreichbarkeit zu verbessern. Die Arbeiten starten im Juni. Entsprechende Mittel waren im Haushalt der Gemeinde Langgöns eingestellt worden.

»Ich bin froh, dass sich in den politischen Gremien eine breite Mehrheit dafür entschieden hat, dass wir als öffentliche Hand dieses Haus übernehmen. Das ist nicht selbstverständlich, sondern eine Willensfrage«, bekräftigte Reusch.

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