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Unimog noch fahrtüchtig

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Der Unimog in den 1980er Jahren beim Fahrtraining mit Schneeketten auf dem Oberkleener Scharlsberg. Repro: Rieger © Imme Rieger

In diesen Tagen jährte sich zum 60. Mal die Übergabe des ersten motorisierten Feuerwehrfahrzeuges in Oberkleen.

Langgöns (imr). Einen besonderen Geburtstag würdigte die Freiwillige Feuerwehr Oberkleen in diesen Tagen: Am 28. Juni jährte sich zum 60. Mal die Übergabe des ersten motorisierten Feuerwehrfahrzeuges in Oberkleen.

Bis zu diesem Tag wurde der Brandschutz durch einen Tragkraftspritzenanhänger mit einer Feuerlöschkreiselpumpe vom Typ Flader mit einer Löschwasserfördermenge von 800 Liter sichergestellt. Der Anhänger wurde im Einsatzfall mit einer landwirtschaftlichen Zugmaschine aus dem Gerätehaus im Erdgeschoss des Alten Rathauses zum Einsatzort oder zur Löschwasserentnahmestelle gezogen.

Enormer Fortschritt

Daher war es 1962 ein enormer Fortschritt für Oberkleen, über ein Fahrzeug zu verfügen, das schnell örtlich und auch überörtlich einsetzbar war.

Es handelte sich um ein Tanklöschfahrzeug mit einem 800 Liter Wassertank und einer Schnellangriffseinrichtung, mit der man in kürzester Zeit einen Löschangriff vornehmen konnte. Das stellte der Unimog auch immer wieder bei Einsätzen unter Beweis.

Das Fahrzeug vom Hersteller Mercedes Benz aus dem Werk Gaggenau ist ein Unimog (Universal-Motor-Gerät) vom Typ 404 S mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 4750 kg und einem 6-Zylinder Benzinmotor mit 82 PS.

Mit zuschaltbarem Allradantrieb und Differenzialsperren auf allen vier Rädern ist der Unimog extrem geländegängig. Die Steigfähigkeit im ersten Gang beträgt 70 Prozent.

Das hatte auch alles seinen Preis, der Verbrauch beträgt pro 100 Kilometer rund 40 Liter Normalbenzin. Der feuerwehrtechnische Aufbau wurde bei der Firma Carl Metz GmbH in Karlsruhe gefertigt.

Die Besatzung bestand aus dem Fahrer, gleichzeitig Maschinist, und zwei Einsatzkräften. Mit vier Saugschläuchen, neun B-Schläuchen und vier D-Schläuchen sowie einer Heckpumpe mit einer Förderleistung von 1600 Liter Wasser pro Minute wurde das Fahrzeug für den Ersteinsatz passend ausgestattet.

Mit einer Länge von knapp unter fünf Metern war es kompakt und wendig. Für kleinere Brände stand noch eine tragbare Zweitaktpumpe mit einem Ilo-Motor und einer Literleistung von 200 Liter bereit.

Anfang der 1960er Jahre wurden in einer bundesweiten Beschaffungsaktion Löschzüge aufgestellt, von denen auch die Feuerwehr in Oberkleen profitierte.

Die Feuerwehrleute, die sich für den sogenannten Zivilen Bevölkerungsschutz verpflichteten, wurden mit besonderer Einsatzkleidung und Atemschutzmasken ausgerüstet. Später konnten sich Feuerwehrmänner auch für zehn Jahre im Katastrophenschutz verpflichten und wurden dafür nicht zur Bundeswehr eingezogen. Oberkleen bildete mit Dornholzhausen, ebenfalls einem TLF 8, mit einem Rüstwagen für technische Hilfeleistung (RW1) aus Rechtenbach und einem LF 16 aus Hochelheim eine Einheit, ein sogenannter Löschzug Rettung. Glücklicherweise bestand nie die Notwendigkeit, dass der Löschzug für Katastrophen überörtlich zum Einsatz kam.

Ergänzung für den Brandschutz

1984 erwarb die Gemeinde Langgöns den vom Bund ausgemusterten Unimog, weiterhin als Ergänzung für den örtlichen Brandschutz.

Mit einem erheblichen finanziellen Aufwand wurde der Motor 2002 ausgetauscht und die Karosserie 2010 vollständig neu lackiert.

Die Mittel dazu wurden ausschließlich von dem Förderverein durch Mitgliedsbeiträge und Erlöse aus Veranstaltungen zur Verfügung gestellt.

Zu besonderen Anlässen wird der Unimog noch bewegt, gerne auch von jüngeren Einsatzkräften, die mal einen Feuerwehr-Oldtimer ohne Servolenkung und Assistenzsysteme fahren möchten.

Mittlerweile wird der Oberkleener Unimog nicht mehr als Einsatzfahrzeug genutzt, ist aber noch mit TÜV-Abnahme fahrtüchtig.

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