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Über Diversität diskutiert

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Das Thema Diversität wird in Langgöns jetzt regelmäßig beraten, wenn es zu Entscheidungen kommt.

Langgöns (imr). Diversität bei allen politischen Entscheidungen mitdenken, einen gleichlautenden Antrag hat die Langgönser SPD gestellt. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, der unter Vorsitz von Jürgen Knorz (CDU) per Videokonferenz tagte, wurde darüber ausführlich diskutiert.

Gerald R. Dörr (SPD) erläuterte den Hintergrund: 0,3 bis 0,6 Prozent der Bevölkerung in Deutschland würden sich als »nicht männlich oder weiblich«, also »divers« bezeichnen, hochgerechnet auf die Gemeinde Langgöns seien das 40 bis 75 Personen. Viele von ihnen machten diskriminierende Erfahrungen, beispielsweise bei der Benutzung von Toiletten und Umkleiden, das habe ihm eine betroffene Person aus Langgöns berichtet.

Bei Toiletten fängt es an

Bei gemeindlichen Gebäuden könnte die Gemeinde handeln, sei es durch Umbauten, bei Neubauten mit einer möglicherweise weiteren Toilette, durch »AllGender«-Toiletten (Toiletten, die jeder, unabhängig vom Geschlecht benutzen darf) oder eine entsprechende Beschilderung, da gebe es ganz viele Möglichkeiten, sagte Dörr. »Unser Ziel in den Grundzügen ist es, dieses Thema in die politischen Gedanken mit einzubeziehen und die Leute dafür zu sensibilisieren.« Ihm gehe es darum, in Zukunft das Thema zum Beispiel bei Gebäudeplanungen mitzudenken.

Alle sollen sich wohlfühlen

Alle Menschen in Langgöns sollten sich »frei und sicher und wohlfühlen«. Die Bedürfnisse verschiedener Religionszugehörigkeiten wie beispielsweise muslimische Grabfelder auf den Friedhöfen, die Eva Oberschelp (Grüne) in die Diskussion einbrachte, begrüßte Dörr, das könne man »sehr gerne weiter fassen«. Jürgen Knorz meinte, »da ist Liberalität gefordert«. Frank Itter (SPD) mahnte die Verhältnismäßigkeit an, man sollte »keine immensen Kosten investieren«.

Dies sah auch Bürgermeister Marius Reusch (CDU) so. Er verwies auf die im Grundgesetz verankerte Freiheit des Individuums. »Wir unterliegen einem Fehler als öffentliche Institution, wenn wir versuchen, alle Teilgruppen einer Gesellschaft zu berücksichtigen, denn dann zerfällt unsere Gesellschaft wieder in lauter Stände und Gruppen, das halte ich für einen Fehler.« Besser sei es, »gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen, das wäre der eigentliche Ansatz, um diskriminierende Verhaltensweisen zu bekämpfen.«

Welche Barrieren gibt es?

Hans Noormann (Grüne) empfahl, darüber nachzudenken, was Menschen als Barrieren empfinden würden und zu überlegen, wie man diese zurückbauen kann.

Dr. Michael Buss (Grüne) stellte »physische und psychische Barrieren« fest und nannte für letztere Beispiele: So falle es Menschen bestimmter sozialer Schichten schwer, beispielsweise in Bibliotheken zu gehen oder bestimmte kulturelle Veranstaltungen wie im Stadttheater Gießen zu besuchen. Sie fühlten sich ausgeschlossen, wobei niemand klar benennen könne, warum. Das Thema sei sehr breit, ebenso breit sollte der gewählte Ansatz sein.

Christoph Meywald (FW) schlug vor, genau zu überlegen, wo es die Gemeinde konkret betreffe. Anja Asmussen (SPD) schlug vor, Diversität regelmäßig auf die Tagesordnung in den politischen Gremien und auch in den Fraktionen zu nehmen und entsprechend zu beraten. Dies könne in Form einer Checkliste gemacht werden. Bei einer Enthaltung befürworteten die Ausschussmitglieder diese Vorgehensweise.

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