1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Langgöns

Nutzung nun legal bis auf die letzten 150 Meter

Erstellt:

gikrei_2001_jcs_Branntwe_4c
Hier dürfen Verkehrsteilnehmer jetzt ganz offiziell geradeaus weiterfahren, denn der Branntweinweg ist bis zum Seegrundweg neuerdings legal befahrbar. Die entsprechenden Schilder werden in nächster Zeit montiert. © Rieger

Der Branntweinweg wird seit Jahrzehnten als inoffizielle Umgehungsstraße von Pendlern von und nach Butzbach und ins Rhein-Main-Gebiet rege genutzt, er war bislang offiziell aber ein Feldweg.

Langgöns (imr). »Der sanierte Branntweinweg in Espa ist aus Richtung Cleeberg nun bis zur Kreuzung Seegrundweg, das ist hinter dem Sportheim von Blau-Weiß Espa, als Gemeindestraße legalisiert. Nutzer haben Rechtssicherheit, wir können dort nun auch Winterdienst machen«, informierte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch.

Über Jahrzehnte inoffiziell genutzt

Eine entsprechende Beschilderung wird demnächst angebracht. Der Weg wird seit Jahrzehnten als inoffizielle Umgehungsstraße von Pendlern von und nach Butzbach und ins Rhein-Main-Gebiet rege genutzt, er war bislang offiziell aber ein Feldweg, seine Nutzung deshalb nicht erlaubt.

Dennoch ist die Freude über die Umwidmung nicht uneingeschränkt: Denn nach dem Willen der politischen Gremien der Gemeinde Langgöns sollte der Branntweinweg als Gemeindestraße auf kompletter Länge, das heißt bis zur Anbindung an die Landesstraße nach Butzbach, für den Verkehr freigegeben werden. Weil die Legalisierung zukünftig jedoch nur bis zum Seegrundweg gilt, bleibt für die restliche, etwa 150 Meter lange Strecke des Weges bis zur Landesstraße alles wie gehabt. Und das bedeutet, dass die Nutzung dieses kurzen Wegstücks weiterhin illegal ist.

Dass es auf diesen letzten 150 Metern hakt, hat mit der zuständigen Straßenbehörde Hessen Mobil zu tun. Hintergrund ist, dass Hessen Mobil die Legalisierung des kompletten Weges nur dann erlauben will, wenn an der Einmündung zur Landstraße ein sogenannter »Knoten« mit Abbiegespuren in alle Richtungen und einer Radwegüberquerung für rund 850 000 Euro errichtet wird. Die Gemeinde Langgöns müsste die Kosten für diesen Ausbau tragen.

Allerdings hält die Gemeinde einen solchen umfangreichen Ausbau nicht für erforderlich. Bereits im vergangenen Sommer wurde deshalb ein Erörterungstermin mit Hessen Mobil, an dem die Ortsvorsteher aus Cleeberg und Espa zusammen mit dem Bürgermeister teilnehmen sollten, ins Auge gefasst. Dieser Termin steht aber noch aus, teilte Marius Reusch mit. Bei diesem Gespräch soll versucht werden, die Behörde zu überzeugen, dass verschiedene Komponenten wie die Kreuzung des Radweges und überflüssige Abbiegespuren entfallen und damit die Kosten gesenkt werden könnten.

»Aktuell haben wir einen neuen Vorschlag von Planungsbüro zeichnen lassen, den wir im geplanten Gesprächstermin erörtern möchten, an Hessen Mobil gesandt«, sagte der Rathauschef. Er könne mit der aktuellen Lösung zwar leben, es sei aber trotzdem nicht das, was man eigentlich angestrebt habe. Reusch betonte: »Mir wäre es am liebsten, wenn Hessen Mobil unserem aktuellen Vorschlag zur Auffahrt zustimmt. Ich sehe absolut keinen Hinderungsgrund, den Anschluss wie von uns vorgeschlagen zu legalisieren.« Man wolle eine »pragmatische Lösung« finden, aber nicht um jeden Preis.

Der Bürgermeister berichtete auch über Dank-E-Mails von Branntweinweg-Nutzern. Sie seien mit der sanierten Straße »sehr zufrieden«. Reusch unterstrich: »Natürlich gibt es auch kritische Stimmen aus Cleeberg, aber ich finde, es ist erst mal eine gute Lösung.« Der Ortsbeirat Cleeberg plädiert seit über zehn Jahren, in denen das Thema bereits in den politischen Gremien behandelt wird, vehement für eine durchgehende Legalisierung des Weges. Zuletzt hatten Cleeberger Bürger im Sommer 2021 mit einer Protestaktion auf dem Branntweinweg für ihr Anliegen demonstriert.

Die Beschilderung wird in den nächsten Wochen montiert. Demnach wird aus Richtung Cleeberg am Beginn des Branntweinwegs eine abknickende Vorfahrtstraße in Richtung Espa ausgeschildert. Damit wird noch einmal klar zum Ausdruck gebracht, dass die offizielle Strecke des Ortsverbindungswegs durch Espa führt. »An der Kreuzung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil den Verkehrsteilnehmern nicht klar war, wer Vorfahrt hat«, sagte Reusch. Mit der neuen Beschilderung und zusätzlichen Markierungen auf der Straße soll dies nun deutlicher gemacht werden. Die bisherige Regelung hat an dieser Stelle weiterhin Bestand: Wer aus Richtung Cleeberg kommt, muss an der Kreuzung den Verkehrsteilnehmern, die rechts aus Espa kommen, die Vorfahrt gewähren.

Wer aus Butzbach in den Branntweinweg einbiegt, wird an der Einmündung demnächst ein Sackgassenschild sehen. Denn an der Kreuzung zum Seegrundweg ist offiziell Schluss für Autos und Motorräder, nur Fußgänger und Radfahrer dürfen den Weg in Richtung Espa und Cleeberg weiter nutzen. Der Bürgermeister hofft, dass sich dies nach den Gesprächen mit Hessen Mobil noch ändern wird.

Auch interessant