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Verkehr verteilen

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Die aktuelle Verkehrsführung am Backhaus in Niederkleen soll nach dem Willen des Ortsbeirats und der interessierten Bürger zukünftig beibehalten werden. © Rieger

In Niederkleen soll ein Verkehrkonzept auf den Weg gebracht werden. Die Anliegen von Fußgängern und Radfahrern sowie die Barrierefreiheit sollen gleichberechtigt berücksichtigt werden.

Langgöns (imr). Große Einigkeit herrschte bei den Mitgliedern des Ortsbeirats Niederkleen und dem Dutzend interessierter Bürger, die zur Sitzung des Gremiums gekommen waren, ein Verkehrskonzept für Niederkleen auf den Weg zu bringen. Das Thema ist seit vielen Jahren immer wieder Gegenstand in den politischen Gremien der Gemeinde Langgöns, jetzt wird es konkret angegangen. Drei Ziele sollen dadurch erreicht werden: Die Minimierung des Durchgangsverkehrs, eine allgemeine innerörtliche Verkehrsberuhigung und die Entflechtung und ausgewogenere Verteilung des innerörtlichen Verkehrs.

Diese Ziele hatte die Gruppe »Zukunft: jetzt« um Sabine Textor, die mit drei Frauen im Ortsbeirat vertreten ist, in einem Antrag formuliert. Im Rahmen der zweistündigen Beratung, bei der das Publikum immer wieder ausdrücklich von Ortsvorsteher Tim Schröder (CDU) aufgefordert wurde, sich zu beteiligen und seine Meinung zu äußern, wurde ergänzt, insbesondere auch die Anliegen von Fußgängern und Radfahrern sowie die Barrierefreiheit gleichberechtigt zu berücksichtigen. Das betonte Eva Oberschelp (Grüne), die als Vorsitzende des Umwelt- und Verkehrsausschusses (UVA) an der Sitzung teilnahm.

Ortsbeiratsmitglied Horst Röhrig (SPD) beantragte, ein Verkehrskonzept für den gesamten Ortsteil Niederkleen offiziell in Auftrag zu geben, denn bislang gibt es nur ein Planungskonzept, das sich mit der Situation im Bereich der Kleebachbrücke am Backhaus und den Straßen Schneiderberg/Bennergasse beschäftigt. Der Ortsvorsteher und die Ausschussvorsitzende stellten dieses Konzept, das bereits im UVA Thema war, zu Beginn noch einmal vor:

Umleitung

Der Durchgangsverkehr aus Richtung Oberkleen könnte großräumig an Ebersgöns vorbei zur B3 umgeleitet werden. Dieser Weg sei zwar 1,5 Kilometer länger, aber schneller, wenn man nach Lang-Göns fahren möchte. Ein weiterer Vorschlag des Planungsbüros ist es, den Durchgangsverkehr aus Richtung Oberkleen beginnend über den Blauäckerweg, am Kindergarten und der Feuerwehr vorbei zur Butzbacher Straße zu führen. Dieser Vorschlag wurde vom Publikum nicht befürwortet. Anwohner befürchten, »dass dann der ganze Verkehr an der Kita vorbeigeht«. Außerdem würden dort viele Familien mit Kindern wohnen, betonte ein Sitzungsgast. Einig waren sich alle, dass der Verkehr gleichmäßig verteilt werden müsse, so dass nicht einige Straßen besonders stark belastet sind. »Es soll für alle verträglich sein«, brachte Oberschelp die einhellige Meinung auf den Punkt. Eine zentrale Rolle kommt der Verkehrsführung über die Brücke am Backhaus zu. Was hier für die Zukunft entschieden wird, hat Auswirkungen auf den ganzen Ort. Das Bauwerk ist stark sanierungsbedürftig und deshalb aktuell nur einseitig befahrbar. Es gibt außerdem in den Straßen Schneiderberg / Bennergasse eine Einbahnstraßenregelung. Die Ortsbeiräte und die Besucher waren sich einig, die aktuelle, im vergangenen Sommer eingerichtete Verkehrsführung über diese Brücke weiter beizubehalten. Eine zukünftige Vollsperrung oder eine völlige Öffnung der Brücke wurde abgelehnt. Radfahrer sollen weiterhin gegen die Einbahnstraße fahren dürfen.

Spielstraße

Der Fußgängerbereich um das Backhaus soll vergrößert werden. Dadurch gewinne auch das historische Backhaus einen gewissen Schutz, unterstrich Röhrig. Es wurde in der Vergangenheit immer wieder von großen Lkw am Dach gerammt.

Von Schneiderberg-Anwohnern kamen sehr positive Rückmeldungen: »Die jetzige Situation ist eine sehr gute Sache, gerade auch für Kinder.« Anwohner der Bergstraße müssen hingegen aktuell mit höherem Verkehrsaufkommen leben, weil Autos diese Straße alternativ nutzen.

Viele würden sehr rücksichtslos fahren, klagte das Publikum. Markus Beppler (FW) schlug vor, in Richtung Schneiderberg von der Brücke ausgehend eine Spielstraße einzurichten. Tim Schröder begrüßte dies: »Wir wollen besonders für Fußgänger eine bessere Lösung finden.«

Einstimmig votierte das Gremium auch dafür, die Bennergasse und die Straße Zwirnäcker bis zur Feuerwehr als Spielstraßen mit verkehrsberuhigenden Elementen an den Eingängen auszuweisen, dort sollen auch keine Lkw mehr fahren dürfen.

Weitere Punkte, die von »Zukunft: jetzt« beantragt worden waren, wurden beraten und einvernehmlich abgestimmt. Sie sollen ebenfalls Basis für die weiteren Beratungen im UVA sein: So soll unter anderem im Rahmen der Umleitung über Ebersgöns in Richtung Langgöns /Gießen zur B3 im Bereich der Weidig-Sporthalle und der Grundschule eine Bedarfsampel über die Kreisstraße führen, um eine sichere Querung zu gewährleisten. Verkehrsinseln zur Geschwindigkeitsreduzierung an den Ortseingängen aus Richtung Wetzlar und Oberkleen, eventuell in Verbindung mit Blitzanlagen, sollen eingerichtet werden.

Das Publikum brachte in dem Zusammenhang zum Ausdruck, dass die Geschwindigkeiten im Ort grundsätzlich häufiger kontrolliert werden sollten. Der komplette Ortsteil soll Tempo 30-Zone werden, auch die innerörtliche Kreisstraße. Die Geschwindigkeitsmessungstafel am Ortseingang aus Richtung Butzbach soll wieder aufgestellt werden. An der Zufahrt zum Blauäckerweg soll kein Hinweis auf das Gewerbegebiet »Alte Butzbacher Straße« stehen.

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