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Sprengung kein Thema

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Entwarnung: Der Abriss und Neubau erfolgt im laufenden Betrieb, allerdings erst ab 2025. Foto: Rieger © Rieger

Langgönser Talbrücke der A 45 wird im Betrieb abgerissen und neu gebaut, allerdings frühestens 2025.

Langgöns (imr/ww). Viele Pendler aus dem heimischen Raum machen sich gedanken, was mit der maroden Langgönser Talbrücke geschieht und was es für ein Verehrchaos beim Neubau geben könnte. Nicht von ungefähr. Im benachbarten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind bereits zwei altersschwache Brücken auf der A 45 gesprengt worden. Eine weitere bei Lüdenscheid wird noch in diesem Jahr fallen. Die Autobahn ist an dieser Stelle seit mehreren Monaten gesperrt. Doch im heimischen Raum ist Entwarnung angesagt. Die Langgönser Talbrücke wird ab 2025 im Betrieb saniert, so der bisherige Zeitplan.

Über den aktuellen Sachstand zur Planung und Umsetzung der Baumaßnahme informierte Anke Bruch von der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes auf Anfrage des Anzeigers.

Die sicherlich wichtigste Nachricht insbesondere für Pendler, welche die Brücke regelmäßig nutzen, zuerst: »Auch während der Bauzeit werden je Fahrtrichtung zwei Fahrspuren in einer Baustellen-Verkehrsführung vorgehalten. Es wird keine verkehrlichen Einschränkungen geben«, sagt Anke Bruch.

Mit dem Baustart sei aber frühestens 2025 zu rechnen, aktuell befinde sich das Projekt in der Genehmigungsplanung, kurz vor Einleitung des Planfeststellungsverfahrens.

Riesenprojekt Brückenerneuerung

Im Bereich der A 45, der sogenannten Sauerlandlinie, die auf einer Strecke von mehr als 250 Kilometer die Rhein-Ruhr- mit der Rhein-Main-Region verbindet, müssen sämtliche rund 60 großen Talbrücken ersetzt oder aufwendig saniert werden.

Vor etwa 50 bis 60 Jahren erbaut, halten sie dem heutigen Verkehrsaufkommen nicht mehr stand. »Zum einen ist das Verkehrsaufkommen durch den Güter- und Schwerlastverkehr in den vergangenen Jahrzehnten deutlich stärker gestiegen als zum Zeitpunkt des Baus der Brücken berechnet«, weiß Bruch. Zum anderen seien zulässige Achslast und erlaubtes Gesamtgewicht des Güterverkehrs gesetzlich nach und nach angehoben worden. Da ein einziger Lkw die Straße so stark abnutze wie viele tausend Pkw, würden die Brücken darunter besonders leiden. »Zudem wurde in der 1960er und 1970er Jahren bei der Errichtung vieler Bauwerke noch eine andere Belastung in den statischen Berechnungen angesetzt (DIN 1072), die den heutigen tatsächlichen Anforderungen nicht entspricht«, führt die Mitarbeiterin der Autobahn GmbH aus.

98 400 Fahrzeuge ab 2030 erwartet

Durchschnittlich fahren aktuell werktags täglich rund 84 200 Fahrzeuge über die Brücke bei Langgöns. Für 2030 wird eine Zahl von rund 98 400 Fahrzeugen täglich prognostiziert. »Der Neubau ist für die zu erwartenden Verkehre ausgelegt«, betonte Anke Bruch.

Im Rahmen des Brückenneubaus bei Langgöns soll auch eine Lärmschutzwand errichtet werden, zugleich wird die Autobahn auf dem Abschnitt zwischen der Talbrücke und dem Gambacher Kreuz sechsstreifig ausgebaut. Die Bauzeit für den Neubau der Brücke, die jeweils halbseitig abgebrochen und erneuert wird, beläuft sich auf fünf bis sechs Jahre.

Brücke allein kostet 40 Millionen Euro

Das Projekt wird den Bund rund 96,6 Millionen Euro kosten, allein der Neubau der Talbrücke wird mehr als 40 Millionen Euro verschlingen. Damit ist die Maßnahme einer der aufwändigsten und teuersten Streckenabschnitte im Rahmen der Sanierung der A 45. Bis zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen bei Haiger wird die A 45 auf insgesamt 63 Kilometer und mit ihr insgesamt 22 Brückenbauwerke sechsstreifig ausgebaut.

