1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Langgöns

Ortsdurchfahrt soll saniert werden

Erstellt:

gikrei_2804_jcs_GehwegLa_4c
Für Fußgänger ist diese Passage »Am Mühlberg« eine gefährliche Engstelle. Zukünftig soll der Gehweg deshalb verbreitert werden. Eine Ampel könnte den Autoverkehr regeln. © Rieger

Die Ortsdurchfahrt in Kernort Lang-Göns soll saniert werden. In der gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Verkehrsausschuss, Bauausschuss und Ortsbeirat stellten die Planer ihr Konzept vor.

Langgöns (imr). Einen »ganz dicken Brocken« nannte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch (CDU) das Großprojekt, das die Gemeinde Langgöns möglichst bald auf den Weg bringen möchte: Die Ortsdurchfahrt in Kernort Lang-Göns soll saniert werden. In der gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Verkehrsausschuss, Bauausschuss und Ortsbeirat Lang-Göns stellten die Planer die Machbarkeitsstudie zum Sanierungskonzept vor.

Zu 70 Prozent förderfähig

Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf rund 10 Millionen Euro, das Projekt ist durch das Land Hessen förderfähig mit rund 70 Prozent. Die Ortsdurchfahrt soll, beginnend am westlichen Ortseingang in der Obergasse, durchgehend bis zum Ende der Holzheimer Straße im Osten sowie Richtung Norden im Bereich der Breitgasse/Schmittgraben bis zum Ortsausgang nach Großen-Linden in drei Abschnitten saniert werden. Das Ganze wird vermutlich sechs Jahre lang dauern. Frühester Baubeginn könnte im Frühjahr 2025 sein.

Zielsetzungen sind eine leistungsfähige, sichere und barrierefreie Verkehrsanlage, größere Räume für den Fuß- und Radverkehr, mehr Querungsmöglichkeiten, mehr Bepflanzung, ein lärmoptimierter Fahrbahnbereich und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität.

Limitierende Faktoren sind die übergeordnete Bedeutung der Ortsdurchfahrt, die eine Landesstraße ist und damit nicht völlig verkehrsberuhigt werden darf, und eine teilweise geringe Straßenraumbreite durch die vorhandene Bebauung. Dies ist insbesondere in der Straße »Am Mühlberg« der Fall. Hier gibt es eine besonders enge Stelle und der Planer entschuldigte sich schon für seinen Lösungsvorschlag, bevor er ihn vorstellte.

Ampelanlage an der Engstelle

Denn der hat es wirklich in sich: Die Engstelle soll auf einer Länge von 50 m durch eine Ampelanlage abgesichert werden. Dies erscheine ihm als »realistischste Möglichkeit, diesen Bereich zu lösen«, erläuterte Planer Thorsten Eise vom Ingenieurbüro Zick-Hessler. Der Gehweg dort soll auf 2,50 m verbreitert werden. Denn aktuell sind Fußgänger auf dem nur 1,20 m breiten Fußweg gefährdet. Planer und auch der Bürgermeister betonten mehrfach, dass in dieser Studie nur Ideen vorgestellt würden, das tatsächliche Konzept müsse noch erarbeitet und festgelegt werden.

Auch das Kanalsystem und die Wasserleitungen inklusive der Hausanschlüsse sind überwiegend marode, Carsten Schön vom Planungsbüro Zick-Hessler hat fast überall in der Ortsdurchfahrt einen »weitreichenden Sanierungsbedarf« festgestellt. Ein Neubau beziehungsweise eine partielle Sanierung sei deshalb notwendig.

Thorsten Eise stellte die Planungen im Detail vor. Das Projekt ist in drei Bauabschnitte unterteilt: Der erste umfasst die Moorgasse / Am Mühlberg/ Holzheimer Straße. Ein Mini-Kreisel soll im Kreuzungsbereich Rottweg/Holzheimer Straße /Leihgesterner Straße eingerichtet werden. Der zweite Bauabschnitt ist die Obergasse, der dritte die Breitgasse und der Schmittgraben. Am westlichen Beginn des Bereichs in der Obergasse soll auf der südlichen Straßenseite der vom Ortsausgang kommende geplante Radweg in einen sogenannten »Schutzstreifen« für Radfahrer übergehen.

