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Start für »KOMPASS« in Langgöns

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Beim Start der kommunalen Sicherheitsinitiative »Kompass« in Langgöns (v .l.): Daniel Bermbach, Astrid Müller (Gemeindevorstand Langgöns) , Marius Reusch, Bernd Paul, Yvonne Kresse (Leiterin Polizeidirektion Gießen) und Matthias Lederer (Leiter Polizeistation Gießen Süd). © Rieger

Die kommunale Sicherheitsinitiative »KOMPASS« zielt auf eine nachhaltig ausgerichtete Verzahnung und noch engere Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Polizei und Kommune ab.

Langgöns (imr). Großes Polizeiaufgebot am Donnerstagvormittag vor dem Langgönser Rathaus. Doch nichts Schlimmes war passiert, ganz im Gegenteil: Bürgermeister Marius Reusch (CDU) gab gemeinsam mit einer Delegation der Polizei, an ihrer Spitze Bernd Paul, Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen, und Daniel Bermbach vom Hessischen Innenministerium den Start der kommunalen Sicherheitsinitiative »KOMPASS« in Langgöns bekannt.

»KOMPASS« steht für KOMmunalProgrammSicherheitsSiegel und ist ein Angebot des Hessischen Innenministeriums an die Städte und Gemeinden in Hessen. Es zielt auf eine nachhaltig ausgerichtete Verzahnung und noch engere Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Polizei und Kommune ab. Dabei bietet die Polizei an, gemeinsam mit den Kommunen und den Bürgern die spezifischen kommunalen Sicherheitsbedürfnisse, also auch die Sorgen und Ängste der Bevölkerung, zu erheben, zu analysieren und gemeinsam ein passgenaues Lösungsangebot zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Prävention.

»Wir sind eine sehr sichere und gut aufgestellte Kommune, nichtsdestotrotz sollten wir das Sicherheitsgefühl einer näheren Betrachtung unterziehen«, sagte Marius Reusch in seiner Begrüßungsansprache. Auch im ländlichen Kontext gebe es durchaus ein paar Probleme, »KOMPASS« biete Chancen und Vorteile, »die wir gerne nutzen möchten«. Dabei werde sicherlich der Bahnhof in Lang-Göns Thema sein, betonte Reusch. Auch Bereiche, die sich im Rahmen von Corona, aber auch sonst als »Hotspots« herauskristallisiert hätten wie beispielsweise das Steinbruchgelände in Oberkleen oder »unbeleuchtete Ecken«, auch in den ländlicheren Ortsteilen, seien dann dabei. Das Thema befindet sich seit 2018 im Geschäftsgang der Gemeindegremien.

»Dreiklang«

Polizeipräsident Bernd Paul informierte, dass Langgöns die 119. von den insgesamt 420 hessischen Kommunen sei, die KOMPASS-Kommune werden wolle, und die 26. Kommune im Bereich des Polizeipräsidiums. »Langgöns ist sicher«, unterstrich er nachdrücklich, die wenigen Straftaten gäben aber durchaus »Anlass, sie zu unterbieten«. Er wisse aus seinem Berufsalltag, dass es »oft mehr Ängste gibt als die Fallzahlen eigentlich hergeben«. 2021 wurden in Langgöns 400 Straftaten angezeigt. Setzt man diese Zahl in Bezug auf eine Einwohnerzahl von 100 000, ergibt sich ein statistischer Wert bei dieser sogenannten Häufigkeitszahl von 3400. Damit liege Langgöns deutlich unter der Häufigkeitszahl von 4300 im Mittelhessen und 5340 für ganz Hessen. »Damit ist statistisch nachgewiesen, dass man hier sicherer lebt«, resümierte der Polizeipräsident. Kriminelle Ereignisse wie die beiden Geldautomatensprengungen der vergangenen Monate in Langgöns würden jedoch das Sicherheitsgefühl der Bürger deutlich erschüttern. Neben solchen Straftaten sei auch der Straßenverkehr ein ganz wichtiges Thema, da gebe es erfahrungsgemäß sehr viele Beschwerden. Paul erläuterte: »Sicherheit ist ein Gefühl, wir brauchen Sicherheit für eine ordentliche Lebensqualität.«

Paul sprach vom »Dreiklang« von Kommune, Landespolizei und Bürgerbeteiligung, wobei Letztere ganz besonders wichtig sei, damit die Bürger auch als Multiplikatoren wirken: »Die Auswahl der Akteure wird entscheidend sein. Dann braucht auch keiner später kommen und schimpfen, der sich nicht beteiligt hat, das wird sicherlich zur Versachlichung des Themas führen«, war sich der Polizeipräsident sicher. Die Universität Gießen begleitet das Projekt. »Es wird bestimmt eine ganz spannende Geschichte werden, herzlich willkommen, ich freue mich auf die Zusammenarbeit«, sagte er.

Bürgerbefragung

Sylvia Frech, die den Bereich Prävention im Polizeipräsidium Mittelhessen leitet, informierte über den weiteren Ablauf des Programms. Im Anschluss an den öffentlichen Termin gab es eine Arbeitsgruppenbesprechung im kleineren Kreis, an der auch Mitarbeiter der Gemeinde teilnahmen. Dabei wurde die erste Sicherheitskonferenz geplant, zu der Vertreter von Vereinen, Schulen oder Senioreneinrichtungen eingeladen werden sollen. Auch eine Bürgerbefragung mit Hilfe eines Kurzfragebogens ist geplant. Dabei soll das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger nachgefragt und verbessert werden. Wichtiger Aspekt sei es, (un-)sicherheitsrelevante Schwerpunkte in der Gemeinde herauszufinden. Durch die Auswertung werden von der Arbeitsgruppe entsprechende Schlüsse gezogen und »individuelle Lösungen für individuelle Probleme« gesucht. Bei einer weiteren Sicherheitskonferenz soll dann Bilanz gezogen werden, seitens der Gemeinde kann dann das KOMPASS-Siegel beantragt werden. Das Programm dauert rund ein Jahr, am Ende steht ein Maßnahmenkatalog, der Aufgaben für die Kommune, aber auch für die Polizei beinhaltet. »Damit endet die Präventionsarbeit nicht, denn sie ist ein kommunales Dauerthema. Die Bürger sollten weiter beteiligt werden. KOMPASS sollte als Anschubprojekt betrachtet werden«, legte die Polizistin dar.

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