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Renaturierungsprojekt in Lang-Göns gestartet

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Sie informierten über den Start der strukturverbessernden Maßnahmen am Gönsbach: Uwe Müller, Andreas Christ, Martin Wenisch, Henning Heinze, Marius Reusch und Thomas Halblaub (v. l.). © Rieger

Auf einem0,8 Hektar großen Gelände unweit des Feuerwehrgerätehauses Lang-Göns startet gerade ein Projekt, das die Renaturierung des Gönsbaches zum Ziel hat.

Langgöns (imr). Mehrere Traktoren mit großen Anhängern voll mit wertvollem Mutterboden fahren in diesen Tagen immer wieder vom Gelände des Grundstücks »Schaubigweid«, südlich hinter dem Vereinsheim der NABU-Ortsgruppe Lang-Göns in der Straße An der alten Bach gelegen, in Richtung Mandlerweg. Dort laden sie ihre Fracht auf einem Ackerstück vor dem Waldgebiet Wehrholz ab, um gleich wieder zurückzufahren, wo ein Bagger die Hänger erneut befüllt.

Was ist da los? Auf dem 0,8 ha großen Gelände, das westlich der Main-Weser-Bahnlinie und unweit des Feuerwehrgerätehauses liegt, startet gerade ein Projekt, das die Renaturierung des Gönsbaches zum Ziel hat. Was dort genau geschieht, erläuterte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch bei einem Ortstermin, an dem auch Andreas Christ, Geschäftsführer von Christ Feinmechanik, Henning Heinze vom Ingenieurbüro Zick-Hessler, Thomas Halblaub von der Wasserbehörde des Landkreises Gießen, der Langgönser Umweltberater Uwe Müller und Martin Wenisch, 1. Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Lang-Göns, teilnahmen.

»Es ist der offizielle Beginn der Umsetzung von ›Strukturverbessernden Maßnahmen am Gönsbach/Dießenbach im Bereich des Grundstücks Schaubigweid‹. Wir möchten die Öffentlichkeit darüber informieren, dadurch Fragen vorwegnehmen und um Verständnis dafür werben, dass während der Bauarbeiten mehr Verkehr im Ort ist«, sagte der Rathauschef. Worum geht es bei diesem Projekt? »Es dient dem Hochwasser- und Naturschutz, damit der Gönsbach zukünftig stärker mäandrieren und sich ausbreiten kann«, erklärte er. Dies sei ein »wichtiger und guter Schritt, die Gewässerqualität zu verbessern und den Hochwasserschutz voranzubringen.« Gleichzeitig ist ein Teil der Fläche eine Ausgleichsmaßnahme für den Neubau der Firma Christ Feinmechanik, der im Westen unmittelbar an das Gelände angrenzt: »Die Firma Christ ist in Form einer Kooperation beteiligt. Ein Teil ihrer Regenrückhaltungsverpflichtung kann auf der Fläche ermöglicht werden.«

»Erdmodellierung«

Gut einen Monat werden die Arbeiten andauern, es gehe im Wesentlichen um »Erdmodellierung«. Knapp 130 000 Euro brutto wird die Maßnahme kosten, sie wird vom Land Hessen mit Fördergeldern mit einer Quote zwischen 85 bis 90 Prozent mitfinanziert, erläuterte Henning Heinze, dessen Firma für die Planung und die Bauüberwachung zuständig ist.

Der Bach, derzeit in einem »naturfernen« Zustand, soll in einen »guten ökologischen Zustand« versetzt werden. Durch eine Teilverlegung des Gewässers soll die eigendynamische Entwicklung gefördert werden. An einigen Stellen wird Totholz wie Wurzelstöcke und Baumstämme sowie »Störsteine« als Strömungslenker eingebaut.

»Wir wollen die Geradlinigkeit des Bachs brechen«, brachte der Planer das wesentliche Anliegen auf den Punkt. So könne sich der Bach in den nächsten Jahren »selbst in die Fläche hinein entwickeln. Wir geben dazu mit relativ wenig Geldern den Anstoß«. Zehn Bäume mussten weichen, die Wurzeln werden im Bach verbaut. Unter anderem wird eine Hochflutmulde angelegt, in die der Gönsbach in Form eines Altarms einfluten kann. Es wird auch Mulden geben, die nur temporär mit Wasser gefüllt sein werden. Eine sogenannte »Blänke« wird in dem zum Bahndamm hin gelegenen Bereich angelegt, sie ist eine Flachwasserzone mit jahreszeitlich periodisch wechselndem Wasserstand. Das Ganze sei eine naturschutzfachliche Aufwertung einer bisherigen Ackerfläche.

»Langgönser Boden bleibt in Langgöns«, bilanzierte Marius Reusch das Verfahren, den wertvollen Mutterboden, der an dieser Stelle eine Stärke von einem halben Meter hat, für die Bodenverbesserung einer gemeindlichen Ackerfläche zu verwenden. »Er wäre auch viel zu schade für die Deponie gewesen«, betonte Uwe Müller. Man habe den Baubeginn deshalb extra früh im Jahr geplant, damit der Landwirt, der den Acker von der Gemeinde gepachtet hat, den aufgetragenen Boden zeitnah bearbeiten und bestellen kann. Das momentan trockene Wetter sei perfekt, »damit es schnell geht«.

»Kombimaßnahme«

Thomas Halblaub sprach von einer »Kombimaßnahme«, der Gewässerstrukturierung und zugleich der Umsetzung einer Ausgleichsmaßnahme der Firma Christ. »Das zeigt, dass sich Ökologie und Ökonomie in diesem Fall nicht ausschließen«, betonte er.

Der Gönsbach gelte als EU-relevantes Gewässer und sei als einer von vier Bächen im Landkreis in das Hessische Sonderprogramm »100 wilde Bäche« aufgenommen worden, das von der Hessischen Landgesellschaft (HLG) betreut werde. »Gewässer, hier hast du Fläche, hier kannst du dich entwickeln«, beschrieb er knapp und anschaulich die Maßnahme.

»Für uns ist die räumliche Nähe der Ausgleichsfläche zu unserem Firmengelände optimal«, unterstrich Andreas Christ und dankte für die Möglichkeit, dass er den Neubau seiner Firma direkt gegenüber des früheren Unternehmenssitzes umsetzen konnte.

»Auch für uns ist das ideal, es ist fast eine Vergrößerung der Vereinsfläche, wir werden von unserem Haus aus sicherlich viele Fernglas-Beobachtungen machen«, freute sich Naturschützer Martin Wenisch und hofft jetzt auf die baldige Ansiedlung eines Bibers als tierischen Landschaftsgestalter.

»Der Hauptteil des Aushubs und damit verbunden ein erhöhtes Verkehrsaufkommen wird noch bis nächste Woche andauern«, sagte Marius Reusch und dankte allen Beteiligten.

Das Projekt habe einen langen Planungsvorlauf gehabt, »da müssten wir in Deutschland schneller werden«, wünschte er sich.

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