Dieser Schutzstreifen kann auch von Autos befahren werden. Radfahrer und Fußgänger sollen sich zukünftig im Rahmen des vom Planungsbüro LK Argus aus Kassel durchgeführten Mobilitätscheck verstärkt im sogenannten »Nebennetz«, damit sind die Verbindungen abseits der Hauptverkehrswege gemeint, bewegen.

Marius Reusch bilanzierte die Machbarkeitsstudie: »Wir müssen uns das sicherlich gut überlegen, aber was ist die Alternative? Irgendwann müssen wir das Projekt angehen, das sind wir der Bevölkerung schuldig, denn die Ortsdurchfahrt ist seit vielen Jahren marode.« Die Straße sei die am meisten belastete in der ganzen Gemeinde. Eine Verkehrszählung der Bürgerinitiative »Verkehrswende Lang-Göns« hatte an einem Tag im vergangenen November von 6 Uhr bis 19 Uhr in der Obergasse und Moorgasse insgesamt 7300 neuen Fahrzeuge gezählt. Ein durch die Gemeinde Langgöns beauftragtes Ingenieurbüro hat diese Erhebung bestätigt.

Von Hessen Mobil ausgeschlossen

Zu Beginn der Sitzung hatte der Bürgermeister erläutert, warum die Gemeinde das Projekt jetzt selbst in die Hand nehmen will: »Ende 2020 wurde das Sanierungsprogramm für die kommenden fünf Jahre von Hessen Mobil veröffentlicht, die Ortsdurchfahrt Lang-Göns war wieder nicht dabei.« Der Gemeindevorstand habe sich damit nicht abfinden wollen. »Wir können die Straße nicht noch über mehrere Jahre in diesem Zustand akzeptieren, wenn wir weiter warten, würde mindestens zehn Jahre nichts passieren, deshalb haben wir beschlossen, das Projekt über die Möglichkeit der ›Planung Dritter‹ in eigene Hände zu nehmen.« Er betonte: »Die Umsetzung findet nur dann statt, wenn sich Hessen Mobil finanziell beteiligt und es Fördermittel gibt.« Für die Anwohner in dem Sanierungsbereich bedeutet dies, dass sie sich anteilig mit 20 Prozent an den Kosten für die Sanierung des jeweiligen Gehwegs, nicht aber an den Kosten für die Straßensanierung beteiligen müssen.

In der Diskussionsrunde stand die Ampel(Not-)lösung am Mühlberg im Mittelpunkt. Eine virtuelle Simulation wurde vorgeschlagen. Die Idee, alternativ die Straße zu verbreitern, indem die dort auf einer Seite befindliche Mauer zur Amtshausstraße hin versetzt wird, erteilte der Bürgermeister eine Absage, dies sei unrealistisch und nicht zuletzt mit erheblich höheren Kosten sowie einer weiteren zeitlichen Verzögerung verbunden. Eine Zuschauerin schlug vor, am Mühlberg eine Einbahnstraße in Richtung Ortsausgang einzurichten und den Verkehr aus Richtung Holzheimer Straße zwingend durch die bereits bestehende »kleine Ortsumgehung« am Wingert zu führen. Reusch sagte dazu, dass dann Hessen Mobil erstens zustimmen und zweitens die Straße Wingert zu einer Landesstraße umwidmen müsste. Er will diesen Vorschlag aber auf jeden Fall mit in die Gespräche mit der Straßenbehörde nehmen. Vertreter aller Fraktionen lobten die Machbarkeitsstudie. Einstimmig empfahlen die Mitglieder der beiden Ausschüsse, das Sanierungskonzept grundsätzlich und im Rahmen einer Fördermaßnahme durch beziehungsweise mit Hessen Mobil umzusetzen.

Auch interessant