In der Region, die von der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes betreut wird, in Hessen ist das der Abschnitt zwischen Haiger-Burbach bis Gießen, befinden sich derzeit sechs große Talbrücken im Neubau, an zwei Talbrücken gibt es Verstärkungsmaßnahmen.

Die Erneuerung der Talbrücke östlich von Langgöns wird aus verkehrssicherheits- und technischen Gründen erst in Fahrtrichtung Dortmund erfolgen. Der Abbruch erfolgt über eine Vorschubrüstung beginnend am Widerlager Fahrtrichtung Hanau. Er wird schrittweise und mit lärmmindernden Verfahren erfolgen. Die jeweilige gesperrte Richtungsfahrbahn dient als Baustelleneinrichtungs- und Lagerfläche.

Da es durch den Bau keine Einschränkungen geben soll, sind auch keine Ausweichstrecken vorgesehen. Der Ortskern werde durch den Bauverkehr nicht belastet. Auch die in der Nähe der Brücke angesiedelte Autoverwertungsfirma werde durch die Baumaßnahme nicht direkt beeinträchtigt, da sie außerhalb des Baufelds liege. Auch andere angrenzenden Gebäude liegen nicht innerhalb des Baufeldes.

Bereits 2018 wurde im Rahmen einer Informationsveranstaltung von Hessen Mobil in Langgöns über die Baumaßnahme informiert. Demnach umfasst der Neubau der Autobahntalbrücke eine Länge von 490 Metern.

Die Brücke wird 30 Meter hoch sein, weniger Stützen als jetzt haben und »optisch gefälliger« sein. Der Überbau in Form eines »Spannbetonhohlkastenbauwerks« ist vier Meter dick und von innen begehbar.

Vorbereitungen für Neubau getroffen

Seit März 2021 wurden an der Talbrücke Langgöns alle vier Übergangskonstruktionen ausgetauscht, weil diese in den vergangenen Jahren mehrfach zu kurzfristigen Notreparaturen mit zum Teil erforderlicher Vollsperrung der kompletten Richtungsfahrbahn geführt hatten. »Eine dauerhafte Reparatur der Bauteile war wegen zunehmender Materialermüdung nicht mehr möglich«, erläutert Bruch.

Ebenso wurden in beiden Fahrtrichtungen vor und hinter der Brücke auf jeweils rund 500 Meter die Standstreifen verstärkt und erneuert. Beide Maßnahmen seien auch im Vorgriff auf den folgenden Brückenneubau zu sehen. Denn der auf der A 45 unter den Standstreifen in den 60er/70er Jahren ausgeführte Unterbau sei nicht für die heutige Belastung durch den Schwerlastverkehr, in einer über mehrere Jahre laufenden 4+0 Baustellenverkehrsführung ausgelegt gewesen.

Lärmschutz auf 1,5 Kilometer

Die Ortslage Langgöns westlich der A 45 wird mit einer 1534 Meter langen und vier bis acht Meter hohen Lärmschutzwand geschützt. Zum Schutz der östlich gelegenen Gebäude ist eine drei Meter hohe Lärmschutzwand, die im Bereich der Talbrücke durch eine ein Meter hohe Verkleidung des Brückengeländers unterbrochen wird, geplant. Durch diese Maßnahmen könnten laut Anke Bruch alle Imissionsgrenzwerte für den Tag eingehalten werden.

Die Talbrücke Langgöns wurde im Jahr 1966 fertiggestellt. Bei planmäßigem Start der Abrissarbeiten 2025 wird sie dann nach rund 60 Jahren erneuert.

Die Lebenserwartung der neuen Brücke liegt nach Angaben der Autobahnbehörde bei rund 100 Jahren.

Bei der Informationsveranstaltung 2018 wurde auch ausgeführt, dass die Brücke, die von Lang-Göns nach Linden-Leihgestern über die A 45 führt, wegen der Verbreiterung der Autobahn auf sechs Spuren abgebrochen und neu gebaut werden muss. Hier soll es Umleitungen geben, eine Vollsperrung war damals für ein Jahr geplant.

Auch eine unweit südlich gelegene Brücke, über die ein Feldweg führt, soll abgerissen, aber nicht ersetzt werden.

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