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Potenzieller Solarpark in der Diskussion

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Auf der Fläche im Vordergrund könnte ein Solarpark entstehen, im hinten an der Autobahn vor dem Waldrand gelegenen Bereich ist die zweite mögliche Fläche zu sehen. © Rieger

Der Langgönser Umwelt- und Verkehrsausschuss debattiert derzeit über mögliche Photovoltaik-Freiflächen.

Langgöns (imr). Mit einem schwierigen und vielschichtigen Thema beschäftigten sich die Mitglieder des Langgönser Umwelt- und Verkehrsausschusses in ihrer Sitzung. Es geht um eine Grundsatzentscheidung zu Freiflächen-Photovoltaikanlagen (PV).

Bürgermeister Marius Reusch (CDU) sagte: »Es ist ein sensibles Thema, denn wir müssen entscheiden, ob wir wertvolle Ackerflächen aus ihrer ursprünglichen Nutzung nehmen. Die Frage ist, wollen wir das überhaupt und wenn ja, wo?« Gleichzeitig biete diese Technik die Möglichkeit, »relativ zeitnah einige 1000 Haushalte mit Strom zu versorgen und einen Beitrag für unsere gesetzten Klimaziele zu leisten«. Es gehe auch darum, mit externen Interessenten, die es bereits gibt, oder lokalen Stromversorgern diskutieren zu können.

Die Langgönser Klimaschutzmanagerin Susanne Müller informierte die Ausschussmitglieder anschaulich mit einer Präsentation, die den aktuellen Sachstand für Langgöns aufzeigte. Für den Grundsatzbeschluss sollte zunächst eine Analyse möglicher Flächen hinsichtlich ihrer visuellen Akzeptanz, der Solar-Tauglichkeit der Fläche und der Erschließung des Standortes vorgenommen werden. Im Teilregionalplan Mittelhessen »Energie« sind für die Region Mittelhessen 286 Vorbehaltsgebiete für Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit einer Größe über fünf Hektar ausgewiesen. »Darunter sind solche Flächen nicht wirtschaftlich zu betreiben«, sagte Müller. Die Gesamtfläche beträgt rund 3100 Hektar und entspricht damit etwa 0,6 Prozent der Regionsfläche.

In Langgöns gibt es drei Vorranggebiete, zwei davon in Niederkleen und eines in Dornholzhausen. Diese Grundstücke liegen jedoch »nicht in landwirtschaftlich benachteiligtem Gebiet« und sind damit nicht konform mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Denn um zu verhindern, dass PV-Anlagen die landwirtschaftliche Nutzung verdrängen, beschränkt sich die Förderung auf bestimmte Flächen. Es sind bereits versiegelte Flächen, Konversionsflächen (das heißt ökologisch belastete Flächen), Seitenstreifen von 110 bis maximal 200 Metern entlang Autobahnen und Schienenwegen, Flächen im Bereich eines beschlossenen Bebauungsplans und Flurstücke, die in einem benachteiligten Gebiet liegen.

In Langgöns könnte demnach möglicherweise entlang der A 45 ein Solarpark entstehen. Ein interessierter Investor hat bereits die Grundstücksbesitzer in dem Bereich angefragt und für zwei Flächen Zusagen bekommen. Ein potenzieller Solarpark Lang-Göns Nord liegt demnach westlich der Autobahn in der Feldgemarkung zwischen der westlichen Verlängerung der Straße Am Heerweg und der östlichen Verlängerung der Straße, die oberhalb der Herderstraße am Feldrand mündet. Ein möglicher Solarpark Lang-Göns Süd könnte zwischen der östlichen Verlängerung der Lilienstraße direkt am Waldrand entlang der Autobahn errichtet werden. Die Besitzer dieser beiden landwirtschaftlich genutzten Flächen sind damit einverstanden.

Eine weitere Idee aus dem Rathaus ist eine integrierte Solartankstelle im Bereich der beiden Ausfahrten von der A485 nach Langgöns. Dort könnte auf dem nicht genutzten Gelände der beiden Auffahrts-»Ohren« ein solches Projekt umgesetzt werden, das zur Tageszeit mit Solarstrom, zur Nachtzeit mit üblichem Strom aus dem Versorgungsnetz funktionieren würde. »Optional könnte ein Stromspeicher installiert werden, um die Verfügbarkeit von Solarstrom zu vergrößern«, erläuterte Müller. Bei einer jährlichen Produktion von circa 718 000 kWh können bei einer durchschnittlichen Batteriegröße von 50 kWh etwa 14 370 Ladungen bereitgestellt werden. Bürgermeister Reusch bezeichnete diese Idee als »spannendes Projekt, vielleicht auch als Kommune«.

Die Klimaschutzmanagerin berichtete, dass der Anteil von Solarstrom in der Gemeinde Langgöns bei zehn Prozent, bei den erneuerbaren Energien bei zwölf Prozent liegt. Der Deckungsgrad von grüner Energie lag 2019 bei 11,5 Prozent.

Die Ausschussvorsitzende Eva Oberschelp resümierte das Thema als »ganz komplexe Gemengelage«, insbesondere vor dem Hintergrund des Flächenverbrauchs. Karl-Heinz Höringer (CDU) betonte, dass in der aktuellen Situation mit dem Krieg in der Ukraine die weltweite Getreidereserve lediglich drei bis sechs Tage reichen würde, »bitte machen Sie sich das bewusst«. Der Bürgermeister möchte deshalb gutes Ackerland nicht für Flächen-Photovoltaik nutzen, dem schloss sich auch Dr. Michael Buss (Grüne) an.

In der ausführlichen Diskussion ging es unter anderem um die Fragen, ob man einen Solarpark auch als Gemeinde betreiben kann und welche Böden von der Nutzung ausgenommen werden sollten. Der Rathauschef brachte auch die Möglichkeit in die Diskussion, beispielsweise den Parkplatz an der Kleeblattgrundschule in Oberkleen mit Solarmodulen zu überbauen, das hätte den zusätzlichen Vorteil der Verschattung. »Wir müssen den richtigen Mix finden«, sagte er. »Bodenqualität darf nicht das einzige Kriterium sein«, betonte Heidi Tonhäuser (SPD).

Landwirte im Ort miteinbeziehen

Bevor ein Grundsatzbeschluss fällt, soll das Thema nun erst in den Fraktionen beraten werden, wobei die Ortslandwirte miteinbezogen werden sollen. Sie könnten auch vorschlagen, welche Flächen man sich seitens der Landwirtschaft für Flächen-Photovoltaik vorstellen könnte. Reusch will den interessierten Investoren signalisieren, dass sie erst noch warten müssen. In der nächsten Ausschusssitzung soll das Thema weiter beraten werden.

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